Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 3/4 - März/April (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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und zwei Synagogen. Auch erfuhr ich von ihm. daß der letzte Chacham der Gemeinde Balkh schon einige Jahre in Jerusalem wo int. Fine kleine Gruppe stammt auch aus Mesched in Persien. Diese Juden waren vor etlichen Zeiten gezwungen rden. ihre Religion mit dem Islam zu vertauschen. um ihr Lehen zu retten, ah’er im geheimen bewahren sie mit Hingebung die Religion ihrer Väter und gehen sich; Mi he. ihre Heimat zu verlassen rtnd an andere Orte zu ziehen, wo sie ihrem Gotte offen dienen können, billige sind wohlhabend und handeln hauptsächlich mit Perlen und P« Izcn. Die Zahl der ilrultrhen Juden ist sehr gering— Kürz ich sind aus Deutschland 'einige Arzte und auch Angehörige andere? Professionen gekommen; sie wurden gern von den eingeborenen Juden aufgenoinmen und haben sich zljr Zufriedenheit 'eingelebt. Inter ihnen sind auch einige Gesetzestreue, und es steht zu hoffen, daß sie einen Kern fiir eine Gemeinde deutscher Juden bilden werden. Nebenbei sei bemerkt, daß inan au jedem Sabbat vor dem Mn*-: ffgebet die heilige Lade öffnet, die Gemeinde aufsteht und cjiii kurzes Gehet fiir das Wohlergehen unserer Brüdttr im Aulslande spricht. ’ t Ks gibt auch Juden in Bombay, deren Väter aus Cochin gekommen sind: da ist z. B. eine aschkenasische Familie, deren Großvater ein ehrenvolles Amt — Chacham Jehuifä Aschkenasi bei den ..B’ne Jisrael“ versah. Einen Juden habe ich getroffen, dessen Großvater aus Safed war und sieh-in Cochini niedergelassen hattet Auch Freigelassene aus Gochin — das sind ehemalige Sklaven, die Eigentum eines Juden waren, zum Judentum ühergctreten sind und dann freigelassen wurden — finden sich in Bombay. Sie dienen als Köche in len Häusern der reichen Juden' in Bombay, wie sie ihren Herren in Cochin gedient haben. Auch unser Koch Mosche gehört zu diesen Freigelassenen. Er hält, streng den Sa ahat und die Spoisege'setze nach der Vorschrift. aber Ijetei» kann er nicht, außer Sch'ma Jisrael. Vt eil sich das : Handwerk des Kochens bei ihnen von Geschlecht zu Geschlecht vererbt hatsind sie wunderbar geschickt in der iZubereitung aller--Arten Gerichte und neue-_ ster Delikatessen, -als ob sie zu diesem Zwecke eine besondere l niversität absolviert hätten. Und von unserem Koch könnte man sagen, er sej ein großer Am haarez in der sehrift Liehen, aber sehr erfahren und. gründlich in der ..mündlichen“ Lehre und brächte immer neue Chidditschim (Neuigkeiten). Die Juden an Bombay konzentrieren sich in der Hauptsache i^i zwei Stadtteilen. Die wohlhabenden wohnen in ..Port“ und ..Kolbal". die Armen, deren Zähl weit größer ist. . in ..Beikla“. Dort wohnen etwa 2000 Seelen. In anderen Straßen erreicht ihre Zahl 20^c der übrigen Bewohner. In Port ist eine prächtige Synagoge, die von Jakob Sassoon erbaut ist. Die Zahl der Beter ist sowohl an Wochentagen ■ wi« am Sabbat Olein. Aber Kippur kann der Raum'nicht Demgegenüber findet man in zu Mincha (Vorabendgebet) Betern. Die Juden von Beikla am Roschhaschaua und Join alle, die da kommen, fassen. Beikla auch an Wochentagen eine ansehnliche Schar von leben noch so wie ihre Väter und Großväter in Bagdad gelebt hallen. Die ihnen geläufige Sprache ist das Arabische, ein ge verstehen auch Hebräisch. Aber die herrschende Sprache unter ilcn wohlhabenden und gebildeten Juden ist Englisch. Die Gemeinde hat einen Fonds fiir ■Wohltätigkeitszwecke. der die. Summe von J in Staatsdarlehuscheineu an£cl Zinsen das Jahr bringen. Mit diesem Gelde unterstützt inan die Schule (500 Kinder), das vrankenhaus, die Armen und deckt das Defizit