Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 9 - Oktober (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 111 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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scheinen, selbst auf die Gefall^ eines Widerstandes von! seiten der Stände, dm sie fürchteten, den sie aber durch allerhand Kompromisse, wie dajs Verbot des öffentlichen Gottesdienstes, belle oen zu künhen glaubten. die Acrhandlungcii zum der Kurfürst einen von Am 19. Mai 1( 71 kamen Abschluß, am 20. genehmigte Raban von Canstein, dem Direktor des Kaminerwesens. konzipierten Entwurf eines Judenprivilegs und am 21. wurde das berühmt o Edikt veröffentlicht, das man die Magna Charta der Brandenburger Juden genannjt hat. Fünfzig Familien w irde für 20 Jahre der Aufenthalt in der-Mark Brandenbirg und im Herzogtum Krossen, der freie, -ungehinderte Handel. d(er Besuph bler Jahr-, der Woehenmärkte und der Messen, der Kauf, die Miete und der Bau von Häusern geätattet. Am 6. September wurde das Edikt durch ein kurfürstliches Reskript ergänzt, nach dem je lern Juden gegen Erlegung eines zweijährigen SchutZj;eldes die Emigration aus der Mark freistehen sollte. D is Schutzgeld von acht Reichstalern für jede Familie sallte' nicht erhöht werden dürfen, gleichgültig, ob die Salil der 50 Familien erreicht werde oder nicht. 1 Trotz der großen Milde der Bestimmungen vollzog sich der Einbau in den Staat! und der Aufbau der Gemeinden nur langsam und nur utiter Schwierigkeiteil und Kämpfen; Die Innungen und die Gewerke, die' Stände und die Magistrate, die Kauf-, und die Handelsleute setzten sich solort gegen die Aufnahme der Juden zur Wehr und sucht?n durch Wort und Tat, durch Anklagen und Drohungen die Ansiedlung zu hiiitertreibpn. Mit dem Staate selbst blieben die Juden noch lange nür lose verknüpft. Das jAufnähmjeedikt lautete nur für eine bestimmte FrisJ von Jahren, die Sjhutzhriefe wurden nur für einzelne Personen ausgestellt, eine feste staatliche Organisation gab es njclit, man unterstellte die Judenschaft wechselnd bald fieser, bald jener Behörde, dem Geheimen Rat, der Amjskammer, dem Kommissariat in Berlin, den Magistraten in der Provinz. Hinzu kamen die inneren Schwierigkeiten bei der Xeubildung der Gemeinde in Berlin. Zwar tastete der Große Kurfürst, durchdrungen von dem mittelalterlichen Gedanken, daß das eigene und innere Leben der sozial geschiedenen Genossenschaften nicht zerstört werden dürfte, die Autonomie der jüdischen 'Gemeinde nicht an. Wie in Wien konnte sie sich auch in Berlin als selbständige Körperschaft niit eigen »m Recht, eigener (Verwaltung, eigenem Kult und eigener Gerichtsbarkeit, eigenem Armen-, Erziehungs- und Bildungswesen konstituieren und die Wahl ihrer Rabbiner und Vorsteher selbständig und ohne staatliche Einmischung vollziehen. Aher das Bestreben des Großen Kurfürsten, sein durch Kriege und Hungersnot verwüstetes LandJ möglichst rasch zu peuplieren, lockte jüdische Ansiedler von überall nach Berlin. Zu den Österreichern gesellten sich bald Einwanderer aus Polen und Litauen, ausj Böhmen und Mähren, aus den Städten am Rh^in und aus Süddeutschland, aus Hamburg und Halbcrstadt. Es fanden sich die verschiedenartigsten Elemente zusammen, arme Hausierer, Händler und Krämer, gewandte Großkauflcutc und Juweliere, Arzte, Gelein te und Rabbiner. Ils fehlte ihnen die gemeinsame Gt meindetraditiön, .gemeinsame Erlebnisse in Lreud und Leid. Die Österreicher sonderten sich hochmütig von den andern ab, sich als den Adel, die Ersten empfindend, lie ,,\ erglei.teten“ kilmpften gegen die’„Unvergleiteten“, ihre Konkurrenz fit/den eigenen Handel befürchtend. . Energische fürstliche Günstlinge von rroßem Vermögen benutzten" ihren Einfluß bei Hof zu ‘iner Machtslellung auch in der .Gemeinde. Es bildeten Sch Kliquen und Schichten, die sich in Vtdrt und Schrift ■ •bittert liefe ideten und bis zum Tlirone seihst ihre Pro- ■sse schleppt en. Es liegt licht im Rahmen' dieser kurzen*Skizze, zu liihlem, wi; diese Schwierigke iten überwunden wurden, von seiten der Juden durcl tatkräftige Vorsteher und kluge Beamte, denen der organische Zusammenschluß der Jidenscliaft schließlich gelang, von seiten des Staates durch did straffe Unterordnung des Judenwesens unter die hüc lipten Behörden des Landes, durch die Einsetzung einer eigenen,-aus Beamten .des l^animergerichts gebildeten, mit der Judenschuft tilg verbundenen Komin ssion, durclt, die'bewußte Bilding und Formung der Juden zu selbstbewußten Untertanen der Monarchie, durch die dauernden Versuche, die strenge Absonderung zu lösen, sic geistig, kulturell und,wirtschaftlich mit dem Stiatc zu ver linden." Damit beginnt das für den Staat wie für die Juden gleich bedeutsame Wechsel Verhältnis, das die neuere Epoche der (beschichte der Juden in Deutschland kennze chnet. Von Staate her gesehen: der absolutistische und merkantilistische Staat schliejßt sein festes Bündnis mit den Juden, schützt sie gegen |alle Anfeindungen der G(Seilschaft, kapitalisiert und industrialisiert mit ihrer Hilfe das Land, übergibt ihnen diie ersten großen Pacht- und Bank-, Lotterie- und ■Handelsuntemehmungen und gliedert sie s cli dadurch wirtschaftlich, finanziell und politisch auf c as engste ein. Von.'den Juden her gesehen: durch das Vo -gehen des Staates ermutigt und durch das Beispiel vornehmer Hofjuden unjl 'reicher Fabrikanten ui d Lieferanten wie Jost Liebmamj und Martius AJaginis, M üses Levi, G imjierts und Meyer Ries, David "Hirsch uml^ Daniel Itzig peleitefund beeinflu|Bt von den Ideen der Zeit, beginnet sie damals in Bildpiig, Haltung Und Erziehung sich < er-Sprache, der Sitte und den Formen der Unweit anzu deichen und damit jene Synthese von deutscher und jüdischer Kultur vof'zubereiten, die Berlin zum Mittelpunkt jüdischer Gelehrsamkeit und zum Brennpunkt der Auseinandersetzung von deutscher und jüdischer Kuli nr machen sollte. s e <1 R Die W hon d r e :r Juden ü c k k e h r lener Jahre Hof k nach •7 a ni m e r aber bat der Vertreibung den ■ Kaiser der J udeiiscliiift schleunigst er möge 111