Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1934
- Issue
- Nr. 1 - Januar (Fragment) (1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner l »schuld nach Hause kommt, hpkommt angesichts dic.'cs feigen Kompromisses einen Tobsuchtsaiifall: der \ arer. der Mann des starren Rechts, hricht zusammen. - Der folgende Rand zeigt dann den w eiteren W eg des jungen Etzel Andergast durch die aufgewühlte, wild“. M^statisch vormihle’'''junge Generation. Das Buch entläßt uns nach einer Krise.! «loch ohne Abschluß. t Inzwischen ist nun |:lie Krise für die Juden in Deutschland hereingebroHien. I nweigerlich mußte c liw diese Katastrophe mit ihrer vollsten Stärke trefTen. der mit so großem, der mit gleich starke sein Deutscher und Jude war. Wie auch der in seinen'Körper gekommen sein mag, dies Schmierungen der Seele, die das letzte Ja 1 haben ihm sicherlich die Bahn bereitet. Wir Juden aber trauern im besonderen Sinne Mann, .dem es gegeben w ar zu sägen, wlas V leiden. I Jul Gefühl und Idee in der Musik den Mann m Bewußt* Tod jetzt ereil Err hraclite, deutschen um einen von uns us B a h. i?le \ on. < iherspiellefter Dr. Im Hinltlii'k auf die Hr'trrliun^rn Je> Kultur- , Imnilc ilrut-rhcr Juden l>rinf< n wir die folgenden Vii-führimpin, die einer Vertiefung de> iiiu.-ikuli- -elien Yi'rstäinlni'sc.- dienen sollen. Staat und \\ irtechaft sind aus dem menschlichen Bedürfnis nach äußerer Sicherheit des._Lebens geboren und »uelien dieses zu befriedigen: die Kirnst aber entspringt in jeder Kulturepodie von neuem — aus dem Be-' diirfnjs nach innerer, nach seelischer Sicherheit gegenüber dem Ghaor der uns überlegenen Naturkräfte und der Begrenzung unseres Verstandes. Es ist sorpit derselbe der ganzet). Menschheit eingeborene Naturtrieb, der den kim-tler zim Schaffen und das Publikum zum Erfassen der Kunst befähigt.: er.ist nicht der Art nach, son- «lern, nur dem Grade, lief Intensität nach, im Künstproduzeuten und^ -konsumenten \erschieden. und er allein genügt, um eine tbereinstimmung zwischen dem Ausdruck des Künstlers und dem Eindruck des Publikums zu ermöglichen. Den Künstler treibt es. zum Zwecke seeli-cher Sicherheit, in irgendeinem \on der Natur gegebenen Materiale, in Stein oder Wor.t. in Ton oder Farbe, sich über die Welt zu äußern: das Publikum treibt es. zum gleichen Zwecke, in einem seinen Sinnen zugänglichen Materiale Äußerungen über \\ eit und Lehen auf- “ zunehmen. Damit ist die Kunst als ein Mittel zur seelischen Erfassung der \Vc!t eine Art Verständigung zwischen Künstler und Publikum, jedes Kunstwerk ist Formung. Spiegel und . Deutung seiner Zeit, und jede Gemeinschaft. jedes Publikum, jeder Kulturkreis ist Miturheber. Mitschöpfer der Kunst und ihrer Werke. Religion. Philosophie upd W isscnschaft suchen sich zu den übermenschlichen Natu5kräften zu erheben: die Kunst aber ist das einzige Mittel der seelischen W eltrrfassung, das lediglich die menschliche Natur mit ihren Kräften und Trieben als Vorbild ihrer Weltdeutung nimmt. Dadurch wird allerdings die \ erständigung zwischen Künstler lind Publikum in besonders hohem Maße vom geistigen Niveau des Publikums' bestimmt; «las Kunstwerk ist besonders stark abhängig von den in seiner Kulturgemeinschaft herrschenden Sitten und Anschauungen. Jede Kunst ber|dit daher auf drei Grundlagen: 1. auf dem von ider Natur gegebenen Material. 2. auf derr von der kultu r geschaffenen, zeitgemäßen und 'konventionellen Verständigungsformen, .und 3. auf den Natur und Kultur vereinenden Gestaltungsmögliehkeiten der Künstlerpersönliclik?iten. W illi A r o n, Berlin. Die Musik nun ist —- bis auf ihr kleines Teilgebiet der Tonmalerei — eine Sprachkunst, ^ie lu t ihre Lautlehre, d. i. die Lehre von den Tönen, ihre Syntax ode» W ortlehre, d. i. die Lehre vqii den Akkorden und ihren Wandlungen, ihre Grammatik, d. i. dio Lelire von Themen-, Satz- und Formenhau. und sogajr ihre Orthographie, d. i. die Notenschrift mit den Schüsseln, den Vortragszcichcn usw. Aber die Tonkunst beginnt, genau wie die Dichtkunst, erst mit der völligen I ieherrschung des gesamten Sprachmaterials: «ie fußt! auf ihren natürlichen Sprachhcdiiigungen und deren Fäitwicklung, stützt sich auf die konventionellen Tonsitten ujad -Anschauungen früherer oder gegenwärtiger Zeit und gel t aus künstlerischem Zwange darüber hinaus zu ncujen Begriffen, \ orstellungen und Gestaltungen. i Das natürliche Spnichmaterial der [Mu^k ist der auf den Gehörssinn wirkende Ton mit den zu ihm oder seiner Verarbeitung naturgemäß gehörenden Eigenschaften der Tonhöhe, der Tonbewegung, der Atmung, des Rhythmus, des.'Tempos und der Pausen. Dieses natür liehe Material ist genau wie das der Wortsprache in jedem Sinne, für jedes Gefühl und jede Idte verwendbar: erst im Zusammenhang, in der Phrase, dei Melodie, dem Gesamtwerk erhalten Ton, Intervall usw. einen bestimmten Sinn oder Gefühlswert. W äre das Sprachmaterial nicht vielfach und also mehrdeutig verwendbar, so gäbe es überhaupt keine. Sprache und keine Sprachkunst Gerade an der Tonkunst kann man die Nichtigkeit dei von -der Kultur geschaffenen zeitgemißen Verständi giingsformen gut ersehen. Denn besonders fruchtbar füi die Musik hat sich die Konvention unseres westeum päischen Kiilturkreises erwiesen. In einjer Entwicklung nämlich von ca. 4 bis 3 Jahrhundert« n hat, —e von Künstlern wie Publikum, Physikern wl: Instrumentenbauern aufs tätigste“gefördert —, unsere Musik mit der Zerlegung der natürlichen Oktave in ] 2 gleich große Stufen, dem darauf errichteten Quintenzirkel der Tonarten und der Bestimmung des Kammertones a ihre vollkommen fertige Tonspjrache aufgestellt.! Aber alle Begriffe und Vorstellungen «lieser Tonspräche entstanden, wandelten sich und vergehen mit der |Konvention der Zeiten. . Was noch vor Bach als Dissonanz galt, wird längst als Konsonanz empfunden und verwendet; der Begriff des „Wohlklangs“, des „Schönen“ in der Musik beruht ebenso auf Kotivention wie Buchs Polyphonic 4