Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1935-05-01 · Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1935) · p. Seite 50

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1935
Issue
Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1935)
Date
1935-05-01
Page
Seite 50 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6727475-6029211-6074908--3182-4869746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nicht an unsere schönen Heim-Nachmittage, an denen wir uns hei der Diskussion über zeitgemäße Themen im kleinen Kreise nähertraten? So mancher Schwester Interc-'se an der Ixjgenarbeit wurde in diesen Zirkeln geweckt uml manche Schwester für die daueijide Mitarbeit in der Vereinigung gewonnen. Höchstes Ziel war den Führerinnen dabei die Entw icklung. der brachliegenden Kräfte der Kinzelnen; denn um für-die Allgemeinheit etwas zu leisten, begannen wir unsere Arbeit heim Individuum, wir erzogen uns zur ’ Selbstbeherrschung. wir lernten Meinungsverschiedenheiten in sachlicher Form au-trageu und den Andersdenkenden nicht als Feind ansehen: wir gewöhnten uns daran, Mensch und Meinung auseinanderzuhalten und so im Sinne der Friedensidee in unserem kleinen Kreis zu wirken. Heute fühlen wir uns in unserem Sehwesternkreise so eng verbunden, «laß wir in. ihm «-in Bollwerk h.ihAi gegen «lie äuß«‘rc und innere Not, die uns die £eit auferlegt hat. Kraft und Ansporn holen wir uns ms dem Bewußtsein, nicht allein zi^ stehen, und wer einmal selltst in die Lage kam, Schweres und Scliw« rstes zu durchleben, weiß, daß dies hiebt leere Worte find, sondern daß wirklich Trost un^ Hilfe hervorgcheii können und hervorgehen aus dem Gedanken «1er Brüderlichkeit und Schwesterliehkeit. Wir I.ogcnschwestern (nüssen uns «lie fies«diicbtc unseres Werdens und «lie Entwicklung unser« sternv«‘reinigungen immer wieder ins Gedächtn rufen, um nie «len Sinn der Vereinigung au zu verlieren. Bisher sind Schw«*- s ztirückem Auge bestellten Forderung kraft unseres Ziisaminenhaltens gerecht ge wonh'ii. W as uns die Zukunft für Aufgaben bringen wird, vvii wrss«-n es nicht: aber eines wissen wir: wir siml her«‘it. sie zu erfüllen wir je«ler an uns m Sinne der Logeipidealtv ■' r ■ A. * v Jugend Von Br. G. Löffler. Si ilileni «■' in Deutschland eine umfassende Organi- «ation jüdi-cher Jugend gibt, also seit mindestens <lr<*i Jahrzehnten, i-t «lie Auseinandersetzung zwischt'n unserm (•r«len mul der Jugeml im Flusse. Sie geschah seitens «1er Logen zuer-t ans dem \ erlangen, jüdisch-geistiges Bingen und Nreben nach individueller \ ervölLkommnung überall zu fördern, wo «-s si«di verheißungsvoll zeigt, und 'pälerhin aus «lein begreifliehen W uiis«-he, «1er eigenen Idee eine Nachfidge-Gcnerution zu bereiten. So war die Haltung der Logen in Jedem Augenblick «h'r Begegnung wohlwollend. Nicht immer galt das gleiche von der Jugeml. Wohl fühlten und äußerten jene jugendlichen Kn-i-o verwandtschaftliche Svmpathie, die gleich «len I.<»gen eine betonte f berpartrilichkeit zum Programm erhoben hatten, die .««■inerzeit vom Or«len erstmals im „Verband <I«t jüdischen Jugendvereine Deutschlands“ zusammen gerufenen Menschen. Aber die Mehrzahl der hündischen. Jugend, der national-jüdischen wie auch «1er «leut-eh-jüdisehifii. verhielt sich bis in die letzten Jahre kühl ablehnend oder doch kritisch zu «len Logen und ihren Ideen. Meinte man doch die „Männerbüiüle" der Bne Bri-s-Logeii als Hort d«-s ..reaktionären Kapitalismus" an-precheti und geraib’zu bekämpfen zu müssen! Vuch schien die Tatsache, daß die Logen eine bestimmte gesellschaftliche ..Form“ hochhhdten und vom einzelnen verlangten, krafl dieser Form seine F.igenmäclltigkeit zu beherrschen, jdeiclHTiuaßen der „Eigcngesetzliehkeit“ uml der „beseelten Gcincin«chaft"''hiindischer Jugend zu w iderstrehen. ’ 1 Die letzten zwei*Jahre mit ihrer wandelnden Kraft für die Juden'i i Dentsehlaml haben auch die Atmosphäre. in der sich das Gespräch zwischen den „Geneitnserer heutigen Wirkungsstätte vollzieht. ah«‘r sieht mit neuartiger Aufmerksamkeit rationell" vollzieht, grundlegend geändert. Au «der Sorge unserer Ixt gen für «lie Jugend ist auch der letzte Hret von Eigennutz geschwunden. W ir wissen heute, «laß ein erheblicher Teil «Jer jimgeh Juden in deutschen Landen als-Nachwuchs des «leutsclijen ()r«lensdistrikts nicht mehr in Frage kommt, wenn die Tendenz des jüdischen Schicksals anliält. Lud dennoch gilt unser Denken lind soziales Mühen gerade «lieser Jugend, deren schönere Zukunft wir mitgestalten wollen, ajuch wenn sie sieh weitab von Die Jugend auf unsere Ordens-Brüderschaft. Dis’ zeigt so manches Gespräch mit Führern jüdischer Büpd«'- Man hat dort mit Staunen wahrgenommen, daß die aneisten I.«>gen ruhig um! unbeirrt ihre Arbeit, ihr soziales W irken und ihr geistigkünstlerisches Streben fortsetzen. Mit Rt'clil folgert der junge Jude daraus, daß Ideale unsere G«‘m< inscliaft zusammenhalt«'ii. dienichl zeitgebunden waren: er.sagt* sich üherilies, daß nur vräfte, «lie der S ele «lienen, unsere Menschen in solcher Notzeit zusanunenzuhalten vermög«*n. «laß uns also iium wenigsten «las stete Verlangen nach wahrer Gemeinschaft innewohnt. Von besonderer Bedeutung für Jugend un«I leigen aber kann werden, was jüngst in einer Schrift biimlisoher' jinliseher Jugend („W'eikleute“)- zum Aufdruck kam, was aber der Einstellung «1er meisten jüdischen Jugendlichen dieser Tage entsprechen «lürfte: Daß in ihnen ,.Sehnsucht nach neuer Bindung“ ganz stark aufgebrochen ist. Aus «lern Rufe najeh Freiheit von ,,angemaßten Autoritäten“, wie er noch vor fünf Jahren in Lager der Jugeml laut -erklang, wujde das Verlangen Ordnung unter starke Führung, nach „Form* nach Unter- Das G«!setz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.