Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar/Februar (1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6727475-6029211-6074904--3146-4869712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
* reits heißen. Sonne im Eiltempo. Bald wird es das herrliche Obst gehen und sicherlich wieder so viel, daß die Besitzer gar nicht das ganze Obst werden abpflücken können, weil einfach kein Bedarf vorhanden ist. Zu essen gibt es in Hülle und Fülle; es kommt wohl nicht vor, da^ hier jemand zu hungern braucht. Und —; sicherlich im Zusammenhang damit — gibt es auch die erschreckend höhe Zahl von 1 Million Arbeitslosen unter 12 Millionen Menschen. Die Arbeitslosen sind zum größten Teil Hiesige, der Ausländer hat fast immer Arbeit gefunden. —Hat", denn seit zwei oder drei Jahren hat sich die wirtschaftliclte Situation hier im Laude sehr geändert. Ich mochte prinzipiell vor einer Einwanderung hierher warben, ej sei denn, es handelt sich um junge Familien mit Kapital, die .die ..Jca" in den Hirsch-Kolonien, soweit ich weiß, anzusiedeln bereit ist. Klimatische Schwierigkeiten bestehen nicht: es herrscht fast überall — im Gegensatz zu dem benachbarten Paraguay z. B. — für Jjluropäc/- gutes, zum Teil'sehr .gesundes Klima. Auch die Akklimatisierung in der Lebensauffassung >elf>-t wird schnell und ohne Schwierigkeiten erfolgen können, soweit das überhaupt möglich ist. Hille. und zwar sehr fester-'S ille. gehört natürlich daz*. Aber dieser H ille wird ja wohl dem jüdischen Einwanderer kaum fehlen. land —■ ein ist es tatsächlich der Fall, daß sich Juden, zui ainmengescblossen sprechender kümmern und mit Geld und Arbeit nen. Leidet weites Hnd erfolgreiche s Arbeitsfeld offen. So fast nur die deutschen „Hilfsverein dfcutsclp Juden", um das Geschick der Einwanderer aber sind sie, an-Zahl helfen, wo sie nur könviel zu klein, nur selten in der Lag*, Arbeits- und Verdie istmöglichkeiten zu be- Am ehesten gelingt dies für sprachbegabte Menqualifizierte Handwerker. Die Gehälter sind unter dem — bescheidenen Existenzminimum. durch nichts geschützte schaffen, sehen oder niedrig, oft Hinzu kommt noch die unsichere. Stellung der Ai heitnehmer. Man kennt hier keine Kündigungstermine. Für Akademiker, besonders Arzte. Zahnärzte, Apotheker besteht, wie £ie wissen, absolutes Arbeitsverbot. Da.i Diplom zu erVerben ist praktisch nicht möglich. Der Widerstand | der Akademiker hiet is|t zu stark. - Er hat nur wirtschaftliche Gründe, die. was Buenos-Aires betrifft, zu Recht bestehen, denn auch hier wächst ein Akademikerproietariat heran. In der Provinz, liegen die Dinge etwas anders. Hijer bekommen' auch Ausländer ohne Diplom die Erlaubnis zu praktizieren, falls und solange kein approbierter Argentinier sich im Umkreise von 20 Kilometern niedjorläßt. Bur uns. Deutsch besteh« Es w'öhnen allein iii Buenos-Aires vielleicht etwa löOOOO Juden. (Bereits 1029'30 lebten 120 000 Juden in tires. Anmerkung d. Red.) Die Zahl der jetzt aus an«l gekommenen Juden ist wegen der praktisch •ideri Finwanderung.ssperro nicht allzu groß. Die hier ansässigen Juden spielen in H irtschaft. Industrie und Bankwesen eine Rolle. L nd trotzdem ist eA nicht gelungen, die, jütFschen Einwanderer unterzuhringen. Woran liegt da-? Ich kenne das Problem nur zu gut und halte mich auch s< hon hier in einem jüdischen % ereinsblatt kurz dazu geäußert. ' ’ Ai und für sieh müßte es eine Leiehtigkeit sein, die bi-heri :en Einwanderer iinterzubringen. zumal es sich meist um jüngere, arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen handel: ' Dil- Jud en hier sind wohl fast alle aus dem Osten vor gar nifbt allzu langer Zeit aus ähnlichem Grunde einge- •wandelt. wie wir jetzt. Sie; tragen, soweit sie noch leben, die Erinnerung in sich, daß die deutschen Juden damals gegen Idie Verfolgungen in Polen. Rußland. Rumänien mit leerenj Gesten Stellung genommenhaben. Ihre Kinder, hier geboren und daher nach hiesigem Recht Argentinier, sind tlollkommen assimiliert. Ihre Väter sind die einzigen Fremden, die Sitte und Gewohnheiten ihrer Europazeit, vor allem | Sprache, beibehalten haben. Die Kinder sollten dafür s^ schnell wie möglich ..hiesig" werden. Sie sprechen auch nicht mehr jiddisch wie ihre Eltern, wissen kaum, was Jude ist. Fragt man sie. ob sie Juden seien, so antworten sie oft: -Nein. Argentinier: aber hijos de judios (Söhne von Jtiden)". Daß diese Menschen das Geschick der Juden aus Deutschland nicht mehr berührt als alle anderen hier, die dtie Zeitungen lesen, ist betrüblich, aber wahr. Man erkennt sie kaum unter der Masse der Südländer als Juden. Leid« r sind sie auch «lern Wesen des Judentums — sei es Nati< n. sei es Religion — entfremdet. Es gibt kaum einen Rabtiner: das große jüdische Waisenhaus hat keinen koscheren laushalt; die Kinder haben keinen Religionsunterricht: das üdische Krankenhaus wird nicht koscher geführt. Es best« ht zwar eine lose zionistische Organisation, aber im allgern« inen kaum ein jüdisches Leben. Hier läge für Berufene — nicht zuletzt unter dem Einfluß der Vorgänge in^Deutsch- 16 Vor einiger Zeit hat sich der hiesige Hilfsverein richtiger Erkenntnis «1er Lage dazu entschlossen, eine kleine Zahl jüngerer, unverheirateter Merjsehen praktisch in O »stzucht. Bienenzucht usw. ausbilden z.u lassen, um ili ten später eigenes Land irii fruchtbaren Rio Negro-Tal zur Verfügung zu stellen. Dieser .Plan ist um so begrüßenswerter als die ..Jca" nur Familien ansiedelt. Hinzu kommt, daß «ich das schlechte Verhältnis der in deä Jca-Kolonien altansissigen Ostjuden zu den jetz^t zugewander|len deutschen Ji den sehr häßlich auswirkt. | 1 An und für sich hat Argentinien ohne Zweifel noch Platz für Millionen Menschen, aber der Tiefstand des gutgoldgedeckten Peso« infolge seiner Abhängigkeit vom Pfund und Dollar hat auch Argentinien eine solche wirtschaftliche Depression gebracht, dhß es sich zu einer praktischen Einreisesperre gezwungen Isah. Argentinien is ein Handelshaus für Vieh und Getreide; die Mißernten in Kanada usw. lassen für bald einen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes erhoffen. " Zudem stejllt sich Argentinien jetzt um. indem es eigene Industrie ZU) gründen versucht. Vielleicht’liegen auf diesem Gebiet noch Zukunfts-Chancen. I Einer Erleichterung für eine größere jüdische ] mmigration gegenüber hat sich Argentinien ablehnend verhalten. Paraguay hat sich neulich ' geweigert, einen Ost juden zu naturalisieren. Es zeigt sich! in Südamerika eine Tendenz zum Faschismus. Er richtet sich aber allgemein gegen alle Ausländer, entsprungen deih Gedanken der Seil stverteidigung. Der Antisemitismus :ist hierher importiert und scheinha kaum d auch erfolgreich. Wort „Jude“. Die Einheimischen kennen Brüder, I 1 die das Inhaltsverzeiphnis zum Jahrgang 1934 O.B. B. zu erhalten wünschen, könr eh es durch das Büro dejr Großloge anfordorn.