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Der Orden Bne Briss · 1935-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. Seite 92

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1935
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1935-09-01
Page
Seite 92 (sequence 16)
Language
German
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der Wille, der leidenschaftliche Drang zustande, seine eigene -Seele auszuschütten vor dem Unsichtbaren, mit dem Unsichtbaren zu reden wie ein Kind zum Vater -{»rieht? All das ist Geheimnis, über das der Betende seihst nicht' zu sagen wüßte, außer, daß' es in ihm lebt und daß er so' empfindet. Und nur insoweit dieses Geheimnisvolle der lebendigen Beziehung von Mensch zu Gott im Betenden mächtig ist, gewährt das Gebet innere Ruhe und Freude, übt es eine Wirkung aus, eine Wirkung auf deh Betende» selbst, sonst ist es ein leeres Lippenwerk, gewerkte Übung, man möchte sagen absolviertes Pensum. So ist also dem Gehet von vornherein ein mystischer •Untergrund gelegt.i von dem es sieh nicht ahlösen kann, ablü'cn darf. All' Mystik hat zunächst ein Ziel: das Fan-sei n mit Gott, richtiger das ^ins werden mit Gott. Kin doppelt! Geheimnisvolles ist liier Schon bezeichnet und um-eJirieben. Gott, selbst is^ ja Geheimiii-, er seihst ist das Geheimnis aller Geheimnisse, alles um ihn i«t dem Verstand, ist dem Begreifen, dem Erkennen entzogen. jü ie ist er? Wro ist er? Wie gelangt man zu ihm? Wie offenbart er sieh? Wie begnadet er? W eil begnadet er? Alles unergründbar, voll der Geheimnisse. Und dazu nun noch das Geheimnis der Herstellung einer Verbindung mit ihm. das Erzielen eines Eihsmit-ihm-Werden! 'Wer vermöchte darüber etwas zu -agen. mit klaren Porten. daß man daran sich belehren kann? Hier ist alTes ins Erleben, in die Sphäre des Per- -önliehen gerückt. (Und wenn ein Mensch von der Glaubeii'Jrraft. von der; Betenskraft. eines anderen erweckt wird, daß er dann j selbst in einer neu gewonnenen Andacht und Gesamnjeltheit zu beten vermag, so ist auch da- Zünden solchen’Funkens, die innere Erweckung gm fort reißenden Beispiel, ein Geheimnis. Das Judentum hat eine besondere Form gefunden, das Einswerden des Menschen mit Gott im Gebet zu fördern. Sein Hauptgebet ist. wenn man es recht betrachtet. eigentlich gar kein Gehet, wenn man unter Belm versteht: Gott {etwas vortragen, sei es Bitte, sei es Dank, sei es der S<jh rei. der durch.ein Leid oder durch eine Schuld gequälten Kreatur. Sein Hauptgebet ist das Bibelstück, das mit! dem Satz: .,Sch’ma Jisroel-. . .“ anhebt. Das aber ist Anrede an den Betenden. Es ist einer der charakteristiscjhsten Züge des jüdischen - Gottesdienstes. daß sein item kein Gefühlserguß, sondern Ansprache an den Betenden selbst ist, Abrede an den Menschen. Indem täglich .Worte wiederholt werden, die Moses im Namen Gottes und seines Geiste« voll an Israel sprach, wird ständig Gott seihst gleichsam redend und anrufend eingeführt, ist im Bewußtsein des Betenden Gott, wenn man so sagen darf, anwesend, wird seine Anwesenheit lebendig- Auch das ist nicht mit der Nüchternheit des Denkens nachzuweisen; obgleich jedes Wort des Bibelstückes gedankenklar und in allen seinen Beziehungen erklärbar und deutbar ist, ist das Ganze, die Einfügung dieses Stückes in den Gottesdienst als dessen Avswirktin; eines Ge Herzstück als ein Mystisches; als heimnisvollen zu werten. j Mystik birgt sich iu dem Briuich der Ti fillin, auch wenn man mit ihm einem (jelmt gehorchen will. Indem an Arm und Stirn in Kapsclji geh|üll< die Pergamente gelegt werden, die von dem Ajuszu^ aus Ägypten und von den Im Sch’ma niedergeleitcn Forderungen G< ttes an den Menschen handeln, soll Wort, uqd Sinn gleichsam in den Menschen entziehen, iij ihn ihm eins werden, seinen Wjillen Hier ist nicht das Einswefdcn Einswerden mit Gottes Wärt. c|as fleh vollziehen soll, klar und voll der Deutung idie llaiidluiig und «loch zugleich im Tiefsten von einem Geheimnis m lrauscht. f Mystisch ist der-»Brauch, bei bestimmten Gebuten die heilige Lade zu öffnen. Gleichsam als poi (liier geöffnet., durch das das Gehet in hiiti heimisch tvenlcn, mit und sein Tun richten, mit hier ist das emporsteigen kann, so als oh das T m. der die Torarollen gebftrgcn werden Himmels entspräche, mit (lern?«. einer geheimnisvollen Verbindung Geheimnis umrausoht dk“ii Klang der Worte ist vertraut, die H orte sind g schwer, aber indem der Priester. emporhebt und so aneinande *fii lisclif ör der heilige ider steh^- Segen dir einem da< inil Prif de r Kohei: vom überirdischen Glanz? W i t. d: iß Finger einander berühren ^md von ihrsrr trennt sind, senkt auf sie sigh die Gegenwert G nieder, und der Priester vdrhiillt sein Ia Auge sic nicht schaue, denn w j könnte Gegenwart Gottes erschauen und wäre e das geselleliei Gottes Gegenwart sich herniedcrsejikt? Gelieimnis, unerforschlich. Und ist nicht d^r Segen im ganzer Geheinis? Was ist’.«, das diesen Hl orten |und gerilde diesen die r aus Aharons. * Geheimnis. legen; ahj-r Kraft gibt? H arum gerade i|ureh die Männ Stamm und nur durch sie jin! jener Fo Die Bibel sagt nur: ,.sie sollen meinen über die Kinder Israel und Iqli werde spe wie und warum das ist — tjlelJeinniis! Die Mystik «licht darnach; da* Irdisch lisclien allzugleichen; sie begreift, das |In Abbild des Hipiniels; die ijrde hat ili und eine Berechtigung, insoweit! sie len in issi -Utes herupt, daß sein der Mensch die nicht reblendet ein Tor Höhen n Lade. Tor des ihm in ter. I?er edanken- , seine Hände jeweils zwei Nachbar gc- 1 «oll, daß Nai «egt en dem Himniiscli ui r < lbit issen. des Hirnmeis ist, und die ^l?n es können, soweit es an ihjn^n Himmlischen nachzueifem, sich preisend -zu scharen wie die Hinmliscien alles setzt einen sehr realen Glaubel e nur als inen Herl Spiegelbild soweit sie iegt, sich imihen, den io um Golt lobend und Glauben, der im Himmel und seiner W dt nicht nur ein Symbol, in den Worten, mit (lenen von ifrm geredet wird, nicht nur eine umschreiben le Redefigir erblickt,) sondern buchstäblich einen Hi nmel und ein l Jefolge der .Engel lebendig schaut. Daraus öntsprar g einst eines der wichtigsten Gebete des jüdischen G< ttes 1 ienstes, die Keduscha, das Gebet der Heiligung. Seine Einleitung weist deutlich darauf hin: i„Wir wollen Elch verherres tun. Das tojans, einen 92

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