Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1933-05-01 · Nr. 5 - Mai (5.1933) · p. Seite 53

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 5 - Mai (5.1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 53 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6727475-6029207-6074882--2955-4869523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Zeiten des Niedergangs der Religion mit ihrem eigenartigen Leben un^ Fordern zeigen zuweilen ein intensives Denken über die Kulturerslheinung der Religion. Die Psychologie, Soziologie, Philosophie des Glaubens und die Erforschung der verschiedenen Bekenntnisse sowie die vergleichende Betrachtung ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten geben notwendige wissenschaftliche Auffassungen Uber Probleme und Lösungen. Aber eine Stärkung des religiösen Empfindens tritt solange durch diese Religionswissenschaft nich^ ein, als sie auch von Männern betrieben wird, die persönlich zur religiÖsenGrundhalfung kein inneresVerhältnis haben. Religiöses Denken ist| Denken in der Religion, nicht über die Religion, pamit ist die vielgepriesene Voraussetzungslosigkeit' der Wissenschaft nicht verlästert. Wer eine bestimmte Welt- und Lehensanschauung und rWertsetzung verstehen will, muß sich, wenn auch nur für eine gewisse Zeit, aluf ihren Boden gestellt haben, uni das notwendige Einfühlungsvermögen zu 'besitzen, auf dem allein alle wahret Erkenntnis beruht. Im anderen Falle werden Begriffe .und Ideen an die Religion herangebracht, die ihr wesensfremd sind und die zur Verkennung des religiösen Denkens führen. So darf die Reli- ' gion nicht mit den Augen der Naturwissenschaft gesehen werden, die andere Grundlagen der Betrachtung hat. Der Glaube erkennt das Wissen an und darf es nicht ersetzen wollen, weit es ein Produkt der gottgegebeneu Vernunft ist» Er bejaht die Kunst, weil der Künstlet^ aus göttlicher Weisheit schafft. Aber die Religion hat höchste Zielsetzungen der tiefen Lebensbetätigung, die Wissenschaft und ästhetisches Empfinden nicht gewähren können. Jedoch auch mit der allgemeinen Moral und wissenschaftlichen Ethik ist Religion nicht gleichzusetzen. „Moral ist die Grammatik der Religion*4 sagte Börne. Wer die Grammatik i einer Sprache beherrscht, kennt noch nicht die Sprache, ihre lebensvollen Ausdrutksnuancen. Es kann ihm immer noch eine fremde Sprache sein. Die Muttersprache mit ihrem’ natürlichen Lebensgefühl gibt oft unbewjußt seelische Werte, die grammatischen Formen werdest eine Selbstverständlichkeit, und das ganze Bemühen geht darauf, durch die vertrauten Worte die Welt zu erkennen und die Tiefen der Seele auszuschöpfen. Nicht anders ist das Verhältnis von Moi-al und Religion. [ Keine von beiden kann ohne die andere /gedacht und verwirklicht werden. Aber erst durch den Glauben kann das sittliche Tun in seiner ganzen Realität und Tiefe und Innigkeit erfüllt und geweiht werden. Erst durch die Beziehung auf Gott können die Beziehungen! der Menschen einfühlend und verklärend gestaltet werjden, ohne Rassen- und Klassenunterschiede. „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst, ich bin der Ewige.^4 So wenig wir berechtigt sind, die Begriffs- und Empfindungswelt fremder GeistesgeBietc in die Religion hineinzutragen, ebensosehr müssen wir uns hüten, die Ideen der einen Religion auf die andere zu übertragen. Ein und derselbe Gedanke hat hier und dort hei aller Judentum^ das feine Ideen und Sei nom im'diametralen Gegensatz zu staltet und entwickelt hat, darf in keil Punkte unjter dem Gesichtswinkel der stammenden Bi artig Bedeutung, die äußeren Äjhnlic ikeit eine ■ ander; a mindestens einer imponderablen 'i’önung infolge, des völlig verschiedene 11 Grund- und Le jensf efühls entspringt. Kein Beispiel ist hier treffender als das Judentum. Die im stärkstein Sinne originale Weltapsch luungsleistung des keuntnisse gesellen we Jude l ne L ehensansieht autoaüd?m Religionen geilem wesentlichen ihm zum Teil entdas „Gebot“ üb ‘rbrückt, Religion und ander über, Individuum und ’Ge^neii schaft sind durch suni Ausgleich gereligiöse Weltansicht moralischen Übel, ünde auseinanderden Gedanken vom „heiligen Volk1 bracht. Jede philosophische Und muß sich mit dem physischen und vornehmlich mit der Tatsache der Si setzen und. füh 1 zum Optimismus öder Pessimismus. Im Judentum ist am Anfang und am Ende der Menschheltsentwicklung ein unüberhörbares J isagen zum Leben vernehmbar. Immer ist der Blick auf Gotteswelt gerichtet, in die der Men Lcbensganzhei I druck, und es Gebot im Judu eingliedern soll. Stimmung kommt in dem „Gesetz4 zu ist eine der weseni ich steil Verkennungen der jüdischen I ehensansieht, wenn von der Nüchternheit einer bloß teten Gesetzes! eligion zu sprechen ntum entstammen Leben zu einein heiligen Dienste einzigen Gott des Judentumf das religiöse Denken bringt, ist une 'heblicji. Aber es zu machen. Daß gends so stark wie auf dem Boden dankenweit dis große Masse von Ider Religion in ihren Wurzeln, Zielen und Forderungen erfaßt worden ist. Die jüdischen Manschen sind gleichsam, um ein Wort aus einem andern religiösemTdeenkreis zu entlehnen, all« zu Theologen geworden. Diese Tatsache entspringt au«h aus dem Fehlen jeJer Institution, die als Kirche' be seichnet werden könn e. Damit war die Freiheit des religiösen Denkens innerhalb der Religion gegeben, jede Dogmatik im Sin le anderer Religionen abgelehnt uni die religiöse Tat zur sittlichen erhoben, wie das ethische Handeln zum Äöidel in. den Wegen Gottes wurde. Alles religiöse Denken und sittliche Tun steht im Judentum unter der Fcrdirung der Heiligung Gottes, oder um es mit einem ^orle des Talmuds auszusprechen: , Alles^ was ihr tut, sollt ihr nicht tun als nur aus Liebe.“ 53 rden. Jüilisch-relitums bleiben. Wo ehlurteile der Um- / eine Besonderheit giüscs Denken muß innerhalb des dies nicht geschieht, ergeben sieh <!ie F weit. Wenn je ein religiöses Gebäude hat, so ist es gev iß das Judentum. Der Linheitsgcdanke ist so intensiv durc «geführt, daß jeder scheinbare Dualismus indtr höchsten Einheit Gottes in mei theso gewinnt, 1 »cbCiisanschauung |nnd wieder seine Syn- Praxis sind durch Ethik gehen incindie Totalität der; ch sich mit seiner Das Erlebnis und die immer neuem Ausnu n nicht müde wird, yol untaristisch gerich- Die Ideen und das (lenelben Wurzel: das *- Vertrauen auf den nicht jeder Bekenner zu dieser-Klarheit ist mleugbar, daß nirder jüdischen Ge- Werthaftigkeit der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.