Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 9 - Oktober (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 106 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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hejahiing und -gestaltung auseinander: in das Gebiet des Glaubens und Kultus, in den Bereich der irtscbaftshetätigung und in das Gebiet des geistigen Schaffens. Die Gewinnung der nach den Niederlanden gekommenen Marratien für das öffentliche Wie«lcrbokeiuitnis zum Judentum, war das Werk der beiden Rabbiner Moses l’ri Halevi aus Emlden, der mit einer Marranengruppe in Amsterdam landete, und Josef I’ardo, der aus Saloniki nach Amsterdam'berufen wurde. Her Niederanschluß der ein Jahrhundert langdem Judentum gewaltsam Entfremdeten vollzog sich schnell, weil er frei-, willig, aus der Sebnsucbtj des Herzens heraus erfolgte, und so eng war bald die Verbindung mit «1er alten Gemeinschaft. daß bereits 1.^98 die erste Syn.sgoge errichti t werden konnte. Sie hiäß nach dem Führer der «*rsten (Gemeinde in Amsterdam, dem an der Wegräiimiing vieh-r- 1 linderniss«' hoch ver«lienten Jakob Tirado ..Reth Jakob". Der Zustrom neuer .Marranen ließ aber nicht nach und w ar so groß, daß schon 1608 eine zw eite Synagoge g«*- -tiftet wurde, die den Narnen ..Newe Schalem" führte. Ihr. Rabbiner, oder wie sein Titel nach dem Branche der spanischen Jurlen lautete, ihr ..Gliaeliaiu". war Isaak l siel aus F«‘Z. ein glauheiikstrenger Eiferer, der nicht zu l nrccht erkannte, daß die seiner Führung anvertrauten ..Neujuden" nur durch strengste Bindung an die \ or- -a-hritten «h-s jüdischen iReligionsgesctzes ' \on einem Riiekfall in die Vprgtellufigen und L Innigen, des ibneu \ertrauten und be<iuenTerj‘n katholischen Glauben* h<iwahrt \yerdeu Jvünntc^i. D«fr Fiifer des Führers hatte frei!- lieh zur Folge, daß sieh l(|l8 ein Teil «ler Gemeinde \oi| dit ser abspaltete und mit einer .dritten Synagoge ..Bcth lrac-l" eine neue Gemeinde bildete. — Der nfligiö-4 Kultus all«‘r «lrei (Gemeine eil vollzog sich nach dem au* Spanien mitgebrachten sefnrdischen Ritus, und auch der 1 * i organisatorische Aufbau des Gemeindelebens, das rasc!| .infld übte, fand in den Formen statt, wi** sie «las spanische iJudentum in jahrhundertelangem Vierden ent* V. ickelt hatte. An der Spitze der Amsterdamer Gemeinde^ «Ii« - sü-li 16'W au? den dreji'Gemeimle.n des Anfangs zut -ainmcnschloß. und den anderen sich im Lande bilden- «i«‘ii Genicimh-n stand ein jGemeinderat iMahamad), «lei’ aus weltlichen uml geistlichen Führern I Parnassini und Chachamim > gebildet wusele. Dieser Gemeinderat verwaltete die Gemeimle autonom auf Grund eines von den holländisch«'!) Behörden genehmigten Gemeindestatul* i .Askamoti und besaß sos^ar ül»er die Gemeiiulemitgli«*- «ler in Glaubensfragen e|ne Art Gerichtsbarkeit mit Strafrecht. Die schwerste Strafe, die er zu verhängen berechtigt waF, war die Ausstoßung aus der Gemeinde durch den Bann (Cherem). Zu den Aufgaben der Gemeinde gehörte' neben dem religiösen Kultus vor allem «lie religi«‘i@e Unterweisung «ler Jugend, für «lie allerorten Talmud Tora-Schulen errichtet wurden. Die berühmteste dieser Schulen war die in Amsterdam gegründete Talmud Tora „Ez chajim“, die wie die anderen für die . Pflege uml Weiterbildung der jü«lisclien Traditionsgüter j unter den holländischen Juden Großes geleistet hat. Auf dem Gebiete der Wirtschaft kam, wie schon erwähnt, die Entwicklung, die Holland gerade in der Zeit dCr Einwanderung der spanischen und portugiesischen Marranen erlebte, «leren Anlagen und Kenntnissen, ihrem Betätigungs«lrange und der Verwendungsmöglichkeit der von ihnen mitgeführten Kapitalien entgegen. Die Juden waren in Spanien und Portugal großenteils die Träger des Überseehandels und des F inanzwesens gewesen. \X er also war geeigneter als sie, in «lern nach überseeischem Verkehr und Hanflel strebenden Holland dem wirtschaftlichen Bedürfnis des Landes zu genügen, wer konnte besser als sie. die durch F’amilienbeziehungcn mit den nach «h-ni Orient ausgewamlerten spanischen uml. portugiesischen Juden verknüpft waren, Handelsverbindungen mit «Ich Ländern «Ies Orients aiifnchmen?’ In aJl diese gerade um die eii«le «les 16. zum IT. Jalirbund«*rts in Holland entstehenden wirtschaftlichen t Lücken fügten sich «lie jüdischen Einwanderer entschlo** si-ii ein und verbalfen ihrem neuen Vaterlande zu einem raschen wirtschaftlichen Aufstieg. Juden, Marranen aus S|iauien und Portugal, waren es. «lie «litreli Investierung ihres Kapitals in «lie West- und Ostindische Kompanie j diese zu Stützpunkten «les holländischen Vi elthamlel* machten. Juden waren es, «lie «lein holländischen'Außenhandel in Italien und «ler Türkei neue Absatzmärkte er-, «’ifineten. Juden waren die Träger des Bank-, Börsen- und Speditionswesens in Holland, Juden die Schöpfer neuer Industrien im Läiule. , Sie haben «lein Lande, «las sie so. großmütig äufnahm, wahrlich reichen Dank abgestattel, ihm zu Größe und Bljite mitverholfen, deren es sich seit«« Jahrhunderten erfreut. Daß «lahei auch ihnen reicher materieller Gewinn zuteil wurde, ist gewiß nicht zu verwundern. Aber wie sie ihn verwandten, zeugt von der engen Verbundenheit mit «len Bedürfnissen der ^eigenen Gemeinschaft, «lie zu allen Zeiten das Charakteristikum «ler jii«lisclien Geschichte in der. Diaspora gewesen ist. Die Synagoge, «lie die sefanlisclien Juden von Amster«lam ini 17. Jahrhundert errichteten, und noch mehr die von ihnen erbaute neue Synagoge waren Prachtbauten, «lie liehen «len Palästen der jüdischen Familien Pinto. Acoste, Texeira u. a. zu den Schmuckstücken der Baukunst in Holland zählten. Daß daneben freilich im Gefolge des rasch wachsenden Reichtums einiger jüdischer Familien sich tiefgreifende soziale Differenzierungen und Schäden herausbildeten und daß vor allein eine Scheidewand von Hochmut und Verachtung die so überraschend schnell emporgestiegenen sefardischen Juden- 106 1