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Der Orden Bne Briss · 1933-10-01 · Nr. 9 - Oktober (10.1933) · p. Seite 100

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 9 - Oktober (10.1933)
Date
1933-10-01
Page
Seite 100 (sequence 8)
Language
German
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I I träglicl» die unmenschlichen Verfolgungen. zu rechtfertigen, noch die tatsächlichen Ursachen, die religiöser, wirtschaftlicher und sozialer Art waren Und die Betleutnng erkennen lassen, die die Juden in» Lehen Deutschlands hatten, sollen hier näher erörtert werden, sondern lediglich die Fragep W ie war die äußere und innere Haltung »1er Juden nach 'diesen Katastrophen‘i Wir fassen nur.drei Zeitabschnitte hier ins Auge. Die Verfolgungen des Jahres 1096 "eigentlich des ersten kreuzzuges. »lie Vielen Tausenden iO(»i Juden an Rhein und Donau »las 1/eheii kost«‘te. die jKatustrophcn des Jahres 144<‘{ 19 im Gefolge »I«*s(schwarjen Todes, die an .400 Gemeinden vernichtet«* - tnid schließlich »lie V«*rtr«*ibiingen aus »len deutsehen Städten iiml Lu»nls»*haft»*n i:n Laufe »les 14. und l(>. Jahrhiunh-rts.! \ 011 »len Verfolgungen »l«-s, 14. Jahrhunderts saat '■'ehiiilt: ..Wohl niemals, seit Juden in »kr Welt Reicht, ist ihnen ein härteres jSäkuluin als »las 14. gewesen. daß z»i verwund« rn. wie noch ein einziger Jmle in Deutsch-, länd hei solchen massaere können, iiher Ideihen." Aber nicht ln***scr sind für die Juden Deutschlands da- 14. und 1(>. Jahrhuiulert gewesen. in denn», um einig»* Beispii'le aitzufiihr»'»). di»- Juden 1418.Trier. 1420 Öslerndeh. 1424 Köhl. 14.40 Sachsen. 1444 Speyer. 14.48 Mainz. 14.4') Augsburg. 1442 (tberbayeni. 1492 Württemberg. 1494 Magdeburg und MeeUi-nbiirg. 1498 Salzburg. 1409 Niirnbcr" uif»l 1 Im. 1.407 NOrdlingen. 1419 Hegensburg. s»'it 1427 Schlesien. 1441 Bayern. 14J0 und 147.4 di»*" Mark Brandenburg. 1479 »len Rheinzau verlassen nyjißten. Der Jude in Delitsehlan») um 1100 ist naturgemäß ein anderer als der des 14. »»der d»*r fol"i'»nI»*n Jalirhuinlerte. Als das Unheil im Jahre 1090 über die ji’uli.- sclien Gemeinden an Hindu und Donau liefeiiihrach. ergaben sie sieh in den Willen Gottes, „sie wollten ihn nicht v»*rh‘iignen'': «fs erfüllt»*' sie eifie OpfcrfrcinKgkeit so gewaltig. »laß sie fahrer verglichen w< zer Julien zu »len V nur mit dem Fanatismus der Kreuz-! rd»*i» kann, Wohl griffen »lit* Mainaffen. um si»*l» der Kreuzfahrer zu »•rwehren. im ailg»*mciiieii aber opferte man-sieh seihst, töteteehier den aiidt*rn. insbesondere »li<* Familienangehörigen sieh *j:»*L:<-i»s».*itijr. „i|in »1er Einlreit »l»*s göttliehen 'Sam»*n willeh". Das war aber auch »lie Haiti»»»*:. »Iii* man »len V erfotg»ni"en »lei* folgenden Jahrhimderti* «•nl"»*eeiisctzt«*. H. tleir von Rothenburg »1214 94). der seihst als kaiserlicher Gefangener auf »1er Bur"- K»»sisheim lim Flsaßl »lahinschmachtete. hat sie eliarakterisi»rt: ..Hat jemand »len Kntschluß gefaßt. für die Heiligung »I. - göttlich»*»* Namens zu stf*rben. dann mag man ihm jed» erd(*iiklicl»(* Oual zufügen. - er bleibt stumpf gegen sie. VV jr s»*l(en doch bt*i »len heiligen Märtvrern. »laß sie nicht selnieieii.” - ■ Nur in das religiöse Lied strömt Äas unsägliche Leid der Verfolgungen hinein und wird „ein aus d»*r £r»le »lringeiuler Schrei des Blutpj von 1 lunilertt.