Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1933-08-01 · Nr. 7 - August (8.1933) · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 7 - August (8.1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6727475-6029207-6074886--2980-4869547
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Br. H e i n r i d h der seine besondere Kraft schreibt uns: 11 | k e 1 e s (Abraham Geiger - Log*) der jüdischen Siedelung zuwende, Der Gedanke, dur :h Beruf»Umschichtung die deutschen Juden den landwirtschaftlichen Berufen zuzufühjren ist nicht neu. Sich oh vor Jahrzehnten hatte sich ih einsichtsvollen Kreisen |die Erkenntnis durchgerungen, «laß der unglückselig sh, soziologischen Struktur der deutschen Judenheit, v eiche die Juden io einer verhältnismäßigen kleinen A lgahl von Berufen, insbesondere dem Kaufmannsstand, den akademischen Berufen und in viel zu geringem! Mt ße' dem Handwerkerstand zusammenpreßte, ein Ende | [ämacht werden müßte. Bracjhte sie es doch mit sicfi, t aß sich bei den deutschen Juden mehr als bei allen anc leren Deutschen eine Flucht vom platten Lande und den] kleinen Städten in die Großstädte vollzog, so daß schließlich mehr als ein Drittel aller Juden in Berlin, der Rest auch noch zum großen Teil in Großstädtenj zu sammengeballt lebte, und daß die •^sozialen und gcsunjdhi itlithen Schäden der Großstadt, insbesondere Spätere, kinderarme oder kinderlose Ehe, und alle mit dem um uhi^en Leben der Großstadt verbundenen gesundheitlichen Schäden sich bei den Juden in besonders großem Ifaße bemerkbar machten. Wenn nicht durch den Zuzug Von Osten her ein Zufluß gekommen wäre, wäre « in langsames, aber sicheres Aussterben der deutschen Joden Unvermeidlich gewesen. Diese Beobachtungen, verbunden mit der historischen Erkenntnis, daß die Judefi ursprünglich ein Ackerbau treibendes und Vieh i üchtendes Volk gewesen und nur .durch äußere Einfluss; inj andere Berufe gedrängt w 1 den sind, mußte dazu produktiven Berufen führen, die Rückführung zu den les Handwerks, insbesondere aber «ler Landwirtschaft als eine unabwendbare Notwendigkeit erscheinen zu lasien. ’ » Die Versuche, di ises Ziel "zu Verwirklichen, waren anfangs ..nicht zu . brauchbaren Ergebnissen gekommen, weil man sic li im wesentlichen darauf be- .schränkte, die Ausbildung der Juden zu Landwirten >zu fördern, ohne sich hier darum zu kümmern, was aus den ausgebildeten, zpn Teil vorzüglich durchgebildeten Landwirten am En« e ihrer Ausbildungszeit werden sollte. Die Folge war, daß viele, die nicht (die Mittel zum Erwerb von Gh ndbeHtz hatten und in die spärlichen landwirtschaft ichen Beamtenstellrti nicht einrücketi konnten, entw« der aoswanderten oder ejich städtischen Berufen zuwaodten. Eine Wendung näcli dieser Richtung brachte nacl l dem; Kriege der von der Preußischen Regierung gefelderte Gedanke der landwirtschaftlichen Siedlung aufgi und des Siedlungsgeset^es, d. n. mit staaUichen Mitteln. Dieser Gedanke wur«Ie nun in erster Reihe vom Reichsbund jüdischer) Frontsoldaten aufgenommen, der au (gehend von der Erkenntnis, daß diejenigen, die den d lutschen Boden verteidigt hatten, ihn auch bearbeiten und besitzen sollten, die jlandwirjschaftliclie Siedlung der .Juden in Deutschland propagierte. Die ier' Initiative ist es.zu verdanken, daß weite Krieise dej deutschen Judentun s, insbesondere der Preußische ind der Bayerische Landesverband jüdischer Gemeinden un«l die jüdische Gemeinde in Berlin sich von der Notwendigkeit der Siedli ng für die Juden in * Deutschland Gutes Groß-Gaglow bei Cottbus Landarbeit 1 überzeugten, Es gela ng-dureh Ankauf des jmhH. ein erstes Beii keil und Nützlichkeit jüdischer /Siedlung| zu schaffen j Der grißte Feind, der sicli l c ieser Bewegung entgegenstellte, war die Gleichgültig Leit, auf welche die Propaganda stieß. Die überzeUgi ng von der Notwendigkeit der beruflichen Umschichti ng war zwar hei den gegebenen Vertretungen «ler deutschen Juden vorhanden,’ nicht aber bei der breiten Masse, die sich — wie dies fast immer : m geschehen pflegt — neuen und deshalb unbequemen Gedankengängen /verschloß. Die schwere Not, die üb« r uns gekommen ist, hat jetzt leider sehr spät, wenn lucb noch nicht fzu s pät,. allen deutschen Juden die Augen geöffnet, wie fehlerhaft es war, nicht rechtzeitig für Berufsums'chichtniig Sorge zu tragen. Jetzt strömt eine große Anzahl j inger Menschen zur Lairdwirtschi ft, jetzt werden alle mi t gewerblicher Tätigkeit verbundenen Berufe als Rettengsmittel angesehen. Wäre es rechtzeitig gescheheg dies vermieden werden könr Die Frage der Berufsurnichichti Augenblick oder jene Berufe sind. tung ist eine durch die Jüdische liel für die Möglichlätte vielleicht man- Sie darf inab isondere nicht abhängi * davon sein, wie im : n Deutschland die A ussichten für diese Frage Frage auf länge Siebt. Sie. ist in erster Reihe eine psychologische {Frage, in kaufmäqn ische' undakademisch ng darf nicht ruhen. ler Berufsumschicli- Die Juden, gedrängt Berufe haben in diesen ein a i sich lobenswertes £ treb’en nach Erreichung eines g ihobenen Lcpensstanda rds und einer Wolifhabejnheit betätigt. Wer Siedler, L*a ldwirt oder Gärtner wird, der muH damit rechnen, daß er Zeit seines Lebens nur ein besc leidenes, mit harter' Arbeit verbundenes Dasein führen kann. Abfer es gilt den deutschen Juden klarzumachen, daß auch die Erreiciung eines bescheidenen Lebens das Ziel des Lebens sein kann, wenn man dafür das ein lauscht, wajls den Meqs dien der Großstadt verloiren gegangen ist: nie Freude im Leben und die Verbundbnhei t mit der Scholle, cl ie Gesundheit des Leibes und d ir Seele, ivie sie der Landwirtsberuf mit sich bringt. Die Zuk starkes Gesell Sorgen wir! Geschick in 1 i unft liegt/ dunkel vor' licht wir4 seilte Zukunfjt dafür, daßl eine starke di|e Hand nimmt. uns, und nur ein gestalten können, j idische Jugend ihr 77

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.