Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 9/10 - September/Oktober
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 88 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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kindlichen Geniüte no * Grade als Empfindung von Himmelsgehnsucht Wollen und Versagen, irdischen Gütern und wird allerdings auch Wünsche in der ihm vi?h nicht oder nur in geringem zugänglich. Was weiß ein Kind ■und irdischer Bedrängnis, von tron dem Kampf mit sich selbst, der David die Worte s.uf die Lippen trieb: Herr, gib mir ein neues, ein reines Herz! Und im Grunde ist dem Kinde auch die Leidenschaft des Drängens nach den die Furcht des Verluste* fern. Es manchmal kleine persönliche ertrauteren deutschen Sprache im Gebet Vorbringen, und darin soll-man es gewiß nicht stören. Aber man säe . ils frühe Saat in die kleinen Her- Jaakautv.' „Höre Israel, der Ev ..Die Lehre hat uns zen nach der im Osten gepflogenen Sitte die' Erkenntnis \on Gott und Gese z mit der Einprägung der beiden Leitsätze: ..Srh’ma Jisrocl ada inoj clauhenu adaunoj rchod.“ ..Taurn ziicxvoh loti’j Mausrheh mauroschqh k’hillas anders als die Menschen. Wir können iui uns mit unseren menschlichen Kräft/en nicht vorstellen. Es kann Vorkommen. daß die kindlichsten Vorstellungen die Welt der Abstraktion unterbrechen. So schioß plötzlich ein Abendgebet des dreijährigen Kleinen mit dem'Wunsche: „Alle sollen gesund bleiben! Gott sc 11 auch gesund bleiben!“ Und auf die erstaunte Frage,' warum dies, kam die Antwort: „Gott ist doch anders als die Menschen. Er hat doch gar nichts an. Da toll er sich nicht erkälten.“ Oder die gespannte Hörerin unterbricht die Erzählung, daß Gott alles geschaffen und für Adam Eva als Frau gebildet hat. mit den Woiten: „Und dann "hat der liehe Gott" die grpße Puppe mir zum Spielen 'gehör .1 kige. unser-Gott, ist einig, einzig.“ Mose anbefohlen’ als Erbteil der Gemeinde Jatkobs.“ Denn bevor das Kirn beten im weiteren Sinne lernt, muß eswissen, daß Gott ist und wie Gott ist. Am ..Srh’ma Jisroel/“ 'erweckt, ertönen die ersten Kinderfragen: -Wer ist di r liebe Gott? Was tut der liebe Gott? Ist der liebe Gott auch ein Mensch? So ergibt sich, aufs engste ver cnüpft mit diesen ersten Gebetsworten. ein Gespräch, ein Antworten auf Fragen. Die Mutter m Man' entsetze sich nicht über solche Kindesausrufe. Sie sind keine Gefahr. Sie sind in ihrer Naivität nur die kindliche Ausdrucksfarm für die pmpfindung des ..l**hendigeu ‘Gottes“, den jmsere Väter ^n einem unmittelbaren Vertrauensverhältnis erlebten! Gott ist das ewige Geheimnis, die unendliche Größe und Macht, vor der der Sterbliche wie Hipb demütig seinen Mund verschließt und sich mit seinen Fragen wie ein vorlautes Kind besohoidet. Er ist ^her auch der Nahe und Vertraute, der Freund und der Helfer, der sich wie ein Vater seinen Kindern zuwlendet. W’enn vir den Kindern das Bewußtsein des einen wie des andern zutragen, sichern wir ilinen zunächst genug, jüdische und sie wiederholen Kindern sprechen. E Versuch, die Kindei ß mehr tun als Woilc lehren lassen, sie -muß mit ihren arum beginnt wohl instinktiv der an das Beten zu gewöhnen, mit dem Abendgebet. Die Kindesseele ist vom Spiel nicht mehr abgelenkt und zum- Nachdenken gestimmt. Die tätige Mutter hat Zjeit, bei ihren Kindern zu sitzen. Wenn im Frieden der Abendstunde die Leitsätze dem Kinde vor gesprochen! und von ihm mit immer wachsendem Ernst w-iederhclt werden, bilden sich die ersten Vorstellungen und Empfindungen, aus denen es später als erwachsener Mensch die Kraft seines Lebens und seine* Wirkens bezieht. Aus den Antworten auf die Fragen strömt in die Kindesseele als unverlierbarer Be- -itz da* erschütternde und befreiende Gefühl, das alle Harten des Lebens ertragen läßt: Gott ist! Gott ist die Lösung für alle Fragen, für unser Wissen und unser Nichtwissen, für unser Hoffen und unser Verzweifeln. Es ist eigentüml eh, mit welch gläubigem Vertrauen und welcher Unbedingtheit sich die kindliche Seele dem Gotteshegriffe ersch ießt. Der Einfalt des Herzens ist es sonnenklar: Gott ist groß, Gott ist allmächtig: Er ist gut und hilft. Er hat alles geschaffen und kann alles machen. Das Wissen um Gott als den Urgrund des Seins ist eitle: „vorausgeoffenbarte“ Erkenntnis der kindlichen Seele. Belehrt und erzogen muß das kindliche Gemüt nur werden zur Kraft der abstrakten Auffassung des ewig Geheimnisvollen. Gott ist unsichtbar, Gott ist gänz ..*i hlageti, nur die Tasten Deutungen. Die Musik lieut im Instrument. Das Kind weiß und versteht mit ein Empfinden*: Gott ist der. Goirenwort meines Kleine Zutragen? Wir an mit unseren Worten und einmal Schul- „Sch’ma“ beten oh in betest D^ das Sch’ma?“, Bis ■*r erstaunlichen Sicherheit des zu dem man spricht. Tn der : n stritten sich kinder Voll Ehrgeiz, bis wohin sie das könnten. ..Nun. und bis v fragten sie den Kleinen, der Aufmerksam zuhörte, zum lieben Gott!“ gab er ernst zur Antwort. Der andere Pol, um den das Denket! des Kindes^ini jüdischen Hause kreist, ist das Gesetz! Die Eigenart, die das traditionelle Lehen dem Stil des Hauses gil>L lehrt es: Gott hat verboten) und hat erlaubt. E^ hat mehr Bindung, ttlichen Willens d^i- Gemeinverboten als erlaubt. Gesetz ist ewig, ehernej von dem Sendboten des g< sehaft als Satzung für die traut. Das prägt der Satz: Führung ihrep Lebens an er- Tauroh ziwwoh lonu . . . ein. Gesetz ist eine Macht, d^r ihan sich freiwi lig, w;nn auch oft mit Entsagung, mterwirft, im letzten Grunde unerklärlich. Das Kind erfährt mit diesem Satz, daß es Prinzipien gibt, unverrückbare Grtindsälzej ein .T|ti sollst!“ und ein *Du sollst nicht!“ Meine kleine Friidenkerin beantwortete eir mal den Versuch^ die Trennung des ..Fleischig“ von ..Milchig“, der) Wurst von Butterschnitte, durch' den Hinweis auf das Böcklein, der das nicht in der Milch der Mutterziege gekocht werden s >11, humanitär zu begründen, mit dem Einwand: ..Aber die fe. Wurst ist ja schon geschlachtet!“ Ich sa]h mich belelirt. In der Kinderstube hiat d ie Debatte zu schweigen. Das SS