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Der Orden Bne Briss · 1934-12-01 · Nr. 8 - Dezember (12.1934) · p. Seite 104

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1934
Issue
Nr. 8 - Dezember (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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Gedanken um unsere Gemeinschaft Von Dr. Sam son'R. Hirsch, Frankfurt a. M. ..Der Umbruch“ So oft-man zu Beginn dieses Jahrhinulerts von „Fortschritt“ lind in den N a ch k ri egs j a 11 ren von Krise*'! sprach, so oft spricht man heute vom ..Umbruch“. Sicherlich muß mail, um zu den Quellen der geistigen Strömung. die diesen „Umbruch“ bewirkte, zu gelangen. weit, viele Jahrzeluite weit, zurück wandern!, Nicht wenige un-ercr Zeitgenossen — man nennt sie g<yne die ..ewig (Gestrigen" sind durch diesen Umbruch liiii: durchgeschritten. ohne daß sie es bemerkten. — und die Jugend, von der man heute so viel spricht, hat ihn nicht erlebt.. Uns aber, den -lOjälirigen. ist der „Umbruch" entscheidende W endeniarke unserer Lebensbafui geworden. W ir erlebten ihn in dem Augenblick, als wir bürgerliche junge Menschen, die wir überzeugt waren von der \ ollkonunenheit und Sicherheit unseres zivilisato- ’*ri-chen und kulturellen Standpunktes. ■ aus dem Traum nn-erer Jugend aufgeriittelt wurden - im Schmzengrahtm. Mit* «h‘m alten Ilumanitätsgedanken. der\ allmählich zur Phra-e erstarrt war. waren die Ideale Unserer Jugend in den Massengrähem des \\ eltkrieges jver- 'iiiiken. Damals erwuchs' aiis der Hölle der Schlachtfelder. aus den Schützengräben und Ruinen —, die Sehnsucht, nach einem, neuen Frlelmis der Menschlich* keit. nach einer n e u e n F o r nt menschlicher Q e tu ein-i'haft.' . In -einer \u-wirkung bedeutet l der ..Umhrutir -chleehthiu nichts Rüderes als eilt Ringen um die F’omn der Men-ehengemein-chaft. \\ ie aber bei jedem I 11 -eluiielzungsprozeß die .v ersehiedenen F'.lemcntc mrl S'h'melzformen in iler ^'chmelzmasse auftauchen ui: versinken i w ie jede Schöpfung ein Chaos vorau-selzt i »o vollzog und vollzieht -ich das Ringen um eine nein Form der Men-ehengemeinschaft inmitten einer cliab-\ ti.-clmn Wirrnis, und Gegensätzlichkeit. Schrankenloser Imtiv iduali-mu-. Auflösung auch jx-rsöiilichstcr Bindungen. wie der Familienlind Flhegemeinschaft. ercinsamung und F’.ntwurzehing des einzelnen auf der einen Seite . ..F’.ntper-ünlichung" und Versachlichung des Menschen unter der Formel „Masse Mensch“, hündische Bewegung auf der andern Seite, sind neben manchem anderen Kennzeichen de-, Umbruches. * * Daseinskampf <ler jungen Generation. In der bürgerlichen Gesellschafitsschicht der letzten \ orkriegsgeneration. der die deutschen Juden zumeist angehörten, war der.Kampf ums Dasein'bequem gewor- , den. „Kampf ums Dasein” bedeutete für unsere \ ater zumeist nichts anderes als wohlausgerüstet mit geistigein mifl wirtschaftlichem Gepäck die breite -Heeresstraße zu marschieren. Gewiß konnte ilieser Marsch an heißen Tagen anstrengend sein, mul nie gelangte man ans Ziel Alme-Mühen und Schweiß. — aber den Fünsatz der letzten Kraft forderte es nicht. Man hraucIUc nicht'schanzen und graben auf dieser geebneten Straße, man mußte nur die Richtung •einhalten, um vorwärts zu kommen. Geschanzt und gegraben. Pionierarbeit geleistet mit letzter körperlicher und seelischer Kraft hatte die vorgusgegangene Generation der [Großväter und Urgroßväter. Schanzen und graben, neue Wege ebnen, neues Land suchen und kultivieren in jeder Hinsicht, ist aher:auch das Kennzeichen des Daseinskampfes für die heutige junge Generation, für unsere jüdische Jugend! (Diese Jugend ist deshalb nicht zu bedauern und zu hekjagen, denn es ist zweifellos eine natürlichere F’orm dijs Lebenskampfes, die das Schicksal ihr aufzwingt. Dje Jugend muß und wird diese nur im eigenen Interesse, für die Renaissance meinsehaft. Pionieraufgahe erfüllen sondern für die Regenei ation, inserer großen jüdischen Geeilt fUesert der jüdischen Gemeinschaft. Seit der F!manzipati,on ist im Kreise der deutschen Juden viel, ja manchmal jüdischen Gemeinschaft t allzuvitd über das Wesen der iskutiert wurden. FuTitb sich dochhinter dieser Dis viis-ioii das große Problem ..Deut-clitum und Judentum“. Die heutige Denkweise, nach der das-letzte I eil geistigen Schaffen.« nicht in 1er Auflösung der Zu« iinnienhänge und in der Auffindung von Formeln, sondern in der Fürfassung der Ganzheit lebendiger Tatbestände liegt, führt zu'der. einfachen Fürkcnntnis» daß sieh das Wesen der jüdischen Gemeinschaft durch Begriffe wie Rasse, Nation, Religionsgemeinschaft nicht defilieren läßt. Jüdisches Menschentum, das „Volk Israel" ist eine einmalige Fürschcinung. gewissermaßen eine ahso- •sehrehte und' im Lt I lute Größe in der G menschlichen Gesellscha bekannten Nenner bring' ist eine S e h i e k s a 1 s»g einzelne mit oder ohne \ Gehurt an auf Gedeih, u (t. Diese absolute Größt* läßt sieh mit keinem gedanklichen Kunstgriff auf einen der n. Die jüdische Gemeinschaft * in e i n s e h a f t. mit hen der der der ‘einen Willen vom Tage seiner ist. Jude nF Verderb verbunden Lein bedeutet zunächst Träger des jüdischen Schicksals fein. Wie der einzelne kiiesci* Schicksal trägt lallast, als Bürde oder heilige Verpflichtung ängig von den persönlichen Füigenschaften des einzel lien. von seinen sittliche Fjrztehung. Fürfahrung ujlid mancherlei ändert hangen seiner Umwelt. ii und sozialen Fälligkeiten, von FÜnvvir- Jiifjische Gesinnunp - - Ghettnpesinnunp. nter Gesinnung verstehen wir die sechs' art ydnes Menschen, du:'eh die sieh seine Zngp zu einer bestimmten f nippt* von Menschen, Menschengemeinschaft kundgibt. Es ist dabr* gültig, oh diese Zugeh'irigkeit durch Abstatnjni steht ptler im späteren Leben erworben wird. oh als ist abic Füigeuhörigkeit zu einer i gleichnung hediesem In 104

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