-viisenden'*. _^i«*!» in Not und Drangsal uns der Hoffnung leben! Hör* uns rufi*n an d«*n Stufi*n Deines Throns mit Beben! 100 } Laß der Armen Dich erbarmen, die ihr Herz*Dir geben Darfst, aus Ketten uns zu retten, uns wie « inst zu beben Darfst, zu trösten die Erlösten, daß in Lust sie schweben, darfst nur unsre Tränen fragen =— Kannst Du. Herr! kannst Du’s ertragen?“ J)io \ «*rfolgi»ngen im Anschluß an lie Kreuzziigi haben nicht nur die wirtschaftliche und politische Stel hing der Juden in» Staate tiefgehepd geändert und den Grund zur Kammerknechtschaft gelegt. Auch »1er tief Ilal.5 der Nichtjuilen gegen »lie Juden hip in die Neu zeit hinein leitet »laraus seinen Ursprung her, Um ab» »len» deinoralisiereinlen Einfluß des Drufk»*s und de \erfolgung im Kreise der Juden entge teiizuarheiten. suchte mau daseihst gerade durch volkstümliche Tugen»! und Sittenlehren auf die breiten Massen zu wirken und erteilte Anleitungen zu einen» gottesfürchtigen Leben Aus den» Zeitraum von 1040 bis 1490 werden in Deutseli laml und Frankreich wenigstens geg«*n 40 V’tjrke auf di«' sein Gebiete namhaft gemacht. »Ke zur strengsten Rechtlichkeit gegen Nichtjuilen wie Jud«*n, zur Nachstenlieb». zu ungeteiltem Vertrauen u»»»l zu Demut g» g|t*»i Gott, z»i r Erwerbung eines guten Namens herzergreilqnd mahnen. Das war die seelis«jhe Einstellung, mit »lef »lie-Juilen auf die Verfolgung Antwort gaben. I r* p“ r* So blieb ihre innere und äußere Haltung auch als die Pest in den Jahren 1348/49 von Land zu Lau» , von Ort zu Ort in furchtbarer W eke fortscliritt und mau T die Juden tötete, nicht weil sie »lie Brunnen vergiftet hatten,-sondern weil man viel Hab und Glut bei ihnen erwartete, wie ein zeitgenössischer ehristlicftier Chronbt ehrlich bemerkt. Aiich »la zeigt siel», wie ip» Jahre 1094 ein Opferwille, eine ge»luldige Unterweifi^iig unter ein unentrinnbares Schicksal. Man läßt sich genieinsar» töten oder zündet die eigenen Häuser o«l«r selbst »las Gotteshaus an. in dem man sich versamme t. um »lieht lebend in die Hände »1er Feinde zu falleip. Das Satyrspiel ist der Kampf »1er christlichen Gewn ten um die Verteilung des hinterlassenen Judengutef, 1 der allen - halben anlieht. » | In der Folgezeit sind »lie Tränen versiegt, der Muni kann nicht mehr sprechen, was die Seele lj?iaet, auf passiven W iilerstand hat die jüdische Seele I steh zurückgezogen. W ohl hplden sich bald wieiler he ,»e Gemein- »len. aber sie w issen, daß sie auf einem Vu Ikan sitzen, daß ihre Ansiedhuigsdauer beschränkt ^st, daß ihre Schuldner die Schuhlen von» Kaiser erlassen »ekomine»»: am Ende »les Mittelalters erfolgen die erwähnten V ejrtreihungen aus den deutschen Landschaften t.ml Städten nicht mehr in wihler Hast durch den Pöb;1, sondern mit Bedacht auf «len Beschluß der Ohrkkeit.* So hleil»en denn im 16. Jahrhundert von größeren Gemeinden im Westen nur Frankfurt juiyl Worms, im Osten Präg und zunächst Wien übrig. Längst hattet d^er Zug nach dem judenfreundlichen Osten begonnen;- allerdings bitten die Obdachlosen «lurcli die ungeheure Zeisplitterüig Deutschlands in die kleinen und kleinsten tTerritorijen

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