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Der Orden Bne Briss · 1934-10-01 · Nr. 6/7 - Oktober/November · p. Seite 85

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1934
Issue
Nr. 6/7 - Oktober/November
Date
1934-10-01
Page
Seite 85 (sequence 17)
Language
German
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zu berühren, da wollen s: nur für kaum mehr al Stunden im Tag, unter Hütte aus Brettern und 1 Durchaus üri Sinu Wandlung tritt in der an Stelle des „Brotes e einer solchen motivischen Abdiodemen „OfFenbacher Haggadah“ des Elends“ eine getreue Wieder- Uud einmal im Jahr;, Nvcnn draußen ilm Land die Ernte eingehraelit ist, dt drängt es die Hausgenossen hinaus ins Freie zum Erntedankfest, zum Suktyotfest. Da genügt es ihnen nicht, den Etrog, die zum ^Strauß gebundenen Palmen*, Weiden- und Mvrthciizweigc bloß Habe 5eder ( e,1 einmal im Jalnf, sei es auch i eine Woche unjd für kurze freiem Himmel Ihausen.“' 'Eine auh hauen sie sieji; die Sterne schimmern durchs Dach, «las sollen sie auc^i, der Regen dringt hindurch, das darf sein, das ist {gut so, nach frommem, ^Itcm Brauch] denn aufgeschlossen dejr Natur ist die Seele am Lauhhutteufest, ungehenynit sjcli verströmend die Sehnsucht iiach der Scholle. {Mit FViichten und Blumengewinden v ird die Lauhe ausgeschmiiekt, mit wirklichen Blumen und Früchten, hier waltet ein Kult, dem die Frische di*s Urerlehens noch erhalten gehliehen« ist. Und so* ist auch das Gefäß fjir den Etrog, die silberne Deekeldose. häufig ein durchaus kunstloses Gebilde, unstilisiert, d “r körperhaften Rundung der Frucht nachgeformt. V< n allen Festen ist dieses, hauptsächlich in iler Hütte, »tatt im Hause begangene Fest, dasjenige, das künstlerisch gültigen Ausdruck am wenigsten suchte und fand. . Neben dein Gerät ist es das Quell, das Jm Hausgebrauch seine1 besond :re Prägung erfahren liat. Die Megillah, das Estherburh, dem wir in der Synagoge als streng bilderloser SclnjiftroHe begegnen,; hier, für die Hausandacht wandelt sie sich zur bunten Bilderrolle, und die Haggadah für das Pessachfest erscheint als das eigentliche Hausbuch nit seinem für die Familie geschaffenen fabulierende n Text und dem phantasievollen Bilderreichtum. Von den symbol laften Speisen ausgel eiyl, der Mazzah, dem ungesäuerten Brot, und dem Muror, dem Bitterkfaut, die beim I essachmahl verzehrt werden, entfaltet sich der Stoffki eis der HaggadahiUustration in verschiedenen Richtungen, nicht unwesentlich beeinflußt auch von den Formen der Wohnkultur. Erst f ind es die bloßen Fesftsymhole, Hie im Pessachbuch dargestellt werden, im hohen Mittelalter aber, im ’ patrizierhaften Spanien, tritt darin aiJ Stelle der schlichten Brotscheibe die Brotschüssel oder die Brotdecke, beides mit üppigem figürlichem Schmuck ausgestattet, und an Stelle des Krautbüschels erscheinen stilisierte Goldranken auf einem Wappenschild i;emalt. Fami dies« im süät« hihlcr lied einen Straf, und der ein i; le in foi ui fiiij die Familie | »T *sel. des Herausgebers' ''‘fertigten leiihzeitig gelangte auch ilie mit! zur Darstellung in' imn|erhin profanen Eh n Mittelalter, ^und Zwar menld derber VolkswiLz, lie Haggadah. Aber hici Grenzbezirk, denn nicht wcsrii, mtse leidend mithest im mend ifnd ist nicht di ■ Hi usandaelit allein -schiipfc»risch -wirks.am g< Yolkolrima Bänf eis inge außerhalb <! Ha<; die de Heil i hot i.ir einen sicheren Hirt. n ijiicl.cn empfangen haben. wicklun 'snüiglichkritcn. i‘ino kl; Kiin stlc hauin, Berthold’ W ölpe, Knuny lotli in I.iss tzk Vie der gute: härter den Gerb der ment in das Mahl Maggi drii der Rl|i sag<*nstoff begeben das Haus die Bil Harkt wirkenhier auf auch in der Illustration der erwiest' sowie die Aufführungen de i Spaßmacher und Pugimspje s Hauses. jüdische K linst .Li negnngen r umrissene Aufgabe. dei| neueren Zeit, Rudku. Steinhardt, M. Biryiin Rußland, Arthur Siivk in F viele andere, derer in dieser knippen übersieht nicht gedacht werden kann, "sie adlh lei len sich her von etwas 'Gemein: amein. historisch Gewordenem'. Auch die verwegenst n unter ihrten, die darangingenJ das jüdische Buch, < as jüdische Gerät aus ihrefr eigenen, heutigen Zeil heraus neu zu gestalten, auch |sie erwiesen sich als treue* Bawahrer des Alten. Geradi ln Deutschland hatte das mo lerne jüdische Kunstgew erbe ei le rasche und auf üilleiide Entwicklung genommen.. - C>l> es auf die Dauer lebensfähig gewesen wäre, wer kann das heute sag;n. Die-Gesellschaftsschicht, d|e diese junge Gebrauchs iunst förderte, sieexistier dicht mehr, ist in alle Winde 's erstoben. Vielleicht w, irki ^ich d(er Exodus jüdischer K ünstler in anderen Gym dnden noch befruch teni auL*' Das „altneue“ jüdische Haui Er^chüti erung erfahren, man wird als bisher und auch w-ohl ohne bis! borgen heit, unerläßliche Bedingung fü^ eine bürgerlich gesättigte kunst p 1 begehende dah. Mil t bereits eillgegelid. und \ olkswir iiiiin allein. Igestaltung, Estherrolle n sich das jüdischen er in- und ins verschiedas traditionstreue ruhige, stete Ent- Deutschlaiid, ijankreieh und anclie schwere nun gedrängter leben idas [Gefühl der Ge- W ohnkultur. Man. wirljll wemger eifrig Hauslegen. leicht ersteht uns aber in Stube eine Kunst, w. nd| kraftvoller, getragen 1 leinschaftserlebnis unsere! r außerhalb der W ände tlich anders geartet, fon dem überwältigen- Zeitläufte. 85

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