Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 9 - Oktober (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 102 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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fies Ghettos und nutzten den Glaubensgenossen wie Nichtjuden durch ihre ärztliche Kunst. So harrte man demütig und sehnsüchtig des Sonnenaufgangs der kommenden Zeit, äußerlich gebeugt und gedrückt durch di-* jahrhundertelange Knechtschaft, innerlich gesund, aufgeschlossen und stark durch den Familiensinn. - Daß man gegen Opfer von Katastrophen außerhalb und innerhalb Deutschlands sich voller Barmherzigkeit zeigt, daß die von Verfolgungen Verschonten die Schicksalsgenossen hei sich aufnahmen, obwohl, die Judengas.se eng und der Lebeosra|im so beschränkt war, war selbstverständlich. Als in Frankreich die Reihe der Katastroplien mit dem Jahre 1181 beginnt, im Jahre 1306 unter Philipp dem Schönen jlire Fortsetzung findet und mit der endgültigen Vertreibung der Juden aus Frankreich 1394 endet, liabfn französische Juden in den jüdischen Gemeinden Deutschlands Aufnahme gefunden, und mancher von iluteir ist selbst wieder als Märtyrei; in Deutschland gefallen. Als die Judenverfolgung in Polen durch den Kosakenhetman Chmielnicki in deir Jahren 1648 bis 1658 zahllose Flüchtlinge nach IV»teil und .Norden treibt, finden sie Zuflucht in den jüdischen Gemeinden Deutschlands; ihr Einfluß war unverkennbar, sie haben manchen deutschen Gemeinden ihr Frömmigkeit aufgeprägt. Es herrschte eben trotz vieler Zwistigkeiten in den jüdischen Gemeinden doch die Solidarität. das Bewußtsein, „jeder Jude ist Bürge einer für den andern“. Der Naturforscher Matthias Jacob Schleiden hat im Jahre 1878 in Westermanns Monatsheften eine für* die Allgemeinheit sehr belehrende Abhandlung mii der stolzen Überschrift „Die- Romantik des Martyriums bei den Juden im Mittelalter“ erscheinen lasseu. Das Martyiium hat in der Gegenwart für uns seinen Glorienschein eingebüßt. Wir erleben wieder Geschichte. Lernen wir von den» äußeren »ind inneren Verhalten unserer Ahnen. Niederlassung deutscher!Juden in Polen Von Major R a I a h a n . Warschau. Wenn man von der Einwanderung der Juden nach Polen spricht, kommt man stets auf die alte Frage zurück: woher kamen |»ic nach Polen? Aus dem Osten oder aus dem Westert? Die heutige W issensehaft stellt auf dem Standpunkt.! daß sie \on beiden Seiten ins Fand kamen, nur dal! die östliche.Immigration kulturell schwächer war und mit dem Anfang des \l11. Jahrhunderts.' d. i. mit dem Fall der Judengoim-inde in Kiew, auf hörte, während «lief Einwanderung aus dein W esten bis ins \\II. Jahrhundert’dauerte und -erst im Jahre 1670 - \ ertreihung aus’ W ien — ihr einstweiliges Ende nahm, um uiit der Fjiuterleihiing Oroßpolenan Preußen und Galizien* anj Österreich aufs neue zu beginnen. T. 1 lg der Juden aus dem Westen läßt Diese K uiw anileruii »ich seliemati-eli in vier Epochen eiiiteileji: T. Die älteste Zeit - bis zumersten Kreuzziift. In diesem Zeitabschnitt;ist die Einwanderung sporadisch auch der Wanderungen selber gehören nicht zu unseren» Thema. . Eines steht fest, daß eine jede J udenvcijfolgung in Deutschland, sowohl während der Kreuzzüge, w ie auch nachher — Schwarzer Tod —.-eine' Einwaijderungswelle nach Polen hervorrief, wodurch hier alte Gemeinden gestärkt und neue' gebildet -wurden. Abhängig um der Ursache, die diese Wanderung hervorriief.’ war auch ihre Art: Flucht aus Deutschland oder j\bwanderung in ruhiger Form, ähnlich der Abwanderung deutscher Kolonisten, die nach der Vernichtung pojniselier Dörfer und Städte durch die Tartaren in großen Massen herzogen. Mit diesen deutschen Siedjem kamen auch viele deutsche Juden ins Land und waren hier jangesehene, ja sogar erwünschte Gäste, denen man ihre Heimatspri» ilegien erneuerte, auch erweiterte.! Die dritte Epoche der jüdischen Einwanderuivg war die stärkste (13.—14. Jahrhundert); in dieser Zeit, besonders aber nach dem sog. Schwarzen Tod wurden ganze und trifft wahrscheinlich bereits irgendwelche ..Ost- ‘ deutsche Gemeinden nach Polen verpflanzt. w alirselieikihel jujfcn" im Fände. | 1F Die Masseneikivanderunti rom, ersten bis zum letzten Kreuzzup. die eher einer .-.panischen Flucht als einer 'Immigration gleicht und mit den Tartarcncmhriiehen iirr Ende nimmt. 1IF Die jiidisrh<\ Massenknbmisalion — in Verbindung mit der doyt-olien - von der zweiten Hälfte des 1 F bis gegen Ende d«js 15. Jahrhunderts. - IV. Sporadische i Einuunderunp im 16. und } 7. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, d. i. bis zu den Kosaken-. Tartaren-. Russenuipl Schwedenkriegen 11648—1667 i, in Verfolg derer eikie Massenflucht aus Polen nach Deutschland einsetzte. Einzelheiten dieser Einwanderungsperioden wie i Alle diese Flüchtlinge hatten nur ein Einziges Ziel vor Augen: Polen, wo fast jede deutsche Judenfamilie irgendeinen Verwandten hatte. Am dichtesten machten sieh in Polen brandenburgische, schlesische und tschechische Juden ansässig, anfangs in den westlichen Randgebieten des Staates: in Posen, Kalisz, Krakow usw., nachher weiter nach Osten und im Nordosten. Die vielen: Spira, Askenasi, Münz (Meinz) Prager, Wiener. Morawczyk. Böhm, die wir in den Akten der Stadt- und Schloßgerichte des 15. und 16. Jahrhunderts finden, wie; auch die vielen Frauennamen mit deutschen oder tschechischem Klang, bekunden die Mässeneinwanderung £ us Deutschland. Außer diesen indirekten besitzen wir au|ch direkte Hinweise der Immigration. So empfiehlt Kaiier 102