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Der Orden Bne Briss · 1934-10-01 · Nr. 6/7 - Oktober/November · p. Seite 93

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1934
Issue
Nr. 6/7 - Oktober/November
Date
1934-10-01
Page
Seite 93 (sequence 25)
Language
German
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Jugend im Elter Von cand. iur. Erika Löwen Man macht der Jugciid so oft den Vorwurf, sie entfremde sieh dem Hause, slrebe ins W eite, ins Unpersönliche und liahe keinen SLin mehr fürs Familiäre, fürs Intime. Wie 6teht es d^nit? Soviel ist richtig, daß sie oft den Zusammenhang mit Gleichaltrigen sucht. Sollte das aus Verachtung des Elternhauses oder gar überhaupt der Älteren geschehen? Wer so von der Oberfläche die Dinge sieht.r verkennt die Situation völlig. Leider findet man nur in wenigen jüdischen Kreisen das, was man kurz ein jüdisches Haus nennt, wo man den Säbbat und die'Festtage hält, und wo die echte jüdische Innerlichkeit der Lebensstil auszeichnet, der nicht nur Privileg der Äjl ereil und Alten, sondern ein Bindeglied von Jugend und Alter bedeuten kann, ja bedeuten soll. Denn es gibt Dinge, die nur im Hause lebendig werden, für die es keinem Ersatz gibt. Denken wir an die Feiertage! - Sie'sind und können niemals, nur eine Sache, des Gottesdienstes, sein, d. h. einiger weniger feierlicher Stunden. E in ganzer Tag soll feie rlich sein,'feierlich in dem ausgezeichneten Sinne des Feicrns. Kann man aber allein feiern oder, mit einer grillen Masse fremder Menschen'' Feiertage gewinnen nur dann für uns ein Bleibendes, wenn sie nicht auf Pathofe gebaut sind, das höchstens für den Augenblick Erhebung geben kann. Ist es nicht gerade das Besondere des 'jüdischen Festtages, daß die Vorscliriften nicht voll erfüllt sind im Gotteshause, sotu cm daß sie nieist ihre' Krönung finden in der Familienfe er? Was wäre ein Pessachfest ohne 1 den Sederahend? Oft kommt es vor, daß Gottesdienst in Form und Inhalt der Jugend gar nichts mehr sagt, weil er ihr, d. h. in diesem Falle dem Fortschritt, keine Rechnung trägt, nächt lebendiges Zeugnis einer ganzen Gemeinde bedeutet, sondern nur Überlieferung, starre Gewohnheit. Es fehlt das Intime, «la§ Persönliche und vor alle m das Unmittelbare. Ein religiöses Erlebnis aber ist ds, im Eltemhause die Haggadah . zu lesen. Sie ist auch jedes Jahr dieselbe, wie die gottesdienstliche Form, und dennoch: hier fühlen wir. daß wir jedesmal ande -s erzählen, daß wir andere geworden sind. Immer venu Mali nischtanoh aufgesagt wird, denken wir an unsere Kindheit, da wir sie zum ersten Male sagen dürft?n, in der Meinung, nun groß zu sein und nicht mehr nur anhören zu müssen, sondern selbst mitzumachen. Jedes I,ebensalter nimrtit seinen Anteil, und ob wir sclijon verstanden, haben, um was es sich handelt oder nicl t, wir waren berührt, erregt, ja wir dachten, daß Vater und Mutter all das Festliche nur für uns gemacht hätten, bis wir später begreifen lernten, daß es auch ib nen Erlebnis war. Wesentlich also ist, daß das Elternhaus in der Religion den Übergang vom Alltäglichen zum Erhabenen, vom Profanen zum Sakrosankten bildet. Wir.empfinden t a m n . erst außerhalb de* Ilahses, wieviel Ur^pidingliches darin liegt, wepn wir gezwungen sind, in-.de Fremde derartige Feiern .mit: umachen, die doclricigcntlich nur ge-. dacht sind für die, die keine liäusliclten Feiern kennen. Sie können nicl t empfinden, was ihn *m fehlt. W i r aber fühlen, daß cs nur ein Ersatz ist.! Wer "anders sollte vom Anszuge aus Ägypten "erzählen, ajls'lie Fiten»? Ein kleines Stück We tgescheheii vollzieht sich; wir erleben den Wechsel der Generationen. Wir ül ernehmen sozusagen/etwas mit der Verpflichtung, es weiter zu gehen. Und hierbei müssm wir ein w ichtiges.: Mi ►ment jüdischen häuslichen Lehen i berücksichtigen, nämlich den immer stark *n Sinn für Familie, wieder ja auch'von unseren ‘Filtern gepflegt wurde. Schon das Zerentoniello gibt -öft Aula 11 dazu, sie's »gen zu hören, das und das hätte der Vate r schon imn er so vörgetragen, mid jene Melodie hätte u sik» von de » Großeltern, üheruöm men. Dies alles sprüht eine so lebendige Sprache voti der Liebe zur Vergangenheit, d iß sie auch auf uns ibergehen müß. Sie i telli dann uns ja schon nicht mehr die Eltern als letzt» und unnahbare Instanz hin, was so oft in anderen Kreisen jden Anlaß zu Konflikten gibt. Nein, es ist ein gröEererj Zusammenhang, der hier fühlbar wird. Ist es die Gemeinde; di» beim Gottesdienst sozusagen den liorizontnlen Zusamm»nliaiig der zur Zeit in allen Ländern lebeinleii Juden ( arstellt. so ist es die verti kalejn, den Judk* nheit vermit :elt und den Gedaiik» n an ihre Fortführung schon ip F‘este in unserem Wäre aber d Familie, die den geschichtlichen Zusammenhang der sich trägt. So^erwächst aus dem.Zukunftsgedanken » as .innere Bedürfnis Elternhause zu verbringen. ‘die religiösen icsc Bindung nur in »lenwelligen Tagen »lesFeierns gegelen, dann wäre all dks mehr ein Wollen als jein .inneres und innerliches Müss»'ii, vielleicht nur ein'S iick Sensation. Ist esv»loch recht einfach, ein paar Mal im' Jahre s ch der Familie zugehörig zu fühlen. Nein, es ist nqe i etwas ganz andere was wir vermissen, .wenn wir fern von dem-Elter»hause sind: den F r'e i t a g a h e l l <1, sofern w ir ihn kennen, d. h. jemalsirlebt haben. Er vor'allein kann ein inniges F’amiliehlel>en »lokui ne»itieren, weil »las Einmalige, eines Feiertages noeb allzu schnell vergessen wird, ein immer— währendes Fehl •!» »1er F’reitaguben»!- »nd Sabbathfeiem bejvußa einen a ndem Iiebeiisstil verri it„ 'der uns nach- »leiiken läßt, wa» »>s doch Besomleres um »lü'sen heiligen, jal heiligsten T: g —► im Hause gefeieit — für eine Bewandte is hat. Es geht nicht bloß darum, daß man WloclHmim Wo» he Stunden der walirh »ften Einkehr hat, »idß man gera» ezu gezw ungen ist, nach sechs Tagen Alltag! wieder in eine Beziehung zia Gott zu treten; n^in, ist wpi-entlieh, daß die Ausgestaltung des Freitagabends nich . bloß ein wichtiges religiös-zeremonielles 93

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