Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 8 - September (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6727475-6029207-6074888--2991-4869557- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
(ende Denker unserer neueren Geschichte, wie 5. R. Hirsch l I * ' und S. D. Luzzatto, haben! das deutlich erkinnt; aber auch scharfsinnige und durchdringende Reformer, wie S. Holdheim, haben gefühlt, daß alle rationale Begründung, die gerade hier vielen so einleuchtend erscheint, vor tieferem Nachdenken | versagt, zu mindesten einen unauflösliche^ Kern übrigläßt, der die Tiefe d es Geheimnisses birgt. | ' Was sagt nun uns Jud^h von heute, in unserer äußeren und inneren Not, (liesvs Grundmotiv innerer Feiertage. Es enthält zunächst den Aufruf zu dinec ungeheuren Kraftanspannung: jNicht-tun, Ablösung vom Getriebe des Alltags ist ja führ den Tausend Sorten verhafteten, mit einer Unzahl von Ängsten, Befürchtungen, bürdended Gedanken erfüllten Juden unendlich schwer. Her Urgedanlte der Ruhe bedeutet, daß der Mensch sich zu erheben Versteht über] das, was anseheinend das Allerwichtigste, ja normalerweise das Einzige ist, was ilun auf gegeben, die Sorge] für sein Lehen und die Leistung zugunsten dieses Lebens. Er bedeutet! die Fähigkeit, sich gänzlich auszusejhalten aus dem Mechanismus der den Alltag, d. h. aber .das ganze Dasein gestaltenden Kräfte. Es ist eben |nicht nur das Ausruhen von ermüdender Tätigkeit, umjStärke zu sammeln zu neuem W erk, nicht lie Entspannung, auf daß in der notwendig wieder einsetzenden Anspannung die Nervenstränge nicht zerreißen. Sondern jeiii eigenes, selbständiges mit sich aUein erfülltes, für sich zu lebendes leben,- ohne Aus- und Seitenblick auf idas, was war und was jedenfalls morgen, wiederkom^ot. Der Ruhetag, den der Israelit aus ganzem Herzen eine Lust nennt, des Sabbats Seele, vqn der er mit dem Duft der Hab Jala-Büchsc noch einen letzten -voUen ijlauch einatmet, sind nicht die Ergänzung des Alltags, wie sie die leidige Abnutzung unserer schwachen Kräfte verlangt, sondern Gäste aus einer änderen Welt.; " I tm vergangenen J Man hat. namentlich bei Juden und bei Christai viel von der a seits hingekehrten Religiojn des Judentums von ihrem festen Wurzeln in diesem, dem Mi einmal aufgegebenen Leben auf hartem Bc Pflichten und Aufgaben zti erfüllen gibt,-die kein andächtig Schwärmen ersetzen kann, tig. Aber ebenso wahr ist!es, daß für das J uf anderes, ein einreicht, daß das .Ganze inseres Seins nimmc: Pflichterfüllung und Näc istenliebe erschöpft auch nicht mit Arbeit, Sorge, Gebot und Lc; ganz anderes Leben mitten in ahrhundert das Diesgesproclien, (|nschcu nun den, wo es kein Beten, ist riehuldeiituin ein dieses liinrmehr mit ist, also istung, son- Di , Bädern von und Wetjer herumläijift, um ichtung mit dienen, der Dichter kommt, i;unze Woche yorfindet hindurch mit seinem’ Packen auf dem Rück:n in Wind ^virft unc Immer 'venn ich in Heinrich Heines Lucca“ — wie oft habe ich diese köstliche Entzücken gdesen! — an die Stelle kam, wo von dem „kleinen Juden“ eyzähjt, der die g; drücken ier als das Tun und auch da> Nicht-tun getin, dts Nicht-sorgeu besorgt werden. Denn nur daun gelingt .die Arbeit, die Sorge, nur dann sind wir mehr als Betrieb,-Zciluusfülluug, wenn uns die Ruhe gelingt, I wenn die Feier in sich selber Frucht Irägt.. Alles was wir tun, müssen wir ganz tun, das Tun ebenso wie daja Niclit-tuu, das Denkbu und Sorgen in gleicher W eise wie c as Nicht-daran-denkcn und das Niclit-sorgen. So vollkommen wie Rottes Schöpfung und Gottes Hube, so Vollkommen, so vollständig sollen diu des Menschen sein] Das vermag nur djer, dei sich \Öllig in seine Gewalt nimmt. Das Judentum ist de Religion des Willens. Es kündet einen eifervoljen leidenschaftlichen Gott, wie es vom Menschen Tun, tjrfülleu, Sorgen ohne Unterlaß verlangt. Wie Gott übdr die .W elt .herrscht, so soll der Mensch sieh selbst regieren können.’.'Es ist ihm ein Gebot, staik, kräftig, machtvoll über sich selbst zu sein, ein Gebot, vpn dem Gottes Gnade nur den kleineren Teil für den Menschen erfüllen i.ann. Und nirgends ist das Gebot strenger, niemäls fordert es Höheres, als wenn es dern daii das göttliche Gehei nrnis den Grund alles Offenbaren b ldet. In einer Zeit der vervielfachten Sorgen mag das Sorgen, das fruchtbare, Erfo lg .bringende Sorgen schwer sein. Wieviel mehr Kraft als das Denken daran erfordert aber die Aufgabe, einmal nicht da'ran denken zu wollen. Not zu tragen, klageulos zu tragen, verlangt einen giinzeu starken Mtjusclien. Aber noch Höheres ist beauspricht, wenn dem Menschen auferlegt wird, sich so stark zu machen, daß einen; daß-zwei Tage laug die Sorge um das‘Heutige, dis Morgige von der Pforte seiner Seele al prallt. Denn es genügt ja nicht, das Alltägliche nicht zu tun, sich von ihjm nicht beeindrucken zu lassen; vielmehr ist das Deuke^, das Bedenken deir entweihenden Sorge ein Sabbatvyrbot vöu der gleichen Strenge. Das Niclit-tuu, das Nichl-sorgeu ist eine schwerere Bürde, zu Mens chen spricht dich nicht! Hast du Heutu sorge 'nicht, heute inülie die Krü ft, dich selbst zu sammeln, — wird dir die Kraft ins l ntrmeßlieh^ wachsen, daß so vollkommen w;ie deine Ruhe deine Lehenssorge sein wird. Wer solche Krafft des Rubens,, des. F’eierns;zu entdie größte Aussicht haben; als der Lebensiiot zu überwinden, ltäglichkeit die Sonne der von deren vornehmsten, dim Sabgestiftet ael. I falten weiß, der -wird jeclite Mensch der Arbeit die Denn ihm leuchtetin die A heiligen Tage hinein, jbat, es büßt; daß er zwischen Gott und Isiji i ', -j - *■ Jüdische Feste in der Kleinstadt vl Heinrichkunzig ist als Zeichen des länn aber am Frei ie Lichter angeziindet und seinen Packen mit F'rau und Ki das Sorgen. Und doch muß Bundes seine paar Mark Izu vertag abends hach Hause den Tisch weiß gedeckt ind . seine Sorgen von sich iridern glückselig feierliche / . - * . . 87 I