Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 5 - Mai (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 51 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Religiöses Denken Die Zeit der privaten Religionsgespräche von Mensch zu Mensch ist beit zwei Generationen dahin. Das Motiv für diese Erscheinung in der Religionsfeindlichkeit zu suchen, trifft nicht den Kern des Problems. Der Religionsverachtung lag vielmehr die fast völlige Ablehnung jeder Welt- und Lebensanschatiung zugrunde. Die Philosophie hatte dasselbe Schicksal. Durch den Aufschwung der Naturwissenschaft, Technik und VI irt- 1 schaft trat das Zeitalter des Aktivisnius in’ die Erscheinung, das auf das theoretische Fundament des Lebens verzichtete. Das Organ ider Wissenschaft, der Verstand, wurde mit der willensmjißigen, energiebetonten Einstellung vereinigt, um Natur und Schicksal zu bezwingen. ’ Die Gefühlsfunktion, das| dritte, zur Lebensar^schauungshildung unentbehrliche iseelische Element glaubte man überspringen und negieren zu können. So wurde das Lehen ein Torso. Das -wesentlichste Stück, der Cefühls- , gehalt und die Unmittelbarkeit der Lebensstimmung, die jedem Individuum und jeder Epoche den Stempel auf- <1 rückt, war herausgebrojchen. Denken über das Lehen, seinen Sinn und Wertj Theorie des Lebens war von der Praxis verdrängt. Man war von der Selbstverständlichkeit und Sicherheit der grundlegenden Werte und Gedanken überzeugt, wäjlirend die geistigen Fundamente immer neu errungen und gestaltet werden müssen. Ein solcher Bruch des Lebens bedingt einen Bruch der Persönlichkeit, die aille seelischen Funktionen in einheitlicher, aufeinander albgestimmter Verschmelzung darstellt. Wissenschaft ist Analyse, Leben Synthese. Keine der großen 'geistigen dächte: Philosophie und Forschung, Religion und Kunst darf ausschließlich auf ein seelisches Element gegründet werden. In schiefer Vereinfachung der Kompliziertheit desy Lebens um! der Seele wird immer noch die Ansicht ausgesprochen, daß die Wissenschaft ausschließlich, auf dem Denken, das I Handeln auf dem Willen, die ästhetische und religiöse I.ebensrichtung einzig guf dem Gefühl beruht. Demgegenüber ist mit Nachdruck zu betonen, daß. nicht einmal die Naturwissenschaft, geschweige denn die Geisteswissenschaften, i|i ihren höchsten Ergebnissen rational erschöpfend begriffen werden können, daß man in der Ethik nicht allein mit dem Willensmoment rechnen; darf, daß Kunst und Religion njclit im entferntesten rein gefühlsmäßig bestimmt sind. Bei jedem Menschen ist alles Wesentliche sejner Innerlichkeit und Betätigung von der angeborenen und durch die Erziehung befestigten Lebensstimmung, yont Lebensgefühl abhängig. Sie färbt sein Denken, Empfinden und seine Lebenspraxis, selbst sejn wirtschaftliches Schaffen. Di ,-se besondere Grundhaltung ist es, die die Siedlung zu den Dingen und Menschen gestaltet. j Jede der seelischen Funktionen ist bei allen' Gebieten beteiligt, nur ifi anderer Ausprägung. Der ganze ungeteilte Mensch nimmt segnen Standort zu jeder Von!Br. Arthur i und nach dem 5 Löwenstamrr Theoriej und Praxis. Alle Wissenschaft ist so auch im letzten, entscheide nden Mqnrieiit irration; 1 bestimmt, und die erbbiologischen- Gruiulla; eil sind atch beim reinen Denken von weil gehender Tragweite. W ie seihst der ahstrakl e Mathematiker gerade zu den höchsten Erkenntnissen gelangt, ist ihm seihst urierkemibar. Fast nur seine Methode in d sein Ged.inkenweg ist logisch. Aber alles Geniale ruht im ScjhoJe der'Unerforschbarkeit, So ist es zu verstehen, daß große' Naturforscher oft den scheinbar unverständlichen Übergang ztlr Welt- und Lehensanschauung »ollzogen h iben. Darin spricht »ich der Drang aus, lur Total tat des Lehens vorzudringen Kosmos zu /ragen, und dies des ist nur jenseits der Grenze df*s reinen Verstandes möglich. Denn jede W eitun|d l-ebeitsansiekt geht auf die Erkenntnis und Verwirklichung der W?rte, und Werte liegen oberhalb der Sphäre d »s Denken i und zeigen die \ erflochtenheit n it dem Lebe tsgefühl d *s einzelnen und der Zeitepoche. Hier entspringen die ii rationalen Quellen der Macht der Vernunft. Vor. allem ist die Philosophie bei den größten Deutern immer Weltanschauuugslelire und W--rtwissenscha[t gewesen. So ist die Eingliederung der Ethik als die Wissenscluft'der Werte in die Phjlosophie notwendig. Umgekehrt liegt das Verhältnis ’vm Fühlen und Denken in der lieligion: Dal das Gefühl, der. Urgrund allei religiösen Einstellung zu. Welt'und LeJ>en ist, muß alt; unleugbare Tatsache angesehen werden. Aber es ist ebenso unbestreitbar, daß das Deftlten\ein integrierendes Element Ides Glaubens bildet. Keine Religion, die dem Leben dienen und sic lv mit seinen Rätseln auseinandeirsetzen will, kann sich im ahnenden Empfinden erschöpfen. Ger nie weil die, lieligion die Ganzheit de» Daseins und des Menschen in ihren Kre s zieht-wie keine -andere j geistige Macht, muß sie die Rationalität notwendig erstreben. Diese Erkemtiris folgt aus zwei Tatsachen; Zunächst ist das soziologisc le Element der Sprache für das .religiöse Empfinden bestimmend. Sprechen bedeutet: das Gefühl in die Sphäre des Denken» erheben. Es ist nur so lange rein um I tief, als es sich im Zustand de» Unausgesprochenen beindet. Der letzte Gefiihlsgehalt und seine individuelle Tärbung und Tönung kann niemals zum äußeren Ausdruck gebracht werden. Alles I rieben;, so auch die prophetische Vision, erleidet durch die Mitteilung die iiitemivste Einbuße an Kraft und Eigenart.- Jede Kiilturrelirion das Wort angewiesen,! well sie viduum beschrä ikt, sondern ein'Kollektiv erfaßt, hier aus muß man es füglich bezweifeln, ob überhaupt heligion ohne Gemeinschaft in reiner Art möglich ist. Die zweite Tatsache aller luf die Praxis, Ibissen und der Willen durch ilas Me lium der Religion sittlich gestaltet. Handeln aber, ethische Tat ist trotz aller intierlichi -g, unwägbaren aber ist auf sich ni|cht auf das Indiyon 'Hellgrau ist die Richtung Der Glaube1 will d.is /landein beein- Wertsetzungen rational; 51 4 •I