Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1934
- Issue
- Nr. 6/7 - Oktober/November
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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Das jüdische Haus als Quelle der Erneuerung Von Anna L e w y, Stettin. .'! / . ..So sprich zum Hause Jakobs, melde den Söhnen Israels: ..Zur Stunde, als die Thoragegeben wurde, ward Mo-che. unserni Meister. Frie«te iiher ihn, geboten, zuerst zum Hause Jakobs zu' sprechen: und das sind die Frauen." Diese \\ orte aus dem ^Sendschreiben über / die L mkehr an die Frauen" des Jona heil Abraham GerondU) scheinen uns in einem besonderen Lichte das jüdische Haus als Quelle der Erneuerung' zu beleuch- _ ten. Denn Umkehr als Erneuerung, die wir in diesen heiligen Festcszeiten soeben wieder erlebten, wird dem Hause Jakobs geboten; zuerst dem Hause Jakobs. Es liegt eine Epoche hinter uns, in der auch in der 0 ■jüdischen Familie das Haus und die Frau'nicht gleichbedeutend-mehr waren. Wohl hat sich gerade im Judentum langsamer-als in der es yingebendeji. Welt der Prozeß vollzogen, der die Frau aus dem Gehege des Hauses entließ, und es ist Gegenstand zahlreicher Erörterungen gewesen, warum das so war. Dem Juden, dem nachgesagt wird, daß er Strömungen der Zeitläufte schneller folgt, neue Wege, leichter .findet, Veränderungen der Zeitanschauungen behender erfaßt und realisiert als die Umwelt, ihm ist die Teilnahme der Frau an dem öffentlichen Lehen der jüdischen Gemeinschaft auf allen Gebieten abgemngen worden zu einer Zeit, da sie für das öffentliche Leben der anderen bereits längst eine Selbstverständlichkeit war. Diese Erscheinung kann nur ge- . deutet werden aus .einem Urwissen des Juden um die Bedeutung des jüdischen Hauses--für das Judentum schlechthin. Die Gefahr, die eine Veräußerlichung des Lehens durch die Überspannung der Kräfte im Beruf, iii der Öffentliclikeit, in der Teilnahme an allem, was seine Ansprüche an den einzelnen herandrängt, für die Familie in sich birst, war für eine. Geineinschaft' wie die jüdische! größer als für jede normale Volksgemeinschaft. Denn die Völker werden durch den gemeinsamen Boden unter ihren- Füßen, durch gleiche Sprache, durch gleiches geschichtlichem Leben, durch Grenzen und Gesetze zusammengehalten; aber eine Gemeinschaft ohne Land, mit wechselnder Heimstätte, eingebettet in das Leben der Umwelt, umgeben von deren Kultur und Religion, konnte sich nur erhalten auf dem ■ 1 *'■ Vergl. Schemoili r. Par. 28,2 einzigen sicheren Grunde, ihrem Nährboden in der Familie, dem jüdischen Haus. i i! - Aber wie weit iauch die jüdische Frau des vergangenen Jahrhunderts etwa neuen Gedanken und Anforderungen außerhalb ihres Hauses folgte, wieviel auch in der Zeit dieser Entwicklung und 'durch sie begünstigt, von dem festen Gcfijige d«-s alten jüdischen Hauses abbröokelte. nicht dies»? erweiterten Franjcnaiifgaben allein waren es, die den Be-ja ml der Familie erschütterten; denn wäre es so, so müßtd der Begriff der! Familie sich in demjenigen einer Arbeit«- oder W Srtschaftszelle erschöpfen. die \\ ert |und Silin in demiselben Maße verliert, wie sich ihre Wirtschaftlichen Funktionen ändern. Eine Mutter aber ist1 durch die Jahrtausende der Völkergeschichte hindurch in jeder nur denkbaren Wirtschaftsordnung immereine Mutter gehliehen. Auch eine Glückel lon Jameln beschränkte ihre Tätigkeit keineswegs in den Grenzen ihres Haushalts und war und blieb doch Begriff und Sinnbild des jüdischen Hauses, ihres Hauses. Wir erleben jetzt in unserer Umwelt eine allgemeine Rückkehr zur Neugestaltung der Familie. Das. jüdische Haus, von! dieser Bewegung zugleich berührt, gewinnt darüber hinaus in demselben Augenblick durch die besondere Gestaltung des jüdischen Schicksals vielfach an Bedeutung;* Wir haben durcli die Jahrtausende jüdischer Geschieh :e immer wieder 1 erfahren, daß in Zeiten erhöhter Bedrängnis und Untufie der Jude in seiner Familie, in »einem Heim, in den Grenzen seines häuslichen LebensJ in das sich zurückzuzielien er gezwungen war, nicht nur Zuflucht uind Halt gefunden, hat, sondern eine nie versiegende Quelle neuer Krafj. Wir haben es imm :r wieder erlebt, daß diese Zeitläufte bitterer Not und Drangsal, die das äußere Leben erschwerten und b< grenzten, einen inneren Reichtum wachsen ließen, < er — keiner Beschränkung unterworfen — in demselben Maße angestaut und zur tiefen Quelle neuen Lebens wurde. Auch jetzt sind für uns die nach außen f ährenden Türen' unseres Hauses abgeriegelt und weisen nur nach innen. Druck, der Umdie ungestörte Zujflucht des eigenen empfinden. Und es hat sich zu ergebung läßt uns Heims als einzige i 72