Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 9 - Oktober (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 104 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdischen Einwanderungen in die Balkanstaaten j Von Saul M e z a n , Sofia. Schon Jahrhunderte vor der Zerstörung des zweiten ’i\ mpelp (70 n. (dir,) hatte die jüdische Diaspora Europa erreicht in erster Reihe Griechenland und Mazedonien. Iii der Ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts gal» es jüdische Gemeinden in Saloniki, Philippi, Beröa. Korinth, Arjios u. ä. Vor 4er christlichen Zeitrechnung waren halhjüdischc Kultgpnieimlen nach Norden zu liis nach Pautalia (heute Küstendil in Bulgarien i lind die Um* geg«*nd von Sofia gelangt. Die Fhit d^s Jahres 70 führt neue Judcnniassen teils gefangen. teils frei im Gefolge der römischen Legionen his an die Donau. Durch spätere feindliche Invasionen wurden die im liincm des l.andes von Juden bewohnten Städte zerstört, worauf sich ilie Flüchtlinge in «len Hafengegendeti nie- «lerlietien. Ein byzantinischer Gegenstoß führt sie wieder nach \orden. 'Die Gemeinde von Sofia wurde im - Jahre 96 7 gegründet). Seit alter Zeit i befaßten sich die bvzantinischen Juden mit Seiden-f^idustrie unil Färberei. Normannen aus Sizilien brachtest im Jahre 1147 Juden von Theben nach Palermo und wohl autli nach Kprfu. Kais«-r Fried- , j rieh II.-schuf mit ihrer Hilfe ein Seideiimonopid. Ungefähr um dieselbe ^Seit brachten die Könige der Dynastie Assen jüdische Kaufleute aus Italien un«l Ragusa nach Bulgarien (12. his 13. Jahrhundert l. 4 Deutsch«' Juden begannen ihre-Einwanderung in «fi«> Balkan-Länder am Anfang der Kreuzziige. Ein getaufter «leutscher Ju«le Leo Mutig wurde im Jahre 1107 Bischof von Ochrida und «lus Haupt der seihständigen luilgarischeu Kirche. Dij- Einwäuderung bayerischer, ung.v ri-chcr. provenzalisc^er. sizilischer und apulischer Juden ilaucrtc währen«! ales 13. und 14. Jahrhunderts an. Eine fcststcllung' aus «leih ^ahre 1382 weist auf Svnagogen bin. die in ihrem Sfil byzantinische, italienisch«-, ungarische Ur-prünge aiifzeigen. Das Jahr 1330 bringt die Niederlassung ungarischer Juden in Bulgarien und Adrianopcl. 1542 kommen solche aus Bübinen hinzu. Auf ein«-n Appell. «l«-ii «lejaschkenasiscbe Rabbiner Isaac Sarfati au schwäbische^ mährisch«-. rheinische und ungarische Judengcmeindji-ii richtete, verstärkte sich <li<* Einwanderung in. die Tfirk« i| rk«-i. Da« Erscheinen; «Icr Türken in Europa bewirkte «■inen Zii'tnnn von Jiulen in das Uttomaiiischc Reich. Gi“f«'ird«-rt wiirih* <lies«-r Zuwachs durch die Sultane Orkhaii i 1326-- 13<»0ji und Murad I. ( 1360-—13891. Besonders Adrianopel. damals Hauptstadt «l«-s Reiches, nahm viele,Juden ai)f. Den Eroberungszügen’d«‘r Ottomanisch«-n- H«-cre in Europa folgten «lie Juden w«-stwärts mjcli Rumänien. Bosnien, Ungarn. Besonders zahlreich war «lie Einwanderung von Ju«len in'Konstantinopel auf \‘eranlassung des Eroberers Mahoniet II. Fast die ganze "Gemeinde von Ochrida wur«le durch ihn übergeleitet. Die karäische Gemeinde von Konstantinopel wurde durch zahlreiche Familien aus der Krim und aus Polen verstärkt. Die Einwanderung sephardischer Juden nach dem nahen Orient hat bereits 100 Jahre vor der Vertrei Hing aus Spanien eingesetzt. Unmittelbar nach den Massakers von Sevilla (13911 wurden zahlreiche jüdische Sklaven in Kreta durch ihre Glaubensbrüder durch Rückkauf der Freiheit zugeführt. Im Jahre 1492 wanderten s »anischc Juden in Massen in die Städte, in die Inselr «les Adriatischen, «les Ägäisehen und des Östlichen Mittelmeeres, hauptsächlich nach Saloniki und Konstantinipol. Später nach «1er Austreibung aus Neapel 11340)* und der Romagna gelangten portugiesische und italienische Jjnleii dabin. Alle Provinzen des Ottomanischeh Reiches nahmen nach 1492 beträchtliche Judenmassen aus Spanien auf. Dies .setzte sich in verlangsamtem Ablauf fort, bis die spanischen Juden sich nach Holland, Frankreich und England wamlten. Die jüdischen Einwanderungen nach Asien uml Nordafrika stehen in enger Beziehung zu dem Judenschicksal in Palästina. (Kaiser Heraclius i. J. 628.) tfnr günstige Verhältnisse in Palästina bewirken Flucht |nach Ägypten, währeiul die -Tore Jerusalems mit «1er njuselmaniseben Herrschaft i. J. 635 wie«ler geöffnet werden. Der erste Kreuzzug bedingt eine Zerstörung palästinensischer Gemeinden und Flucht nach Damaskus. S [»äter setzt die Einw anderung aus England und Nordf rank reich (1211l und aus allen westlichen Ländern einschließlich Spanien ein. Aschkenasiscbe'Juden kommen vielfach nach «lern 17. Jahrhundert aus Böhmen und besopnlers aus der Ukraine, im 18. Jahrhundert aus Polen, i Rußland und Galizien, auch marokkanische und tunesische J uden w andern nach Palästina. , j i Die Zerstreuung der spanischen Juden brachte in die Türkei Menschen, die in kulturellen, militärischen un«| maritimen Dingen erfahren und auf den Gebieti-n «le Medizin, der westlichen Spraclien. in «1er Buchdrucker kunst, in der Fabrikation von Geschützen -und Schieß pulver. in der Itidustrie und dem internationalen Ffande bewändert waren. Die spanischen Jiulen befruchtetet «las Judentum des östlichen Mittelmeeres. T .. Der große Zufluß polnischer und russischer |u«lei fällt in eine trübe Zeit «les Zerfalls und in eine 'Kris« des sepbardiseben Judentums. Es ist «las «lie Zeit «le Sahatai Zewi, die das Judentum in der Türkei geisti; bedeutend herab«lriickte. Erst 'die zweite 'Hälfte <le; 19. Jahrhunderts brachte «len Zustrom intellektuelle:1 asehkenasischer Kreise in das türkische Reich um] truj: dann wieder zu einer Höhe der Zivilisation der sejjhai ■ «lischen Juden bei. 104