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Der Orden Bne Briss · 1934-12-01 · Nr. 8 - Dezember (12.1934) · p. Seite 102

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1934
Issue
Nr. 8 - Dezember (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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rrn l.iKtung und nach seinem äußeren Erfolg gewertet y»*iirdi*. I ml heute i.-t diese Menscliheit.-idee lim so dringt uder \or die Serie.zu führen. Zu lernen, ein Mensch /.Ti -ein, liegt im \\ i >rn der Loge. Das ist kein unklarer Ledanke. Mindern die im Innersten greifliar-te Idee, irilirh. wie alle- H-'e-hste. niijit init vollendeter Defini- Iioii zu um reißen. her jeder weiß aus der Erfahrung des 1 eilen-, w a-Aiensehiieit bedeutet. Der renne Arheit-menseh, der r.t-lleim Äußern Aktive empfindet, ohne sieh-dessen bewußt zu -ein. was ihm fehlt. Er i-t in seinen he-ten •Ilinden up/.iifrieden. weil die Arbeit nicht ihm seihst, einem eiia ntlieheii W e-en. sondern ausschließlich der '.'.■it zugcwanilt war. Lr -cllivfi-t leer .geblieben, wenn *r das Lehen mit -einem Tun erfüllt hat. Menschlein wird .-rieht in der Nähe und angr-irhts eines giiten '. i i'n-idien, dai-t ein« - -nleheil. in de—-eil (Gegenw art man sieh innerlieh erhoben fühlt, ohne daß große Taten j-. 'im iJun aiis-trünien. Groß ist der schlichte Menseh, der il ii •'■v-hv.rrnunkt -'eine- Lehens nieht im Nützlichen und r. in'Zweekhaften. -ondem in der Entfaltung seiner , ~ e. 1 e . . IIe 1 "HX-r Kräfte, in wahrer Ileracn-güte' findet. 1 in -olelhT Men-eli bietet keine Angriffsflächen. Dazweite .Erlebnis i-t das Judentum. Inhalt und! uriii unseres Meuselm-ins werden dureji das jüdische Milieu de- Ordenhe-timmt. Hier erfassen wir unsere In Midi re Art allseitig und betonen sie mit Nachdruck, w» il es die \\ e-i n-ge~t.dtuiig des jüdischen Menschen ■ilt. Es i-t eine eigentümliche?i«ht des'Lebens, die sieh •nspr.'i :t in der gei-tigen Betrachtung de- Vielt, iin An- M der Seliiek-ale und der mensehli ■heil Bcziehuu- - ai. in il.-r Geltung des Gern iit haften für das Lehen. Es i-t da- Zerrhild lies Mltagsjudcn. den die Zeit der Eillinie -ipation geformt hat, daß er ‘die wirtsei aftlichen Ziel*} in d'.ii \ ordergrund gestellt und seine dl rfh und durch reli_ .'i-i P-\ ehe entweiht hat. die da i-t das Verstellen i!e- Li heu-.au- Gott und aus der iimigi n Verbindung mit den Mitmcnscht*?!. "Aber es brach i och immer in den gehobenen >tnii<]on die jüdische I«elicnswcrtiing der Ge-imumg. und des Sittlichen hervor. Uni es gal) genug ßeprii-entantefi. Künder und Mahner de;'echten jüdirlii n T.ehen—tils in dieser Periode des aktiv i-tischen Niitzliehk. itsjiriuzi[)s. Gelehrte und Künstler, PI ilosophen und Philanthropen großen Formats, grundgütige Juden im T.ehen des Werktags und Führer in kleinen und großen ‘ Organisationen Mml ’ defi^ jüdischen Vi eg zur Menschheit auch in die-.T Epoche der seelischen Zcirissenlieit gegangen. In unser|r OrdenSgcmcinschaft. die bewußt die Homogenität des jüdischen ATi.lieus aufw -ist und fordert, w ird jüdisches Denken und F.nip inilpn erlebt durch herzliche und aufrichtige' Aufgeschlossenheit für edehiiensehlichr s Woldwollen, durch einträchtige Atis-_ spräche und Narhdenken über den I.ebensgi halt und die Lcbeii'leistung des Jiideiitunis, durch imm ir neues