Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1935-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1935
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1935-09-01
Page
Seite 90 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6727475-6029211-6074911--3224-4869786
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I noh-Abend aufgespart hat. wandelt das: junge Gemiit alur^li die Veit der verschiedensten Betrachtungen und Empfindungen. uitd es erfährt in der Gewöhnung an die Seigenssprüche den Sinn und da? V esen der jüdischen Kulturatmo-phäni als eine Bindung ‘de* Alltag? an die Iddr de? GöttlielJen. K? lernt die einzelnen Akte de? läjiehen Handeln? in einer kulturhaft bestimmten Form aufnehinen. Allerdings muß da? jüdische Kind Vater ■ iitfI Mutter hei denselben Handlungen sehen. V ir könnep nicht verlangen, wa? wir seihst nicht «tun. Am \ Urbild von Vatijr und Mutter geschult, entwickelt sich inj Kinde der Sinn für seine besondere Verpflichtung al.j »jüdischer Mensch. Aus dem Auge gleitet da? Vorbild und au« dem Ohre das Mahnwort in sein Herz, mid es begreift ’ den Villen zur Selb-tbindung und "idhsthesinnung. ■ In die V eit des Alltags, die durch die Tirorhnus. da? kurze Tischgebet und den Abendspruch geheiligt wird. tritt die Feier de4 Sabbats wie der Festtage, und das Ge-, bet erhält seine besondere Note. Während «las Gehet afii Alltag im jüdischen Hause \oll Nachdenken und Frage ist. ist es am Festtage voll übermütiger Freude. Melodie und Khythntus treten zrtm Wort und steigern das Bekenntnis tum Hymnus., die stiHe A'erhindung des < h-danken? mit Gott zu schwunghaftem liehen, zu einem geadelten -Leben. — - - * —• F.s «ist Freitagabend. 'Die *■* * Mutter hat es gesagt: ..Nun kommendie FriedensenJEel! Wenn aber der Tisch nicht feierlich gedeckt ist. die Lichter nicht brennen und der Wein tuid die Striezel f ' dicht vorbereitet sind, dann kommt’ der Engel des flüseii und sagt: So soll es immer sein!" Die Kinder legen die Finger auf die Lippen. ...S - t! Jetzt nicht zanken und nicht streiten!“ Eben fiel doch ein lautes Wort zwischen ihnen. Sie sehen sich ängstlich an. Geht jetzt der Engel re* Friedens mit Tränen in den Augen fort? Gut. daß der Tempel aus Ht und, der \ ater sie mit dem Sabbatgi uß begrüßt. Nun können sie Schnlaum Die Kinder gehen im fcuge. klatschen in die Hände um singen unter Lach eit lind Freude den Gruß. der. den l riedensejigeln des Sabbat gilt. Dann -teilen die kleinen jüdischen Zecher, djs silberne Kinderheclierehen fest in das Händchen gepreßt, neben Vater und Mutti r’ am festlich gedeckten Tisch. Der Segensspruch de- Vaters ist verklungen, rlif kleinen Becherchen haben ein Weintröpfchen aus dem großen Kidduschbecher u«Verwandt auf las schaukelnde Naß .am Grunde, (Tie. Lippen murmeln weit zurück, das gen. Und die Kixi aufgenommen, die Kleinen .blicken die Brochoh, die Köpfchen legen sieh eine Händchen drückt das Käppchen fest, das andere, l ührt — endlich — (len Becher zum Munde.. Dann werden Smiraus (Tischliederi gesungen. Gäste sind da junil geben ihre Melodien zum besten, und die Kinder vergleichen sie lauschend mit den gewohnten Klängen. Im Tischgebet werden einzelne Sätze, anders als am Woehentage. zur Feier des Abends gesun¬ Ahsehnitte des Tischgebetes aus dem Fit Sie dürfen länger aufbleihc sich der Freiheit und der n als Vier. s gew Wie aber, wenn die Eltern aus de m »inen odt: anderen Grunde den Fahbatahend mit iioinCr Vdt dur vorziilcsen. «ihn ich und fr r ,<lem der gestalten können? Geschäft, eil kennt nicht. Es soll hier Gebete in der üblichen Form nicht Der Vater kommt erst spät aus dem die Welt der jüdischen I-ebcnsformen nicht darüber gestritten werden, oh tjr i eil Kinilcrn zuliehe sich diese V eit und den freien | Abend nicht dich erschließen könnte. Weni| cs nicht janders geh:, möge dann der Sohn der Elirc der Gcbotscrf illung ti|ilhn(ftig werden. I-t er klein, so n( ag die Mutte - die Worte ha nut >en. ihm sprechen. Aber er muß die Empfindung daß er der Vollziehende isjt. Gebet Lt nie persönlichste ' Beziehung des AJ.enschen zu Gott. Sie (kann nic ht früh genug selbst übernommen werdcu.l .,Knl,t staunender Besuch“ des bloßen Zuschauers ist rnittlitam Platz! Es gilt die eigene innige Anteilnahme. (Das Kind freut sich solcher Aufgabe mit besonderem Stolz, eg lebt in ihr mit stärkster Intensität def Verpflichtung, als . Großer“ zu wirken. Ich denke an dk-n Erlist^ m t dem m‘in Sohn während einer Reise des Vaters d|e Pflicht übernahm, als ..Mann“ am Vorahenij! des -Pi|ssa|ehfestes nach der alten Sitte die Brotreste zilisammenjzusuchen unrl sie des Morgens mit dem Spgensspruch dem Herdfeuer zut Vernichtung zu übergehen, ^ur Belohnung für dijn ge wissenhaften Ernst, mit dein er den gesprochen hatte, brachte ich ihm Schokolade. Noch 'ganz im Bann i »in Stück •(«» iteiliche) es eben Erlebten, der Ausrottung des letzten Gesäuerten, (las im Ilause sich lerharg. fragte er mich sorglich: auch Ungesäuertes?“ Die Familie ist die Stätte, in di r sich das c-ste egensspri eh „Ist die Schokolade nacli- Beten von den Lippen des Kindes ringt, Tins Gotteshaus mit seiner Beterschar ist im jüdischen Sinne der'erweiterte Kreis der Familie. Alan lieilenke piielit zu ängstlich die mögliche Entweihung der heiligen Stätte durch kindliche Lebhaftigkeit.»Man, führe das Kind frih in die Sphäre "des Gotteshauses, Denn nun hier kann es bestimmte, dem werdenden Geiste unvergeßlich 5 Eindrücke empfangen, die das religiöse Leben res Hauses ergänzen. Der Jiigendgottesilien it ist ein Notbehelf. Das Kind soll mit seinen verwunderten, aber da i Wunder der Doppelseele alle? Menscnliclien schon ei-ahnenden Blicken das Antlitz des erwachsenen Beters sehen, und das ist ein Stilleres Antlitz als du« seines kindlichen Genossen. In der kleinen „Schul“ sieht das Kind die Züge des echten jüdischen Antlitze!, Es sieht die Versunkenheit des Vaters und heohachtet, wie er bei dem heiligsten Gebet sein Hai|pt mit dem Talliis lerliüllt. um sich ganz dem Gebet selbst, in des Vaters Arm. bewunderten Gebetmantel der streiten sich Um die Ehre, einzelne ihre Hände über die Gemeinde h-eiten. Es s eht das hinzu gelen. Es fühlt sitli mit eilige lüllt in diesi n scheu , wenn die Priester segnend 90

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.