Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 10 - November (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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i (heiliger Rabbi) der Vermittler Gottes ist. Das ist die Verkörperung des Führeigedankens in geradezu' idealster Gestalt. Der Rabbi ist in der Auffassung dieser Richtung alles, höchste Autorität im Leben der Gesamtheit und des Einzelnen. -Das greift bis ins intimste Leben hinein. Er breitet seine Macht vertikal und horizontal bis zur Totalität aus. Er gebiete^ über soziale Verhältnisse, verfügt über Familienangelegenheiten, f*r herrscht patriarchalisch-unbeschränkt] ohne ihn geschieht nichts. Das geht soweit, diß die tüchtigsten Geschäftsleute vor Abschluß jedes großen Geschäftes nicht nur seinen Segen, sondern auch seinen Rat suchen und nach seinem Worte handeln. Aber auch in späterer Zeit finden wir überall im Judentum geistig-religiöse Führer, die eine gewaltige Aütorität besitzen. Noch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts finden wir Rabbi Jizchak ElchananSpektorin lyowno und Rabbi Samson Raphael Hirsch in Frankfurt am Main, die ihre Autorität weit ausdehnten und über einen gewaltigen Einfluß verfügten. 1 So ist der Führergedanke ideologisch und empirisch den Juden nicht fremd. Aber er erhält, wie allesim Judentum, eine eigene Färbung und — auch das ist charakteristisch — wird zum religiös-ethischen Gedanken. Absolute Führer gibt es im Judentum nicht,, der eigentliche Führer ist Gott. Die Legitimation des Führers hört auf, wenn er gegen den göttlichen Auftrag handelt. Die •'Autorität des Führers beruht auf dem Glauben des Volkes, daß er der Voll-, zieher des göttlichen Rechtes ist. Er ist nicht der Vertreter Gottes — diesen Begriff gibt es im Judentum nicht — woh) aber der ewigen göttlichenGerecht i g k e i t. Seine Heiligkeit entlehnt er der hohen Aufgabe, zu der er berufen ist. Der König ist „Gesalbter Gottes“, aber er herrscht nicht absolut, auch ihm werden strenge Gesetze vorgeschrieben. Er verliert seine Würde, wenn er gegen den Willen Gottes handelt. Er hat die Macht, aber er darf sie nicht ■ mißbrauchen. Er ist die höchste Instanz der Gerechtigkeit, er ist der Beschützer des Volkes, die Zuflucht der Schwachen, Armen. Saulj wird entthront, weil er gegen den klaren Befeh) Gottes handelt. {Sam. L, Kap. 15.) j -j Auch gegen das Volk, das er führt, trägt der jüdil sehe Führer die höchste Verantwortung. Dahei ist def Führer kein „Herrenmensch“, demütig steht er vor Gott und dem Volke. Vom größten Führer Mose jBagt dije Bibel: „Er war demütiger als alle Menschen.“ jje mehjr der Führer die Größe seiner Aufgabe empfindet] je mehr er erkennt die Distanz zwischen Wollen und Können -jdie ewige menschliche Tragödie — desto bescheidener wird fer. Der Führer ist der Verwalter des Vjolksgutles und muß Rechenschaft ablegen. Mose bekundet kurz v|>r seinem tragischen Tode dem Volk, daß er :reu dem Volke im Sinne Gottes gedient hat. (Detr. LV. I ( Samuel ruft das Volk auf, gegen ihn zu zeu|;en, wenn er .jemand Unrecht getan hat. (Sam. L, Kap. 11.) Man dient Gott, wenn man das Volk ^ichtlig leitet, und man dient dem Volke, wenn man es zur göttlichen Höhe führt. 1 Jas ist die Höhe der Auffassung der Staatsidee] die sich durch die ganze jüdische Geschichte zieht. Die ganze jüdische Geschichte ist eine Geschichte der Führer md des Geistes, der in ihnen lebt. Im Judentum wird der Begriff Ehrfurcht sehr weit ausgebaut: Ehrfurcht mit Liebe gepaart, — Ehrfurcht vor Gott, vor Geistes- und Seelen-Größe, vor edlem Wollen und großem Können. Diese Ehrfurcht zollt der Jude von jeher dem Träger wahrer Größe. IKeine Gemeinschaft begeistert sich leichter für den wahren Helden als die jüdische, und keine folgt mit mehr Liebe dem gerechten, wahren Volksführer. Eine Minorität, die nicht auf Macht pochen kann, sehnt sich i^nmer nach Gerechtigkeit und erhofft ihr Heil von der Erken itnis der Menschlichkeit, voriyder friedlichen Entwicklung des Staates nach innen und außen. Das Jude ankein politisches System und Staatsform gebunden. ntuir in ke Gebunden is n u r an den Gedanken der Wahr Gerechtigkeit. heit ist ine t es und Die. Kulturarbeit der Logen im kommenden Winter. Br. Expräsident Dr. Willy Cohn- Breslau betont in einer Zuschrift, daß das Geistige auch in der schweren Notzeit nicht zurückgedrängt werden dürfe. Man darf sieh nicht — wie er zutreffend ausführt — nur auf Referate sogenannter aktueller Fragen beschränken. Gewiß werden wir immer lebendig Stellung nehipen müssen zu den Dingen, die uns im Augenblick bewegen. Aber darüber hinaus müssen wir unsere Brüder aus den Niederungen des Alltags zu größeren Höhen emporführen. Gerade jetzt will man etwas wissen von unserer großen Vergangenheit, von unserem Schrifttum und von unserer Sprache. Man möchte sich emporführen lassen durch die Macht jüdischer. Musik, aus dem, was die Seele bedrückt. Bei gutem Willen werden sich die geringen Beträge frei machen lassen, die zur Pflege geistiger Kultür notv endig sind. Zeiten unsicherer Wirtschaftslage sind häufig Seiten innerer Stärkung geworden. Wo der Wille vorhanden ist, ein wirklich geistiges Programm zusammenzus(ellen, v ird es finden*. heute Beschäf t auch möglich seiu, die geeigneten Kräfte zu In ein solches Winterprogramm gehört allen Umständen zweifellos auch eine genaue mit den Fragen Palästinas. Hier ist die Unvissenhe so viele Anfragen an die Palästinaämter beweisen, noch erschreckend groß. Schrifttum gibt es genügend, dem heraus die Referenten sich unterrichten können vielen Fällen wird es überhaupt möglich sein, auf zurückzugreifen, die auch derjenige zur Grün ilage vo führungen machen kann, der sonst nicht gewöhnt ist. unter igpng t, wie meist aus In $ücher Ausöfters 120 0 I