Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 3/4 - März/April (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Liebermann \ >11 I)r. Arthur Galliner, Frankfurt a. M. Liebermann ist nun historisch g "worden. Er war cs tote Vergangenheit fl (lern als lebendige, Gewill, seine end- Gesyhiehte der Zu- Haß unjd Gunst \ er-, Wlion längst. Historisch, nicht als von wissenschaftlichem Interesse!, soi wirkende Macht unserer Gegenwart gültige 'Bedeutung wird einmal die kunft f^ststellen, wenn der Parteien stimmig ist. Aber schon heute wird das Außergewöhnliche feiner Persönlichkeit, das Einmalig« seiner Erscheinung von .keiner Seite bestriten. Man kann ihn ebensowenig aus dem Berliner.Lehen der letzten sechzig Jahre wie aus der deutschen Ku ist der | letzten zwei Generationen, kann ihn auch nicli: aus d^r 'Geschichte des deutschen Judentums streichei , an dessen künstlerische^ und kultureller FImänzipal|on er schöpferischen Anteil hat. Fline ganze Epoche preußischdeutscher Kunst! und Kulturpolitik hat durch ihn besonderes Gepräge) erhalten. S^hon daß ein Künstler mehr als sec i.» Jahrzehnte hindiirch ohne Unterbrechung ^clHififeriscji tätig hlciht. ist erstaunlich. daß er aber im gleichen Zeitraum unaufhörlich auch- Kämpfer sein muß, daß ler im zähen Ringen ton Stufe zu Stufe steigt, von run-g wert. FIhrfurchtgebietend jäher seine^ Abschieds aus dem Bereich s«‘yiles Konsequenz Sieg Si leg e erreicht, die W irklens. el Handeln-. I schreitet und schließlich die höchste Heil ■in ijünsiler zu erreichen vermag), ist größter Bewundeleibt die Art irentlichen hrfurchtgehietcnd dije Konsequenz seines In allem die verantwprtungsbewußte. selbstsichere Persönlichkeit. I j ^*rin Weg war BeispielliaftJJ Der Wjohlstaml seines Eltetnliau-es wurde ihm nicht zur (Quelle sorglosen, behaglichen Lebensgenusses: der ererbte. Reichtum ward ihm) nie die ererbte Zähigkeit und Willenskraft heiliges Vermächtnis, ward ihm Verpflichtung, durch eigene Arl »eit zu erwerben, ,was ihm von drin Vätern iiberkonjmen war. Die Vorfahren waren tüchtige Kaufleute gewiesen, die ihrer Heimat neue Industriezweige erschlossen. uiid die wie von sich selbst — auch von . ihren Kindern Höchstleistungen verlangten. Gewiß, Ma(f läeherniaiiiis W eit war eine andere als die seiner \ ätjer/^ die kaufmännische. materielle) }iatte sich, hei dieser letzten Generation ganz ins Künstlerisch-Geistige gehandelt. Aber dies Erb»' war ihm geblieben: die Rastlosigkeit des Ströhens bis zum letzten [Augenblick. W ie er seine I-ehrmeister sich sucht und Irlie empfangenen Eindrücke in lvedeutonden Werken eigenen Gepräges des Lichts um! der Luft, zu denen der h nreißendeq Bewegung, von «lern tonigen Graugrün zu heller Farbigkeit, von der Landschaft zum Porträt. Immei der Trieb, sich selbst zu übertreffen, einen Stillstand kennt er nicht. Nie hat er beruhigt sieh auf ein Faulbett jelegt, nie ziim Augenblicke gesagt: „Verweile doch, du bist so schön“. Denn Kunst war ilini ein ewig Bewegtes, ein Flutendes — ein Beharren, ein bindendes Gesetz, ein Dftpna wäre ihr Tod und der seine.. , Diese Verschmelzung seiner Person mit der Kii ist, o<ler besser: diese Inkarnation künstlerischen Schaflens . in seiner Person gab ilun das Dämonische. FIr bat diese geheimen Mächte, die ihn mit dem All ’ erbanden, wohl im Innersten gefühlt: .„Nur wer den Odem Gotten in der Natur spürt, wird in W irklichkeit leliendig gestalten können.“ Aber er ließ sieh von diesen Mächten riclil willenlos treiben; er wußte sie zu ziige n, sie in seinen. Dienst zu zwingen, sie mußten eingehen in seine Kunst. Fis ist ein Irrtum zu glauben, daß er, der „Realist“ oiler „Itnpressionist“, kein anderes Ziel gekannt als Abschrift der Natur. „Da's Unsiohtb;.re sichtbar zu machen, das ist es, was wir Kunst nein eil“, erklärte er wieder und wieder. Nicht die W irklichl.eit, sondern ‘das Verhältnis des Künstlers zur W irklichkeit bedingt »eine Kunst. Damit enthüllt er das tiefste Geheimnis, uff enhart die Quellströmung seines kiinstleri»dien Scha fens: Höchste Sensibilität, ein fast nervös zu nennendes Empfinden für alle Formen und Erscheinungen i i der INatur, für die Bäume in; Park und im W ald, fün Feld und W iese und Meer, fiir Licht und Li ft. für die Tiere in Ruhe, und Bewegung, für der Menschen Körper untl Seele. „Natura sive ileus“ — dies Spinoza-W ort formuliert wohl am nächsten meine Weltanschauung”, schreibt er einmal. Philosophische Spekulationen lagei ihm 'fern: aber er hat mit diesem Bekenntnis -— ur d Be« kenntnis war alles, was er schrieb, und alles, jeas er malte — doch den Schlüssel zu seine-qi Fis ist Vergeistigung der N a 11 i Werk gegeben, r. M911 r tag in r Malerei .iebernianns sehen, obwohl auch andere solche Vergei itigung dieser Vergeistigung das Jüdische in de elber le sich erstrebten und verwirklichten. Und er wohl dagegen verwahrt haben. FIr gehört jedoch nicht uns allein! e r u n d sein W erk gehören der Welt, „dqnn die Kipnst ist unendlich wie die W eit. sie ist die Liebermann die schöne W ürdigung sc verarbeitete: in den ..Günserupferinnqu“ die von Miml'reundes Jozef Israels. Diese Schluß vorte gelten auch kacsy, in der „Kartoffelernte“, die vönMillet, in den „Netzflickerinnen“ die von Israels gewisse Anregungen empfangen, das alles offenhart die Aufgeschlossenheit unkl zugleich Abgeschlossenheit ’seliwer künstlerischen N^tur. Kaum ist ein Ziel erreicht, wird ein anderes gesteckt; der „immer reg« Trieb.“ nach [Fortschritt beseelt ihb: von den W erken der Ruhe und Realistik zu denen I ' V ■ ihm: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, wie in der Religion so in. der Kunst. Und wahrhaft Fromme, welchen Bekennt! isses pr auch auf FIrden gewesen, in den. Himmel kommt, so wird jode wahrhaft künstlerische Persönlichkeit tung sie sich auch dokumentiert half Sterblichkeit eingehen.“ eit“, so t chließt ines Meist >rs und jeder in welcher Richen möge, zur Un- 26