Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 7 - August (8.1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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* Wesen, welche die geistige Unabhängigkeit unter dem härtesten persönlichen Zwange festhielten und Europa gegen Asien verteidigten; ihren Bemühungen sei cs nichl am wenigsten zu danken, daß eine natürlichere und vernunftgemäßere Erklärung der Welt wieder zum Siege kommen/-konnte und daß der Ring der Kultur, der um jetzt mildem griechisch-römischen Altertum zusammen knüpfe, unzerbrochen geblieben sei. Wenn das Christen tum alles getan habe, um den Okzident zu orientalisie ■ ren, so habe das Judentum wesentlich mit dabei gehol■ fen, ihn immer wieder zu okzidentalisieren. ir J uden werden unsere mehrtausendjährige Ge •_ schichte unter ganz anderen Gesichtspunkten als Nietzsche scheu. Aber eins können uns die Sätze des scharfen, gegen alle; Schwächen - unnachsichtigen Beobachters zeigen: Mag die Judenhcit in Zeiten der Satiiriertheit noch so entartet gewesen sein, bisher haben di: immer wiederkehrenden »Einbrüche und Schicksals- Schläge doch ein der Not und dem Elend gewachsenes Geschlecht gefunden, das letzten Endes auch dem widerwilligen Bileam Achtung abgenötigt hat. — Wie können wir in unserer heutigen Lage uns der Väter würdig erweisen? In der Wochenschrift -der grüßten jüdischen Org; .- nisation Deutschlands wurde vor kurzem ausgeführt, da J wir keine absolute; Einheit des deutschen Judentums wollen und' erstreben; sie solle* und könne es nicht geben. Denn: „Kein Lebendiges ist eins, immer ist’s ein Vieles!" Das Ziel sei aber eine relative Einheit, d. li. Klarheit dariiber, Maß eine Arbeitsgemeinschaft aller Richtungen und Organisationen möglich und wünschenswert^sei. Die V oraussetzungen für diese Forderung seien recht einfach r- - Ablehnung des Standpunkts, daß die Menschen nach ihrer innerjüdisehen Gesinnung stärkeren oder geringeren Anspruch auf Wiedererlangung unserer Rechte hätten; Ablehnung der Ansicht, daß ein Mehr an jüdischer Haltung innerhalb einer jüdischen Gemeinschaft eine Belastung wäre; Verzicht auf agitatorische Ausnutzung des durch die. Zeitverhältnisse in zahlreichen Köpfen entstandenen Ressentiments. So selbstverständlich uns diese Forderungen erscheinen: es war doch nicht überflüssig, sie auszusprechen. Die. Not ist zwar der Ansporn und der Prüfsteüi für den Starken, zugleich zejgt sie aber alle Schwächen und Kleinlichkeiten der ihr seelisch nicht Gewachsenen. Es darf nicht mehr Vorkommen — um der Würde unserer Gemeinschaft willen —, daß einzelne ihre eigene vaterländische Gesinnung anpreisen und damit die anderen zu diffamieret versuchen. Unsere Verbundenheit mit der Heimat, dem Lande unserer Väter und Vorväter — mögen wir in ihm bleiben können oder nicht —, g*- daß auswir ino$sen ehbei den steht uns viel zu hoch, als daß wir sie zum Ausgaa punkt politischer Forderungen machen lönntpn, als wir unsere innersten Gefühle für politii che Rechte münzen .wollten. ■ Auch unseren Gegnern werden durch ein Herausstreichen unserer vaterländischen Stellung vor anderen Glaubens- oder Stammesgen niemals Achtung einflößen können; Ebenso abzu nen ist aber eine geistige und seelische Haltung, die allen Schicksalsschlägen nur die Genuj^uung über behaupteten Beweis der Richtigkeit einer Theorie tum Ausdruck bringt und die innere Wahrheit und Ehrlich-' keit einer anderen Einstellung anzwieif :1t. Die Lebensanschauungen der ^in feinen jüdisc aen Richtungen sollen und müssen unangetastet bleiben. Die gegenwärtigen innerjüdischen ideologi sehen Aüseü landie den Neuaufpau gut dersetzungen]erhellen aber, daß alle Gegensätze für praktische Arbeit, für die Erhaltung, und die Umschichtung des-deutschen , udentums so wie bedeutungslos sind. Heute wissen] der Zionist ind der Nichtzionist, der religiös-konservatjive und -liberale J ude, was das J udentum für sie bedeutet, welchen 1 lalt es ihnen gibt und wofür sie leidein! Alle jüdi« hen. Richtungen können es begrüßen, daß unsere Jugend durch die .gegenwärtige Entwicklung stärker als bi her mit jüdisclaem Wissen, jüdischem Gedankengut, j idischer Überlieferung, Religion und Ethik erfüllt unrf traut wird. verirt- Er Sammlung aller Kräfte für di^ praktische Ar jeit tut not, aber auch eine Arbeitsteilung; VI ie die Zi mistische Vereinigung die Sammelstellej aller ' Palast inaarbeit, der Hilfsverein der deutschen Juden die Zentrale der übrigen Aussiedelungsbestrebungen, der Reichsbi jüdischer Frontsoldaten die Alleinvertretung i der j idischen Frontkämpfer geworden ist, so bl:ibt dem Central- Verein die Wahrnehmung der rechtlichen und v: scliaftlichen Interessen in Deutschland! überlassen, macht bei seiner Beratungstätigkeit keinen Unterscl ied zwischen Mitgliedern und Außenstehenden. Die Rivalität von Organisationen darf in heutigen Zeiten lein Hemmnis mehr sein! ' i ..! , Der Orden Bne Briss sei der Roden, auf welchem sich njöglichst alle — Menschen des Verstehens qnd des Arbeitens — treffen und finden. Sammlung tut not! Laßt uns erhobenen Hauptes an die Arbeit gehen. Wenn uns vielfach Haß entgejenstrümt, so dürfen wir uns auf Nietzsches Wort „Jens von Gut und Böse“, Nr. 173) berufen: so lange man noch gering schätzt, son < man gleich oder höher schätzt!“ Hl ' , :»ts Man haßt ni<;ht, dem erst, wmn V*