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Der Orden Bne Briss · 1933-08-01 · Nr. 7 - August (8.1933) · p. Seite 78

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 7 - August (8.1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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Festschrift ,zum 50 jähfigen Bestehen des Orcjens Bne-Briss in Deutschland' (J. Kauffmann-Verlag Frankfurt a. M. 1933) Von Hugo Hahn Die Feststellung, daß wir Juden in den Ländern der Diaspora immer mehr Objekt als Subjekt des Weltgeschehens gewesen sind,' trifft nicht nur auf den Gesamtverlauf unserer Geschichte zu. sondern erweist sich I auch beL der Untersuchung der Einzelereignisse innerhalb der jüdischen Historie als zutreffend. Verfolgt man die Ursachen, die etwa zur Gründung des Ordens der Bne Briss in (Amerika führten, so wird man bald merken, daß das Ausgestoßensein der aus Europa vertriebenen Juden unangenehmste Folgeerscheinungen nach sich zog, die nur durch einen freiwilligen Zusammenschluß der in New York vor allem zusammenströrrmnden Judensehaften überwunden werden konnten. Adch die Errichtung der erst«} jüdischen Loge in Deutschland war mehr durch äußere Motive — die ansteigende Welle des Antisemitismus in;den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts |— als durch innere Folgerichtigkeit bedingt. Mit der Erinnerung an diese Tatsachen soll keineswegs ein Urteil über den innerjüdischen Wert der Logenarbeit abgegeben werden. Denn letzten Endes ist ja nicht die Entslehungsursache, sondern lediglich der Gehalt, der sich in einer Institution verkörpert, für ihre Sinnhaftigkeit ausschlaggebend. Und eben hierüber will die vorliegende Festschrift Rechenschaft geben. Zeigen will sie, wie und mit welchem Erfolg in den letzten fünfzig Jahren in den Bünden der Bne Briss in Deutschland gearbeitet wurde. Von den Menschen, die in diesem Zeitraum in den Logen lebten und wirkten, spricht iri~ einem kurzen geschichtsphilosophisch außerordentlich aufschlußreichen Vorwort der Großpräsident Leo Baeck. Er unterscheidet drei Generationen, von denen jede eine besondere Aufgabe innerhalb des Logenlebens zu erfüllen berufen war. Am Anfang stand das Geschlecht eines eges, das im neugegründeten Reich der jüdischen Gemeinschaftsarbeit erst ihr Recht erkämpfen mußte. Hinzu “kam die Generation eines Platzes, das Geschlecht der Angelangten, das zu dem Erreichten in-aller Behaglichkeit und Befriedigung des Besitzes nur glaubte hinzufügen und hinzugewinnen zu dürfen. Und zu dem Geschlecht des Weges und des Platzes ist unsere Generation getreten, die Generation des Schicksals, die zu bewähren hat, was die Menschen vor uns in leichteren Tagen gewollt und gebaut haben. Über die illensrichtung, die der Ordenstätigkeit im deutschen Distrikt zugrunde liegt, berichtet in eingehender und klar gegliederter Form der Geschichtsschreiber unserer Logentage: Bruder Alfred Golds-c h m i d"t. Seine Arbeit, die den größten Teil des 78 Buches ausmacht, ist eine Neubearbeitung seiner bereits im Jahre 1923 erschienenen Schrift „Der deutsche Distrikt des Ordens Bne Briss“. Da|>ei sind nicht nur tatsächliche Berichtigungen vorgeponimen, sondern einige neüe Kapitel, die der zwischen; :eitliehen Entwicklung Rechnung tragen, hinzugefügt worden. Obgleicli das Ganze offensichtlich vor der gewaltigen Schicksalswende, die über das deutsche Judentum .hereinjjebrochen ist, abgeschlossen wurde, sind doch eine1’ Reitlie von Problemen mitbehandelt, die heute im'Mittelpunkt dep Interesses stehen. So wird mit aller E ntschiedenheit dejr Nachweis geliefert, daß der Orden kein Geheimhund ist, der irgendwie oder . irgendwa an eine Verschleierungspolitik hätte treiben müssen. Allen Verdächtigungen gegenüber, als ob man aus der Internationalität des Ordens Rückschlüsse auf die nicht ' zuverlässige vaterländische Gesinnung der Ordensbrüder ziehen dürfe, wird darauf aufmerksam jgemächt, daß die Namen der ersten Gründungen in Deutschland durchaus die Verbundenheitmit dem .Boden, auf ddm sie entstanden sind, betonen wollen: Deutsche Reichsloge, Germania-Loge, Alemannia-Loge usw. Zudem darf darauf hingewiesen werden, daß die Logen der Bne Briss in Kriegs- und Friedenszeiten „die reinsten /Grundsätze des Patriotismus“ bestätigt haben. Es wiire vielleicht gut gewesen, wenn der Verfasser die Ehren! afeln der Gefallenen, die fast in jedem Logentempel A lfstellung gefunden haben, mitveröffentlicht hätte. Bi unerkenswejrt ist, was er über die Opferwilligkeit der Legen wälirerid des Weltkrieges zu berichten weiß. Der V« reinslazarettzug M 3 wurde ausgerüstet, die eigenen Räume wurden vielfach als Erholungsheime für Verwundete verwandt, die Schwestern stellten sich der Kriegs-Krankenpflege zur Verfügung. Für Liebesgaben wurden etwa lüflMXX) Mark aufgebracht, an kranke Soldaten gegen lflO 000 Mahlzeiten verabreicht. Nach dem Kriegsschluß mußten sich die Logen in Straßburg und Metz wegen iprer „germanisatorisehen Tendenzen“ auflösen, und die ins pofniscljc Gebiet fallenden Bne Briss-Bünde wurden als „Trägerinnen deutscher Gesinnung“ beargwöhnt und polizeilich geschlossen. - . 'Erstaunlieh sind die Leistungen auf jiidisch-kult jrellem.und charitativem Gebiet seit Bestehen des deutschen Distriktes. Es ist nicht übertrieben, wenn men feststellt, daß kaum eine maßgebende Institution d :r gesamten deutschen Judenlieit in den letzten fünfzig Jahren gegründet wurde, an der nicht die Grcßlogc ideell oder materiell beteiligt gewesen wäre. Hinzu kommt, daß noch jede einzelne Loge ihren Stolz darein setzte,

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