Erkennen jüdischen Geistes- und Gemütslehens. ‘ Hier ist die eigentümliche Atmosphäre von Juden spürbar, die dem Ideal zugewandt, dem ‘Leitbild adeligen Menschcntums hingegeben sind über alle trennenden Schranken im Erlee Selhst- Grüheln Spiegel' I,! des Berufs, der religiösen Anschauung und der Bildung hinaus. Im Bruderkreisc erschließt sich das Erlebnis des jüdischen Menschen >niit seinen, Mängeln und Vorzügen, mit seinen Geholicnheiteii und Niedrigkeiten, mit. seinem Schicksal und seinem Charakter. Lud heir'dcs- Andern findet die notwendige dauerne schau und Selbstkritik ohne krankhaftes statt, hier wird die wahre Selbsterkenntnisim der Mitstrebcndcn gefordert^ ohne die lVrsö lliehkeil nicht möglich ist. Die Wirkung der Persönlichkeit aber ist inaner un mittelbar. Wir wissen es hiebt und können recht aus-prcchcn, worin die oft rätselhafte Anziehung und der eigentümliche lleiz eines Charakters beruht'. W ir spüren liier gewiß den Durchbruch der sittlichen Idee, vor denen Heiligkeit wir erschauern. Das ist eben der verhängnisvolle Fehler des modernen Menschen, daß er dauernd reflektiert, zerkleinert und verkleinert. Er sinnt auf immer neue Mittel, mit denen er dei i Lehen ft S beilyommen kann, und yerliert das Ziel aus den Augen, das immer nur intuitiv mit geistiger Schau erlebt werden kann. Alles ist Mittel geworden, auch der jMenseh. der nur Selbstzweck sein darf, ist zum Mittel fiirj persönliches Behagen degradiert. Immer größere. Stiihke^der Natur wurden unserem Erkennen sichtbar, aber die interesselos^* Hingabe an ihre. Schönheit’ging verloren. Das-gleiche gilt \oin menschlichen Verkehr. Je größer der Kreis wurde, in dem der Mensch sieh bewegte, um so geringer wurde die Intensität des fhuusses, den di 'Gegenwart eines wahrhaft Der Mensch früherer Tage guten Menschen war ein lyrischer Mensch. der Men-ch von heute -ist episch, der Crzählem: sprechende Mensch, dem die Tiefe der Empfindlingen währt. e, Mi 1 aligelit und der darum das Urgriindliehe einer schönen Seide nicht versteht./ Der Lyriker'ist uns der Typus des unfruchtbaren, schwärmerischen, unwahren, überstiegenen Menschen geworden. Gleichwohl spricht imijl zieht nur in der schallenden mul ehrfurchtsvollen Betrachtung uns Natur und «Schicksal an. Darum auch die /lucht des modernen Menschen vor der Einsamkeit, die ngs un- . --r .mittelbar zu lim seihst kommen läßt. Diese Flucht ist die Furcht vor dein Menschsein und vor der Tiefe, die uns allein in der Einsamkeit aufgeht. Solche Einsamkeit ist nicht Asl.etentum; sie gehört zum Lehen wie die Buhe des Körpers nach der Bewegung und der .Arbeit. Das Suchen des* Ausgleichs und der Harmonie von Einsamkeit und Geselligkeit ist die Lelienspflicht der Persönlichkeit. Diese Unmittelbarkeit wird im Orden erlebt: der häufige Verkehr mit den Menschen des |n|timeii Kfeiscs führt zur Freundschaft, die nicht zerglijedert, sondern instinktiv den Mitmenschen erlebt, die nicht fragt: .,Was habe ich von den anderen?“, vielmehr unterstellt, daß in jedem dem Ideal Zustrebenden ein unmittelbarer Wert sich repräsentiert, den ieli in mein eigenes seelisches Sein aufzuiiehmen habe, um meine Menschlichkeit zu erweitern und zu vertiefen. So entsteht interesseloses Interesse am anderen, um es paradox zu sagen. 102

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