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Der Orden Bne Briss · 1934-10-01 · Nr. 6/7 - Oktober/November · p. Seite 96

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1934
Issue
Nr. 6/7 - Oktober/November
Date
1934-10-01
Page
Seite 96 (sequence 28)
Language
German
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einen nicht gerade sehr erfreulichen Eindruck hinter» lassen haben; denn kaum hatte ich .das mir zugewiesene Zimmer betreten, das durch seine Kahlheit und Nüchternheit picht zur Besserung meiner, Stimmung beitrug, als sich die Tür öffnete und Dr. N. hereintrat. Er drückte mir die / Hand, klopfte mir vertraulich auf die Schulter und sagte in herzgewinnendem Tone: ..Nehmen Sie es nicht so schwer; in unserem Lazarett hat sich noch jeder wohl gefühlt, und auch bei Ihnen wird es nicht anders sein, Wenn Sie etwas bedrückt, oder wenn Sie irgendeinen Rat brauchen, so kommen Sie nur getrost zu mir. — Heute Abend gehen wir zasammen in die Synagoge, und nun: Kopf hoch und auf Wiedersehen.“ Schnell war meine trübe Stimmung verflogen. Welches Glück unter liebevollen Menschen zu sein und in'einem andachtsvoll lauschten alle den herzlichen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, und dann trugen'Töchter der jüdischen Familien der Stadt die Speisen herein, die sich ein jeder begreiflicherweise gut schmecken ließ.' Freundlicher Zuspruch und manches Scherzwort schufen bald eine Atmosphäre des Verbundenseins, und als nach dem Mahle ein vielstimmiger Chor das Schir hämalaus sang, da gab es Wohl kaum einen unter den Teilnehmern, der nicht in der Ferne ein Stück Heimat gefunden hätte. Am nächsten Mittag das gleiche Bild im Soldatenheim. Erst in später Stunde trennten sich die vielen Kameraden unter lebhaften Dankesbezeugungen von der gastlichen Stätte. Für den Abend war ich — sicher durch die liebenswürdige Vermittlung von Dr. N. — zu dem Vorsitzenden des * Pesaehfeier im Kriege / Sederabend im Soldatenheim der Ix>thringen-Loge V.O.B.B. / Metz, 29. März 1915 großen Lazarett vielleicht systematisch arbeiten zu können! Was spielte es da für eine Rolle, daß. ich die Feiertage, wie doch auch die meisten anderen, nicht zuhause verleben konnte und meine wissenschaftliche Arbeit unterbrechen mußte.1 Ich nahm mit. fest vor, mit meinem Schicksal nicht mehr zu hadern-, das es doch — trotz allem — sichtbar gut mit'mir meinte. Dr. N. holte mich ab. und wir gingen in die Synagoge. Nach dem Gottesdienst, der mich durch die gleichen, von Hause gewöhnten Gesänge besonders anheimelte, besuchten Wir das . Soldatenheim. Ungefähr dreihundert jüdische Soldatensaßen dort bereits an festlich geschmückten Tafeln, um gemeinsam die Mahlzeit einzunehmen. W'ie mir berichtet wurde, war es dem Vorsitzenden des Soldatenheimes bezw. dessen Schwägerin, die als Krankenschwester in einem Offizferslazarett über gute Beziehungen' verfügte, gelungen* für dieSpeisung der vielen von derFront herbeigeeilten jüdischen Soldaten rituell'geschlachtetes Fleisch,zu erhalten. Nun lag weihevolle Stimmung über der ganzen Gesellschaft. Soldatenheims geladen. - Ungefähr 15 Soldaten und einige Ärzte waren Gäste des Hauses. Was die Not der Zeit nur erlaubte, war aufgetischt und wurde von den Gastgebern mit solcher Herzlichkeit dargeboteo, daß jeder ohine Zögern Zugriff. Bald war auch eine lebhafte Unterhaltung im Gange; Erlebnisse und Erfahrungen wurden antgetauscht, man erzählte von der Heimat and den Berufen, gemeinsame Bekannte und Freunde wurden festgestellt und schnell breitete sich durch die liebenswürdige Vermittlung' der Gastgeber eine gemütliche Stimmung aus, so daß alle für ein paar Stunden den Ernst der Zeit ' vergaßen. Einigen von den Soldaten wurde in dem geräumigen Hause noch eine Lagerstatt bereitet, und keiner ging von dannen, ohne daß ihm noch ein kleines Paket mit Eß- und Rauchwaren zugesteckt wurde. Wieviele Stunden habe ich während meines Aufenthaltes in M. in diesem gastlichen Hause verbracht! Voll Rührung und Dankbarkeit gedenk^ ich dieser prachtvollen Menschen, die es sich zur. Lebensaufgabe gemacht hatten. 96 i

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