der Synago; Beter reichen nicht hin. um di: Vorbeter und Teinpeldioner .zu bezahlen. Der größte Teil Hause. Sassoon; die Sassoons Gutes erwiesen, daß auch die t Million Pfund erreicht, die gt sind und'etwa 7000 Pfund gen; denn die Spenden der de«« Fomh stammt aus dem haben der Gemeinde soviel Nachteile nicht ausgehlieheu haben sich dadurch von Tag sind. Die Gemeindemitglieder zu Tag mehr entwöhnt, sich utn die Sorgen der Allgemeinheit zu kümmern und genießen die Früchte der Fonds, die ihre V äter und Großväter gestiftet haben. Die (Aufgabe der Juden in Bombay beschränkt sich gegenwärtig auf die Erhaltung des Bestehenden, {ohne daß sie irgendwelche Initiative zeigen, neue Institutionen zu schaffen und die alten zu entwickeln. Sehr hem» rkbar macht sich das Fehlen des -Ghacham“ (Rabbiners) in der Gemeinde, in dessen' Hand die geistige Führung und die Aufsicht über die Erziehung lägen. In den Gemeinden Indiens gab es von jeher keine Chachamim als Führer der Gemeinde; man begnügte sich mit Kantoren und Schächtern, die die Stelle des Raw vertraten. Aber die früheren Zeiten waren auch besser, denn unter den Mitgliedern uiid Kaufleuten, die aus Bagdad kamen, fanden sich Talmidle-chachamim (Gelehrte), ditt starken Einfluß auf ihre Brüder hatten, aber jetzt gibt es kaum torakundige Leute, und >das Fehlen des Raw macht sich um so fühlbarer. Ei'ne_Grfneinde wie die' von Bombay ■ müßte dem Rechnung tragen und den Mangel beseitigen. Die Beziehungen zwischen »len Juden und den anderen Bewohnern des Landes sind sehr gute. Sie Haben starke Bindungen mit den Engländern, Persern. Indern und Mohammedanern, besonders aus der vornehmen Gesellschaft. Im allgemeinen ist es leicht, in Indiep Jude zu sein. Es gibt dort ja viele Stämme. Seklen und Religionen verschiedenster Art. so daß noch eine {religiöse Gemeinschaft mehr nicht anffällt. Man ist ..mekaleseh lewana"4 (Gehet heim ersten Mondviertel) auf einem freien Platz der Stadt, an eiper besonders belebten Stellt. Hunderte von Menschen gehen., vorüber und achten, gar nicht auf das (bei dieser Zeremonie übliche) Hüpfen und Beten. (Schluß fylg! .) Bücherschau Knnl. \ on Hudolj hayacr. Phaidon-Vorlng. W ien. 1935. 233 Sriim. - Zn der reichen, fast unübersehbaren Kant-Literatur ist neuerdings ein . Buch getreten, das nicht etwa minutiöse Kant-Philologie, auch nicht einmal Kant-Kritik, sondern Kantselbst als den Träger und zugleich Gegenstand, als Schöpfer und Beispiel seiner Philosophie uns gehen will. Es ist nämlich auf dem Satz aufgebaut, daß der Philosoph nicht nur aU W issenschaftler. Forscher und V ermittler von Kenntnissen betrachtet und verstanden werden könne, sondern als etwas anderes, weil seiner Denkarbeit anders als der objektiven Wissenschaft auch Persönlichkeit, Erlebtes innewohnt. Selbst jdas sachlichste System sei durchdrungen von Erlebnis und Schicksal, Traum und Erfahrung des Philosophen. Philosophie ist eine Kraft genau wie Kunst und Religion. und wenn der Philosoph auch als Kundschafter objektiver Wahrheiten in die Welt t ete, als Künder seiner Persönlichkeit kehre er zurück. Ja^ sei freilich in neueren Zeiten vergessen worden, seitdem der Denker hinter seinem 'Denksystem verschwinden zu können glaubte und wünschte. Daß abec für ihn ein solches (. hergehen alles Persönlichen in seinem Werk nicht möglich-sei, beweise die Tatsache, daß man immer noch wie von Plate nisinus, so auch von Spinozismus und hjantianismus sprec le, aus dem deutlichen Gefühl heraus, daß hier in dem jeweiligen Gedankensystem nicht blyß der Typus Mensch zu Worte komme, sondern auch der bestimmte Mensch. Wie man auch immer zu dieser Grundänschauung des Verfassers stehen mag, ob man jsie ganz oder nur mit Ein- 34