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Der Orden Bne Briss · 1933-10-01 · Nr. 9 - Oktober (10.1933) · p. Seite 108

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 9 - Oktober (10.1933)
Date
1933-10-01
Page
Seite 108 (sequence 16)
Language
German
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f •l \ es aller W ahrsoheinlichfceit nach keinen Ort in Italien i vielleicht mit der einzigen Ausnahme Roms), \»o von den ältesten Zeiten an bi^ zur Gegenwart ununterhroehen eine jüdische Bevölkejrung vorhanden gewesen ist. Andrerseits wurde auchj zu keiner Zeit .durchgehend» eine antijüdische Politik befolgt. ' Als im frühen Mitjtelalter der nördliche Teil des Iaindes sich in halbanafchischem Zustande befand, war •las größte jüdische. Zentrum im Süllen. In später Zeit warf spanische Intoleranzihre Schatten auf das Königreich Neapel, das die Inseln Sizilien und Sardinien umfaßte: die Vertreibung der Juden gegen Ende des 15. und im Anfang des’ 16. Jahrhunderts war die natürliche Folge. Inzwischen hatte sich jedoch im 'Norden eine größere Stabilität der Verhältnisse und ein duldsamerer (»eist entwickelt, und ilip Gemeinden der Lombardei.und der angrenzenden Prov inizen träten nunmehr in den \ ordergrund. So wurde z.j B. \ enedig. aus dem die Juden fa~t bis zum 15. Jahrhundert aufs strengste ausgeschlossen waren, vom 16. Jalrrlumdert an eines der bedeutendsten Zentren jüdisch-kulturellen Lehens 'und die wichtigste Heimstätte der jüdischen Buehdrucherkunst. Wie bereits-oben angedeutet wurde, war Rom wahrscheinlich der’ einzige Teil des Landes, in dem ohne l nterhrechung seit frühesten Zeiten bis zur Gegenwart eine jüdische Bevölkerung ansäßig war. Diese Tatsache bezeugt ilie im wesentlichen tolerante Politik des Papsttums. das den Juden zwar Schranken auferlegte,' sie jedoch stets beschützte, keine Gewalttätigkeit gegen sie sanktionierte oder gar jemals zu dem letzten Mittel der Vertreibung odetv de- Verhinderung des Broterwerbs griff. Dieses wohlwol ende Verhalten der katholischen Kirche zu den Juden verdient in Erinnerung, gebracht zu werden. Eine Anzahl der [Flüchtlinge aus Siiditalien suchte auf Korfu Zuflur ht. Ill ier hielten sie in fremder ImgcbuHg treu an tler Sprache und Literatur ihrer Väter le-t. wie' esihre Nachkommen bis zum heutigen Tage tun. Daher kommt e$ auch, daß die ältesten bekannten lexle des apulischenj JliaJekts .w_oljl die in hebräischen Lettern, und zwar im korfioti-cheu Gebetbuch erhaltenen sind. Gibt e.- dinen schlagenderen Beweis für die auch sonst so oft erhärtete Tatsache, daß jüdische Treue selbst angesichts von; Bedrückungen unwandelbar ist? Italiens jiidischej Geschichte war jedoch nicht 11111“ -ti lein kleines Aldtild des - jüdischen Geschehens in aller Welt: die Halbinsel hat sich auch zu allenjZeiten als ein Land der Zuflucht bewährt. Wennlsie aucfh nicht riesige Mengen von Flüchtlingen aufgenommen ,|iat wie Polen und Amerika, so hat sie doch in allen Kris4nzeiteu Opfern, der Verfolgung aus anderen Ländern ejiiie Zufluchtsstätte bieten können. Ihre frühesten jüdischen Bewohner waren vielleicht Opfer der Unruhen in Palästina, die freiwillig oder unfreiwillig nach Europa kamen. Im späten Mittelalter — besonders nach den Verfolgungen von 15411/49 fanden deutsche Flüchtlinge in vielen Städten der lombardischen Ebene ein neues Heim. wo„sie eine Anzahl später berühmter Gemeindeji begründeten. Als die Juden im 14. Jahrhundert aus Frankreich vertrieben wurden, kamen gleichfalls viele über die Alpen nach Piemont, und bis in unsere Tage wurde der alte französische Gebetsritus von drei Gemeinden — Asti.. . F’ossano und Moncalvo —- dort heihehalt^n. Die Vertreibung der Juden aus Spanien verstärkte jdie Gemeinden VJittelitaliens und hinterließ eine dauernde Sp|ur in derl berühmten Scuola Catalana in Rom. Später ergoß sich infolge der Tätigkeit der Inqun sition ein andauernder Strom marranis<iier Fäiiwanderejnach Italien, die in Ancona, F'errara junil gn andere! Orten, sogar in Rom ihre eigenen Gei^icinden Als sich während der Gegenreformation die To Orte für Juden schlossen, öffnete Venedig,,» ie seinen., und schließlich hot der Grollherzög von Toscana ihn; Heimatlosen eine Zufluchtsstätte in'Livorno, das ha d eines der Zentren der marranischen Diaspora und vieli‘ii‘- eine Heimat wurde, denen die weniger duldsamen Teile des Landes versperrt waren. j , Angesichts aller dieser Tatsarhcnj die di Züge jüdischen Allgemeingesohichte in ihrem italienischen Abbild widerspiegeln, kann der F'orscher unmöglich sich zu einer fatalistischen oder agnostisrhen, W cltanschiuluigliekeunen. In der Geschichte unseres Volkes scheint wirklich eine Vorsehung zu walten. Verfolgungen sind j * zwar so häufig gewesen wie in der Geschichte keilen anderen Volkes. [Aber seihst in den dunkeis en Stuni en war diese Verfolgung keine allgemeine, überall gleichzeitige und daher nie vernichtend für die J adenheit al- Ganzes. Seihst in den dunkelsten Stunden Stand linse Brüdern ein Lund als Zufluchtsstättcj offen,! ein Ort. wo der Jude deJ Schutzes Hiid der Sicherheit gewiß sein, wo er seine geistigen Ideale entwickeln jund von wo er : ich von neuem| in den Kampf um ileiji Aufsjtieg hege »cn konnte, weijn die Verhältnisse sich besserten. 108

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