Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 9/10 - September/Oktober
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 84 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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‘ mit den Piutim und den hebräischen Dichtungen de« Mittelalters bis zur Gegenwart. Voll Bewunderung erfährt man, wje die größten Gedanken hier in echte, \ olkstümlichc, dem j Bibelleser selbstverständliche Sprache gekleidet sind. Kürze und Länge der Gebete sind nach den Tageszeiten verschieden. Ij>as liauptgebet des Morgens ist, nicht nur in seiner gesamten Gliederung, sondern auch in den Einzelpartieen* länger als das des Abends. Gar das Aachmittagsgebet beschränkt sich eigentlich nur auf die Schmaunoeßnp (Achtzehngebet), weil es den Menschen mitten in der Arbeit trifft. Für den Sabbath und die Feiertage sind' dann die Hauptpartien des Morgengebetes wieder erweitert. Für den Sabbathmorgen haben die Alten geradezu wie Paitaüim die erste Brocl oh vor dem Sch’ma auigesclunückt, einen mächtigen Hymnus auf die Herrlichkeit Gottes in der Natur gestimmt. | So verrät sich auch ijn der Form der Gebete, welclie großen V ol ks e r z i e hje r insere Weisen waren, denen wir unsere Stammgebetej ver< lanken. Sie haben die Sy goge nicht nur zur Stätt^ höl ierer Gefühle und seelischer Erhebung gemacht, sonderny durch die meisterhaf le Form der Gebete auch ^u einer Schule des Geistes, i u einer Stätte der Erfüllung J zu gestalten gewußt. Ihnei unsere Synagogen, wie unsei Israels sind. ujis ät der Lehre des Judentums ist es zu verdanken, dan Väter sagten, die „Schul“ Das jüdische Gemeindegebet Van David Baumgardt. Da« klassische Judentum hat den Gegensatz zwischen Gott und Mensch — wegipi der Uuvorstellbarkeit eines Mittlers als unüberbrückbar empfunden. Aber die Gegensätzje zwischen den Menschen wollte es dafür um e) so -wenigejriinerkeunen. Diese Grundhaltung prägt sich auch im {jüdischen Gemeindegottesdienst aus. Eigentlich kennt die jüdische Teßllah fast nur Gemeindegebete. Auch weinn der jjude in einsamster Kammer mit seinem Gott Spricht, redet er von „unserem Gott". _\ijr relativ wenige Gebe e (z. B. das kurze Eio * haj Me'scfaamah im Seftacharit, das Bibelwort vor der Schemone i Esreh und ihr knapper Anhang oder manche Psalmen, in denen schließlich ddr König David spricht), haben die Formel „meip Gott". Sonst heißt die immer wiederkehrende Apostrbphierung der Berachot: „unser (üott, König der Weitst * Doch erst zehn gemeinsame Beter bilden eine wirk- "liehe Gemeinde; drei können zwar z. B. beim Tischgebet schon eine Formel, die liberalen Tischdank des Einzelnen hinaus greift, sprechen; aber eine echte Gebetsgemein de besteht erst beim Zusammentreten von zehn erwachsenen Männern, was auf eine sinnige Weise durch eine Deutung einer Stelle des vierten Buches Mosis begründet wird. (Num. 14,27.) Zehn sündige Kundschaf er treten hier auf. Um ihres Kleinmuts willen will G< tt die ganäe „Gemeinde“ vernichten. Da aber nicht angenommen wierden soll, daß hier mit der „Gemeinde“ g inz Israel j gemeint. sei, So wird schon eine Zehnzahl ton erwachsenen Juden als Minjan, als volle (Gemeinde betrachtet. Bei der Anwesenheit eine« Minjan kann ü verall aus einem Sefer Torah mit allen Riten des „Ein-' und Ausl ebens der Torahrolle“ vorgclesen werden; es wird erst dann das Kaddisch zwischen den Absätzen d;r großen täglichgi Gebete gesprochen und dergleichen Aber wi; überall im Judentum, so besteht auch im Gemeindegebet nirgends an sich eine Klnft zwischen in Priestern und Laien. (Birq, ■ bilden hier keine Ausnaljm Synagoge im öffentlicheii und es war früher, aber ep ir großen und mehr noch daß die Mitglieder der beten aufgeforderl lyerden ihrer Eltern. An deit ho hierzu fähigen Gemejindc1 beten zu dürfen. tie.i Überhaupt ist , .L diese al Cohanim und ähnliche* Jeder Jude kann in dei Gottesdienst Vorbetpr sein; t auch heute noch in vielen kleinen Gemeinden Sitte,“ chillah geradezu zum Voretwa an den Sterbetagen Feiertagen wetteifern die nitglieder miteinander, vorverschiedenartigste Heranziehung der einzelnen1 Geni^indeniitglieder zu der aktiven Mitgestaltung des Gottesdienstes eine besonders charakteristische Eigenart jder synagogalen Gebetsordnung. Jeder einzelne Jude |kann hier zu sehr mannigfaltigen Funktionen aufgei ufen werden. Er singt nicht nur mit im Gemeindech jr, sondern er spricht im Trauerjahr für Vater und Mutter selbst das Kaddisch vor, er reicht — eine besondere Ehrung — dem Vorbeter aus dem Aron Hakoiesch (Heilige Lade) beim „Ausheben“ die Thorarolle zu, er hält die Sefer-Torah beim Einheben, während ein anderer sie zusammenrollt und mit der Wimpel wieder zusammenbindet, und er kann schließlich auch den Prophetenabschnitt, die Haftarah, an Sabbaten und Feiertagen nach der Thora? Vorlesung vortragen. Vor allem erfolgt die Vorlesung der Torah niemals in einförmigem, ununterbrochenem Lauf, sondern zu den einzelnen Gemeindemitglieder „aufgenfen pult und sprechen eine wird gewissermaßen ihnen \ (Abschnitt) vorgelesen, Segensspruch machen sie einem weiteren Mann aus der- Gemeinde Platz zu demselben Vorgang. Die am Simchat Torah zum letzten und zum ersten Abschnitt Gerufenen — wieder ejnq besondere Ehrung — Abschnitten werden treten an das Lese- Benediktion; und dann besonders die Paraschah und nach einem neuen 84