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Der Orden Bne Briss · 1935-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August (7.1935) · p. Seite 62

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1935
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August (7.1935)
Date
1935-07-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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gibt. Diese Lebensgemeinschaft muß sich auch außerhalb der Loge auswirken. Menschen,. die in einer innigen Lebensbeziehung zueinander stellen, können nicht gleichgültig nebeneinander einhergeben. Ein jeder muß von dem anderen fordern, daß er stets tätigen Aifteil an seinem Wold und Wehe nimmt, daß er den ’Bjfu der in allen Situationen stützt, seinen Lebenskampf erleichtert und im Alltag an den Bruder denkt und für ihn handelt. Bruderliebe in unserem Sinne ist nicht das Ergebnis kühler Überlegung, sondern der selbstverständliche Ausdruck eines tieferen Gefühls, eines guten Herzens. Den-Sinn der Loge erfüllt, wer ihre Gedanken in Taten-der Menschenliebe umsetzt. Dazu bietet der Alltn^ dauernd Gelegenheit. W er an der Spitze einei‘ Loge se-tauden hat. kennt ihre tausendfältigen Bindungen mit dem täglichen Lehen, derweiß, daß fast kein Tag vergebt. an dem nicht ein Bruder, eine U itwe, ein Logenkind seine kleinen, oft auch großen Sorgen und Nöte dein Präsidenten anvertraut. Fis ist etwas Erbebendes um dieses Wissen, denn es läßt uns erleben, wie groß die Zahl derer ist. die gleich dem Präsidenten von der Kraft iles Logengedankens erfüllt, durch offene brüderliche \assprache eine Minderung ihres Leids erhoffen und erfahren. I nd wenn Milde, Nachsicht und Yi ohlwollen jedem gegenüber Eigenschaften des Führers einer Lögengemeinschaft sind, so liegen diese nicht nuf in der Per- «önlichkeit. sondern er dankt sie auch seinem Amt. das ihn Menschengröße und Menscliensehwäche so nah und vielseitig schauen läßt. Es ist nicht so sehr die innere Befriedigung, die ein solches Maß brüderlichen \ ertrauens im Präsidenten aüslüst' und ihn die nicht ausbleibenden klein« n Fhittäuschungen vergessen läßt: weit stärker wird er ergriffen von der Macht und Autorität <Ics Losiengedankens im täglichen Leben, der'hieri wo es nottüt. Hemmungen schafft, "dort' mit Verständnis liir menschliche Fehler und Schwächen und mit Liebe wirkliche- Brücken ins Leben schlägt und die Herzen den F'orderungen des Alltags erschließt. Diese beiden Kristallisationspunktc der Loge im Alltag, Hemmungen einschalten und Liebe b e w.e i s e n , sollen als getreues Spiegelbild der Logenarbeit in der 'Öffentlichkeit an der Hand weniger Beispiele aufgezeigt werden. Als die Parfeienkjjmpfe. innerhalb der jüdischen 'Gemeinschaft Formen annahmen. die alle mit tiefer Sorge erfüllten, war es die Leitung unseres Distriktes, die bei voller Wahrung‘der Rechte eines jeden zum tatkräftigen Eintreten für seine Überzeugung es als sittliche Pflicht forderte, auch im Gegner «len Brüder und «len Menschen zu achten, der für seine Sache kämpft, auf «laß die Aufgabe unseres Ortlens uns nicht zum bloßen Worte werde, sondern eine bestimmte Yi irkliclikeit unseres Lebens sei. . ■ Die brüderliche Achtung und das brüderliche Verständnis dürfen nicht auf den Logentempel beschränkt sein. Die Bne Briss sollen sich auchaußerhalb der Loge nicht nur in materiellen Dingenentgegenkompien, sondern durch Verstehen des andeisdenkenden Brutjers auszeichnen. Die Logen sind der fieutrale Boden, 4«f dem alle deutschen Juden sich zusaipmenfinden können. Neutralität ist Brüderlichkeit. Sie beginnt, um mil?inem Wort unseres liochw. Großpräs denten zu sprechen, dort, wo der Überzeugung, die in ihrer Richtung nicl t die unsere ist. die aber ebenso ehrlich, so innig, so tief ist, wie die-unsere. Anerkennung und Ehrerbietung gewährt wird. ' j Bedarf «-s noch eines Beispiels für die Autorität der Loge im Alltag, so sei «ler Bestimmung unserer Satzung gedacht, daß Brüder bei Streitigkeiten nicht geschäftlicher Art den Rechtsweg zu vjermeiden haben, ehe nicht der Versuch gemacht ist, die Angelegenheit durep Vermittlung des F'riedensaussclnisses «ler Loge in Gii te zu schlichten. ' ( j Als eine ethische Gesellrjcbaft hat es die Logi sich immer angelegen sein lass«-n,| ihren vere«lelnden Einfluß auf die Gesinnung «ler Brüd«jr in freien Berufen u ld in der Wirtschaft auszuüben. Makellosigkeit «let Rufe s war stets die Voraussetzung für «lie Aufnahme in den Bmiilerkreis. Kein Bruder trete iiij die Loge ein in «ler Hoffnung. jemals audem Bunife eine materielle Bereicherung oder auch nur Unterstützung zu erlangten. schweigend war die Übereinkunft, .«laß der Brnde ■ mit besonderer Sorgfalt über «lie zu wachen habe. Die Ix>ge Untadligkeit seines Nabien ist und bleibt weithin Stillinitbestinnnend für die würdige Haltung der Brüder im Leben und im Beruf. Die F'orderung der Hilfsbereitschaft und Briidi-rlicbkeit darf nie dazu führen, eine Handlung zu entschuldige-!^, die nicht den strei: «steil (iesi'tzen der Ethik genügt. Wohl aber soll man in all« n Bereichen «les bürgerlichen Daseins, bei allen sich bittenden Gelegenheiten «lern Bruder hilfreich entgegei kommen und ihn besonders berücksichtigen. Die Regelung des Verhältnisses von jüdischen Arbeitgebern u^ 1 Arbeitnehmern, «las Bestreben, Arbeitslosigkeit und Zahl der abgebauten älteren Angestellten sowie der hesihäftigungslosen ehemaligen Selbständigen zu „ mit «lern, bieten weiterhin reichlich Gelegenheit, diese Hilfsbereitschaft zu betätigen. Sie sind Prüfstein1 für die Fälligkeit «les Ordens,] «lie Brüder in ihrem Wirtschaftsgebaren zu beeinflussen. Diesem Streben gab aijcli die Schaffung von Wirtschaftsausschüssen, ijlie es sich allgelegen sein lassen, «lie einzelnen- Brüder und! ihre Angehörigen wirtschaftlich zu fördern. Der Grundsatz. besser Arbeit als Unterstützung, ist von den Log?n von jeher befolgt worden^ Die Not der Zeit ha; eine Umstellung des bisherigein Aufgabenkreises zur Fol;e gehabt und die Art unserer Betätigung geänder . Dadurch hat aber der Grundsatz: „Nichts für uns alles für andere“ keine grundlegende "Wandlung erfahre 1; wir sind nicht egoistischer, sondern notleidender gewardea, und daher ist «lie Notwendigkeit gewachsen, für den Bruderkreis viel mehr zu tun, als dies früher erforderlich war. Früher gehörte wirtschaftliche Not eine s Bru- 62

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