Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 9 - Oktober (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 112 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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gestatten. Der Handel sei schwer geschädigt. <ler Preis aller \X aren gestiegen, Apotheker. Glaser, Tischler, Maurer, Zimmerleute erlitten durch den Ausfall der Hauszinse, des Fleisch-, deg Fisch- und Brotkonsums unermeßlichen Schaden, das ganze Geldgeschäft stocke, weil die Juden die einzigen brauchbaren Mittelspersonen •■zwischen Geldgebern und Geld bedürftigen gewesen seien. Ihr selbst aber sjei es wochenlang nicht einmal gegen große \ ersprerhungen möglich. l<t 000 bis l.»(KMI Gulden aufzubringen. vfährend sie früher gegen ein schlechtes Trinkgeld SO (|<K) bis KHHKHt und auch mehr binnen 24 Stunden ton dfn Juden hätte erhalten können. I nd die alteil Feinde der Juden, dip österreichischen Stände, die am erbittertsten ihre Ausweisung erbeten hatteu. suchten pun bei jdeni Kaiserhofe anzuregen, daß den in dt*n benachbarten I.ämlern wohnenden Juden, wenn nicht ii^ ien, so (doch auf dem Lande das Könimerzitnn wieder gestattet werde: denn es zeige die tägliche Experienz und Erfahrung ganz klar, daß, als die Judenschaft in diesem Lande wohnhaft gewesen sei, die löblichen Landesmitglieder ihre erzeugenden Wirt-1 schaftsmittel weit besser durch die Juden zu Geld bringen konnten als jetzt, wo sie aus der Stjadt Wien und dem Lande geschafft worden seien. i Der Kaiser gab den Bitten kein Gebär. Er gewährte nur einzelnen'reichen und angesehenen Hofjuden aus dem Reich, wie Samuel Oppenheimer und Samson Wertheimer das Wohnrecht in Wien, damit sie!die kaiserlich-» Kasse mit (Teld und die Armee mit Nahrungsmitteln versorgten. Die Geschichte der österreichischen Juden de? 18. Jahrhunderts ist die Geschichte dieser! iHofjuden und einzelner tolerierter Familien. Zur Bih ung einer Gemeinde mit selbständiger Verwaltung und |0rdniing ilirdr Angelegenheiten ist es in Wien erst wieder, im Jahre 1849 gekommen. t I Einwanderung der Juden in Amerika nach 18$2 Mark Yt ischnitzer, Berlin. Vom ersten Tage seiner Entdeckung an war Amerika cm Einwanderungsland1 für Juden geworden. Marranen und offene Bekenner des Judentums lenkten ihre Schritte dorthin, uni Schutz \tjr religiösen Verfolgungen zu finden und neue Existenzen zu gründen. Zuerst waren es Mittel- und Südamerika, wo neue jüdische -Siedlungen entstanden.-später, seitj der Mitte eles 17. Jahrh.. ging der Strom der Auswanderer .nach Nordamerika, '^ährend •ober in Mittel- und Südamerika die jüdischen Siedlungen unter dem daueifnden Druck der Incpiisition und gänge fest zugeriegelt worden waren. Die Pogromwelle im Jahre 1882 wurdf durch ein System legaler Judeiir Verfolgungen, wie es in dem „Provisorisel ien Reglement" verankert war, ahgejpst. Das Elend nahm in den überfüllten Städten zu und bedrückte in gleicher Weise dauernd den Bestand der jüdischen Gemeinden in Gali- ' zien und Rumänien. Ohne daß Ausweisungsdekrete erlassen worden waren, setzten sich Massep in Bewegung, in der Hoffnung, Brot und Frieden in der Fremde zu finden. Da die übervölkerten westeuropäischen Länder infolge der Vermischung der Einwanderer mit der einnur W enigen Unterkunft bieten konnten^ wurden weite hejznischen Bevölkcripig immer mehr zusammenschmolzen. breiteten sie sich in der nördlichen Hälfte des Kon- ■3 tinents. namentlich ifi der ersten Hälfte des 19. Jahrh.. immer mehr aus. Irti Jahre 1840 wurde .die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten auf 15 000 geschätzt, 1880. nach vier Jahrzehnten einer stetigen Einwanderung. vornehmlich deutscher Juden, betrug sie etwa 230 000. In den übrigen amerikanischen Ländern waren Juden um 1880 in ganz germger Zahl — in Kanada z. B. 2400, in Argentinien einige hundert — oder überhaupt nicht vertreten. Nach dem Ausbruch der Pogrome in Südrußland -etzt i. J. 1882 eine [jüdische Masseneinwanderung nach den \ ereinigten Staaten ein. wie sie in der Diaspora nur nach der \u'treibung ausSpanien \orgekommen war. Der Lehensraum in den Ländern mit jüdischer Massensiedlung — Rußland. Galizien und Rumänien — war zu eng geworden. Auf die Datier konnten die in\, Ansiedlungs- Rayon zusammengepferchten Massen keine Existenzmöglichkeiten finden, insbesondere nachdem durch das „Provisorische RegVemeitt" von 1882 alle aus den Städten des Ansiedlungsravons in die Dörfer führenden Aus- 112 Zonen aufgesucht. Eine Reihe von Jahren bildete London - in kleinerem Umfange Paris — dije Etappen, sozusagen den Abstecher auf dem W ege üljer den Großen Teich. Das Eastend von London wurde zu einem Sammelbecken der jüdischen Flüchtlinge aps dem Osten. Bei dem ungeheuren Massenansturm waren sicherlich schwerste .wirtschaftliche Krisen nicht erspart geblieben, wenn nicht die Vereinigten Staaten damals uneingeschränkt offen gewesen wären. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, machte seinerzeit einen unglaublichen Aufschwung und könnte so die liereinströmenden großen Menschenmasseiv aufnehmen. Es nahm die zahllosen jüdischen Flüchtlinge genau so willig auf, wie vorher die Iren und andere. Der'amerikanische Schmelztiegel bot auch eine große Chance für die politisch verfolgten und wirtschaftlich geschwächten jüdischen Massen des östlichen Europa. Die Heimatlosen fanden in den Vereinigten Staaten und lia Id darauf auch in einigen anderen amerikanischen Gebieten Boden und Arbeit. So entstand in einer" Generation in Amerika ein jüdisches Zentrum, das so große Ausmaße annahm, daß es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im XX c 1t judentum an