Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 3/4 - März/April (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 30 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der kranke Kndbe Von Jizchock Leib Perez! r1 Jizchok Leib Perez ist am 15. Mai 1851 in Zamoszcz, Kreis Lublin gebaren, einem kleinen Städtchen in Polen, aus dem auch der Lehrer Moses Mendelssohns. Israel Zamoszcz. hervorgegangen ist. Perez. der zuerst hebräisch und dann jiddisch schrieb, wird als umfassendster . Geist“ der jiddischen Literatur bezeichnet. Von der Popularität und Beliebtheit dieses Dichters zeugt die Tatsache. daß eine große Zahl tlon Kulturinstitutionen und Vereinen in Polen. Amerika- und andern. Ländern seinen Samen tragen. Einzelne seiner Werke Ihebräisch 10 Bände.'jiddisch 18 Bände) sind in verschiedene Sprachefi übersetzt worden. Die Perez-Literatur ist sehr hm fangreich. Auch “ die ..Sammelblätter jüdischen ff issens“ Vr. 196 haben s. Zt. eine ausführliche Würdigung dieses Dichters gebracht. Perez isg am 7. April 1915 in Warschau gestorben. ^' Aus Anlaß der-20. Wiederkehr seines Todestages bringen i fir die nachstehende Erzählung in Erinnerung. D. Red. * Mameschi. ich will dir ein Geheininij. erzählen: doch der Vater soll davon nichts erfahren! Du fragst mich: warum? ff eij der Vater mich weniger lieh hat ... v ■ * Nein. Mamesclii. ich sündige mit den Lippen: er hat mich nfcht weniger lfeh. er'hat mich niir anders lieh! Er ist ja der \ ater und muß streng sein . . \ ater hat einen langen Bart: \ ate^s Gesicht fühlt sich heim Streicheln nicht so an wie Mutkers atlasglattes Gericht ... Er hat auch ganz andere Augen und einen ganz arideren Blick. Vi enn du mich anr^chaust. hast du so lachende und dahei so feuchte, so gütige und dabei so traurige Augen . . . Du bist Mutter und zugleich Kamerad . . . \ or dir kann ich keine Geheimnisse haben . . . Mit deinen Augen ziehst du mir jedes Geheimnis (ms dem Herzen heraus ....! \ ater -chaut ganz anders: immer ernst, beinahe kalt . . . , Nein. Mame-ehi. es sind ganz andre] wirklich ganz andre Augen! Als ich noch klein war. hatte ich ior dem \ ater weniger Ang-t. Ich weiß noch, wie ich i^im auf die Knie zu springen pflegte, wie ich ihm das Haa| zerzauste, den Bart zerteilte und zu Zöpfen flocht, die Lippen übereinanderbog. und wenn er mich böse .anschauen wojlte. drückte irli ihm die Lider hinunter und schloß ihm einfach die Augen .,. Heute kann ich’s nicht mehr ... * Einmal -- hörst du. Mamesclii? — einmal, als ich krank war. erwachte ich und sah eiich beide an meinem Bette stehen . . ..Du hast «d still.-so herzrnsstill geweint: und Vater . . . Mamesclii! . . V ater Ihatte damals ein so schreckliches Gesicht, und^ichsah. dgß er Gott böse war! Vor Schreck schloß ich wieder die Ajiigen . . . Und seit damals kann ich dem Väter nicht mehr nahe kommen, wie früher . . . Etwas hält ntich zurück! Oft will mir das Herz aus der Brust springeh pml ihm zudiegen. und doch kann icli es nicht! ’ Glaubst du. daß ich den Vater weniger lieb habe? Gott. behüte! Ich habe Vater sehr lieh lind gewinne ihn mit jedem. Tag, mit "jeder Minute noch Leber . . . Wenn er auf mich zugeht, hüpft mir das Lerz vor Freude; und cs bebt in mir die Seele vor Hoffnung: gleich wird er mich t hei der Hand fassen und an sein Herz drücken Vor dir zjttere ich nicht: du hai t mich immer und gleich lieb . . . Du hast für mich immer Zeit, und du umarmst Du bist immer, immer und küßt mich jeden Augenblick., mein •. . . Vater hat so viel Gest hafte! Ich weiß: er will, daß ich einmal reich sein soll! Jetzt willst du wohl, Mamesch , mein Geheitpnis hören? Ich schäme mich! Vor der'Mutter, sagst du, soll man sich nichi schämen? Es ist wahr . .’ . Und doch . . . S’eißt< du was. Mameschi? Setz dich hier auf diesen Stuhl) vor dem Fenster Gut so! Ach, wie schön die Sonne uniergeht! Wie schön fallen ihre rötlichen Strahlen auf dein 'dies, blasses Gtsicht! Ach. Mameschi. wie schön, wie schön und ed?) hist du Warte . . , Nun will ich mic! LTnd ydu sollst mir, wenn ich ie sch dir zu Füßen erzähle nicht i etzen . . . ins Gesicht scha Ich will mich auf ilen Fußschemel letzen und heim Erzählen zum Fenster hii ausschauen . So ist's nicht giitf Ich werde mich vor der sie. doch . daß ich Sonne schämen . . . Siehst du: am Tage strahlt am Abend nimmt sie von uns so traurig Abschied mich schäme, von mir zu sprechen . . . i - i Ich will meinen Kopf an deinen Schoß'lehnen . . . Ich will, meine Augen’schließen, mid du . . . du leg) mir noch Ist es dir nicht* zu schwer. jf so an djeh lehne? Nein? fd alt und hat ein . Und ieh seihst deine Hand auf die Stirn Mameschi. wenn ich meinen K<j Sechzehn Jahre ist dein Ki tes. ein so kleines Köpfchen . Seufze nicht. Mameschi! Gptt hat mich nich; bedacht: er gab mir zwar wenig Fleisch, dafür über viele andere gute Gaben: dich, den Vater . , . Tage urd Nächte mit wunderlichen Träumen .j. . Und nun heimnis ... j Nun sehe ich nichts . ,. Mit geschlossenen Auaei ich es vielleicht doch erzählen können . . . Ich suchen .... j Es fällt mir so schwer! . .1 - ist es nibhts: und dcch lastet Es ist kein Kiesel- Wenn ich es mir so übenege — so Netz aus einigen wunderlichen Strahlen, cs mir auf dem Herzen wie ein Stein ... stein, kein Stein von de^ Gatse oder vom Felde .; t Ls ist ein kostbarer Steint er strahlt und leuclitet Er liegt mir tief in der prust und erfüllt mei i ganzes W esZn. alle meine (Glieder, m^t seinen Strahlen, mit, seinem heimlichen, wannen lebendigen Licht Das Licht soll nicht verl ischen, Mameschi! ( Es verlischt so vieles! Hörst du, Mameschi! Nein, warte, so einfach 'und geradeaus beginnen kann ich doch nicht . . . Hör aber! Weißt du nochj. Mameschi. daß du mir.gestern etwas Kleingeld gabst? Wcjißt du eg noch? Ich habe davon nichts ausgegeben, und doch fehlt schon etwas ... 1 Es fehlt mir ein Zehneil! so leichkarg Geil werde ills ver- 30