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Der Orden Bne Briss · 1933-10-01 · Nr. 9 - Oktober (10.1933) · p. Seite 109

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 9 - Oktober (10.1933)
Date
1933-10-01
Page
Seite 109 (sequence 17)
Language
German
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Die Vertreibunci der Jüdin aus Wien und ihre E Von Seilma Stern, Heidelberg. In der Geschichte »ler Dijaspora hil len Ansjtullung. Vertreibung und \Yan< Mitte und Ende eines Wie in einem Kreislau Eingliederung und der iinincr [wieder Anfang, ast gest*izmäßigien Gi-seheln-ns. folgen auf Jahrhunderte der Einbürgerung ii das aiifneh- Verfol- Grtimle sind in allen I gleicher oder ähuliehei wechseln, sie sind ahhär guiigeu und weltanschaul iy'licn Bindungen. Ion de tur der Staatsformen ui Verfassungen, von liistor wußt dazu ausers ■ kiinftsvollcn Staa nwanderung in Preußen heil, am Aufbau elpes modernen, zues mitznwirken. Die Wiener Juden bildeten, - he I hersiedlung iiac inende Volk Epochen «I »r Ausweisung und der guiig. Die inneren Motivtv lind die Psychologischen nderii und zu allen Zeiten von eigene Verwultun Artj Die iß«: l gig \i»n wirtschaftlicher Bedinrsacheii r Strukd der Verschiedeliartig|o'i1 der sehen; Konslellatioiien uiid politischen Ereignissen. So kam-ei vor, daß cinvoii Ständen beherrschter TerritoriaHtaat oder ein von Zünften oder Patriziern regierter Stadtstaat seine 'Juden vertrieb, während zu gleicher Zeit «ler nierkantilistisclielund kapitalistische Nachbarstaat sie ansiedelte, oder1 dfciß «in konfessionell gebundenes, I auf d|er Einheit der Glaubensbekenntnisse aufgchautls Staatsgehihle sie alsll’n^läuhige verstieü, während sie I hei toleranten, Konfession und Politik trennenden Herrschern Aufnahme famlen; Der religiöse Men cli wird in diesem rhythmischen W andel eines stets g eichen Geschehens sie« tieferen Sinn eines leidvollen (Schicksals erkennen ,unil deuten. Der Historiker vermag mit den kargeren Mitteln seiner Erkenntnis nur das einmalige historische Ereignis rational und kausal zu erfassen, lind er wird im Spiegel der Vergangenheit Gesehpjinisse der Gegenwart schärfer und klarer betrachten. Neben den Jahren 1492.und 1648, den Jalven der Vertreibung der Judeji aus Spanien und »jen Veifolgungen in Polen und in der Ukraine, bedeuteti das Jattr 1670 das dritte umwälzende Ereignis der neueren jüdischen Geschichte. Die Vertreibung der Juden aus Wim und Niederösterreich, die Zerstörung des drittfn grölen geistigen und kulturellei Mittelpunkts der damaligen jüdischen Welt, ist von der Dichtung und Literatur 1 jener Zeit weniger einprägsam festgehiilten wjorden «1* die Flucht vor der spimjischen Iptjuisition <uler der Märtyrertod der von deti Kosaken erniordeieu polnischen und ukrainischen Juden. Dor Griund liegt nicht darin, daß die aus W ien un I Österreich Vertriebenen ihre |H«*imat leichteren Herzens aufgalieii als 'die andern, Noch viele Jahre haben sie in öffentlichen Dokumente! ihrem Namen die \ orte „Exulanten von Wden' „Vertriebene aus Öst *rreich"‘ liiniugesetzt und diese Zeichnungen seihst n ich auf den Grabsteinen festge teil. Aber während die spanischen und polnischen Juden ziellos und planlos b ild in dieseipi, hahl in jenem Lande um Aufnahme bettel l mußten uijd abhängig blichen von der Laune und Gnad * der Herrschenden, traf die W iener Juden ein besseres Los. Ein Teil von ihnen wurde pezu Oder Belialhliehen für alle halte lieferten durftenin 18 off ihren Handel trr na« Berufung bedeut nur Die Hofbefreiten( kaiserlichen Hofioi|der!f seit ihrer l dem unteren W erd 11624», eine der blühendsten Genii'inden des Reichs. . Sie wohnten gleichsam als Staat im Staat auf eigenem. Gebiet, besaßen i und Gerichtsbarkeit und waren der kaiserlichen.) Ihrigkeil.unterstellt. K aren, die sie dein ven Steuern, Maut unil Zöllen frei. Sit ’eiien Gewölben in der inneren Stadt ihen, sie hcsaBen Oute Schulen und öffentliche Synagogen. sie bildeten ilire Jugend durch oder Gelehrter. Namhafte Arzte und Rabbiner, Talnuiilisten und Kabbalisten trugen den Ruf des geordneten (temeinwesens _in allO W eit. im Wiener Ghetto machte der bekannte Poly histor und Professor der Geschichte Wagenseil die Studien Zu seinen jüdischen Werken. Als Kaufleuie,w aren die-W iener tjüchtig. gew'andt und viel gereist. Siel standen in Handelsbeziehungen zu Italien, Polen un Heereslieferanten und Salzfaktoren 1. der Türkei: als Miinzv ervvalter, al ■ gebrauchte sie der Staat, als Geldvermittler und Projektemacher der ewig verschuldete H »f. .Trotz der'ungejieucrn Abgaben die kaiserliche an Ausschreitungen' der gen des 'städtischen :*r Regierung Ferdi- Kasse, trotz aller W iener Bürgei üiyd aller Droliiu Magistrats war ihre Lage unter d»_ _^ nand lL und 1'erdiuand III. recht) günstig. Auch »ler von Jesuiten erzogene, fanatisch fromme Kaiser Leopold L war innen zu Anfang ui» ht feindlich gesinnt. Er bestätigte 16S9 den Wiener Juden ilvre Pivilegien und gestaltete < nthait in der »vveisbefehl de bereitet. hucn während der 1 inneren Stadt. So iirkenkriege den Aufüberfiel sie »ler Aus- » Jahr«‘s 1670 uturw artet- und unvor- 'ngliicksfälle am kaiserlichen Hof, ein •(llosse, »ler »ler kaiserlichen Familie fast Allerlei I Brand im Sc »las Lehen ko »tote, eine Fehlgeburt der Kaiserin T«ul des jung ui Kronprinzen wu feindlichen St iinlen, dem Wiener der ■den von »hui jmlen- Magistrat, den Zünften, der Geistlichkeit zu einciit wohlorgunisierten Komplott gegen di* JiuJen ausgenützh . Der Beichtvater »ler jhaiseriu und X’ertraute des Kaisers, »ler Bischof Kolbe nitscli. wurdeIIicauftrugt, »lern Hejuseher alle »lie Zeichen und W under Duhlung der bischen'Reger teil und seinen Hiatgebern »lie Aertreihun der l iiglänhij »ui zu erbitten. lüi den Ausfall, »len »lii kaiserliche Kasse durch »leil-. \ Steuerträger erlitt, erboten sich di lieh 14 000 Gl Iden und noch »lazujeinen einmaligen Beitrag von löOMI Gulden zu-bezahlen. ils Straf«* des erzürnten Himmels für <li<* luden zu deuten und von- »lein ahergläuerlust der jüilischen W iener Bürger, jälir- 109

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