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Der Orden Bne Briss · 1933-05-01 · Nr. 5 - Mai (5.1933) · p. Seite 49

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 5 - Mai (5.1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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Eingebuhg. Was in den sogenannten Prophetenschulen gelehrt wurde, ist unbekannt, wahrscheinlich mehr religiöse Praxis als Theorie, mehr Brauchtum als Wissen. Die Unterweisung durch die Priester und Leviten wird nicht von anderer Art gewesen sein. Seit der Rückkehr aus dem Exil gewinnt jedoch das Lehren und Lernen eine viel breitere Basis in der Volksgemeinschaft; es entwindet sich jenen Ständen und geht in den Besitz des Volkes selber über. Die talmudischcn Vorschriften bestimmen nunmehr, daß die Lehrtätigkeit nicht bloß jedermann freisteht, sondern daß sogar jedermann zu ihr verpflichtet sei; nut müsse sie stets unentgeltlich ausgeübt werden. So entstammten denn auch die Lehrer des Talmuds und der nachtalmudischen Zeit allen Gesellschaftsklassen; es gab hier keinen Unterschied der v Geburt, des Standes und des Berufes. Lange Jahrhunderto hindurch fehlte es sogar an einer besonderen Be- Stallung; die „Krone der;Lehre“ konnte nur anerkannt, nicht verliehen werden. Aber selbst, als durch die Umwandlung der Verhältnisse im Mittelalter aus der Lehrtätigkeit vielfach ein Lehramt wurde, blieb doch die Lehrfreiheit im weitesten Umfang und ungeachtet aller Gefahren, die sie mit sich bringen . konnte und tatsächlich mit sich gebracht hat, weiter bestehert. Es gab wohl fortan im Judentum einen Gelehrtenstand, doch niemals eine Gelehrtenzunft. So ist es auch heute noch. Solche Freiheit offenbarte sich auch im Verhältnis des Lehrers zu den Schülern. Dafür legt der aus dem Munde eines hochangesehenen Talmudlehrers überlieferte, bekannte Ausspruch Zeugnis ab: „Viel habe ich von meinen Lehrern gelernt, mehr noch von meinen Kollegen, am meisten von meinen Schülern.“ DaB ist der Ausdruck ein.er zutreffenden pädagogischen Erfahrung, läßt aber auch auf das innere Verhältnis von Lehrer und Schüler schließen, das nach den Vorschriften dem von Vater und Kindern gleichen soll; ja dem Lehrer soll die Ehre des Schülers ebenso hoch stehen wie die eigene. Keine Überheblichkeit „mit Wissen darf man nicht prunken!“ —, keine Unfreundlichkeit, kein Abweisen selbst in der Strenge, Innehalten des Anstandes auch dem Schüler gegenüber l— „der Lehrer gebe auch dem Schüler das Geleite bis an die Grenze der Stadt!“ —-, Verträglichkeit der Schulen untereinander trotz der Verschiedenheit Rer Richtungen, dies alles wird gefordert. Im Streit der Schulen H i 11 e 1 s und S^hammais w jrd ausdrücklich die lautere Gesinnung und das ideale Ziel beider anerkannt: beider Lehren sind „Worte des lebendigen Gottes“. Von dem Schüler wird freilich völliger Respekt gegen den Lehrer verlangt, dessen Ehre ihm sogar höher stehen soll als die der Eltern. Was er von ihm gelernt hat, soll er auch stets inj dessen Namen tradieren. Aber eine blinde Anerkennung der Autorität gab es trotzdem nicht. Wenn die Lehrer miteinander stritten, durfte keiner sich auf die eigene Anschauung .als ausschlaggebend versteifen Kräftigungen der auch nicht nur 1 wenig sollten sie Seilschaft lernen, schärfen, aber au war übrigens aucl. Selbst „Wunder“ gellen nicht als Be- Autorijtät. Die Schüler sollten darum an e I n e m Lehrer lernen. Ebenso-!ur siejh allein, sondert immer in Geaneinander zu für sich allein um w|e Mtisser sich ■ -h ahzuschlctifen. . Das für ^en Lehrer verpönt:. „Wenn Du immerhin, der ist auch ein großer Gelehrter bist,'' so selber lernt, nicht zu vergleichen mitl dem, der von einem Lehrer lernt.“ Man sollt^ zeitlebens ein Schüler bleiben, immer weiter lernen, Iimmer weiter 9streben, immer an sich selber arbeiten. Eine Erzielung rur Uniformität war dadurch von'selber’ausg»schlossen; jeder bewahrte seine Eigenart, um 1 der Lehye r war jverpl lichtet auf diese Rücksicht zu nein teil. Es gi! >t im Talm ad verschiedene treffende Charakterisierungei von Schülern durch ihre Lehrer. Nur eines wurde ven jeddun Schüler verlangt: volle Aufrichtigkeit; innere Überzeugung und äußere Haltung 'sollten übere nstimpien. I üine Einengung im Umfang des Lehren» und Lernens gib es in alten Zeiten nicht. Im Hause des PatHardien Gam,liel sollen tausend Schüler aus- und e|ngegi ngen sein, von denen die eine! Hälfte jüdische, die anc ere griechische Weisheit studierte Erst spätere Zeitei führten Ein» engung und Abscl luß herbe , die jedoicli in der spanischen -Pcrioc e und in der limaizipationsc p o c h e wieder ilurchbroc! en wurden, k> daß die Freiheit des geistigen i^bens sich immer wieder durchsetzte und erfreulicherweise in der Gegenwart stärker als je zuvor in der jüdischen Geschichte den weitesten Umfang einnimmt. I % k * Die hier in ihren Gruidzüg^n nach Inhalt und Methode, nach W esensart de r Lehrer und Schüler aufgezeigte geschichtliche Struktur des Lchrens und Lernens im Judentum weist auch das Geistesleben unseres Ordens auf, das innerhalb des jdeutsche.n Distriktes ganz besondeis rege ist, so rege, da 1 eigentlich nur diejenigen deutschen Logen alüh^n, die geistig lebendig sind. Die Loge .ist eine Stätte des'j,Lehrt ns und Lernens“ geworden und soll es auch sein, Ohne daß deswegen das „Tun“ beiseite gesetzt wird und gesetzt werden darf. Eine Loge, die nur geistreich Sein will, in der nur geredet und diskutiert wird, ebne!daß etwas Praktisches geleistet wird, entspricht cbengoweni; der Idee des Ordens wie der 1 Idee'der jü lischen Geistigkeit. Solche I.ogcn haben sich tatsächlich auch niclrt bewährt. Der InJialt dessen was in der Loge gelehrt und gelhnt wird, ist der gleiche wie im jüdischen Lehren und. Lernen überhaupt: die Einlieziehung dies dessen, was in der Welt vorgeht, in den jüdischer Gedankenkreis, in die jüdischen I Ideen. Es; ibt nichts, worüber nicht in der Loge vorgetn gen werden könnte, ol> es sich um rein geistige oder um regl prakti iche Fragen handelt, sofern sie. nur in eine Ueziehüng ::u.den Tendenzen des Ordens gesetzt ~w< 'rden köjnnc :n, die docl i selber aus dem Besten, Reinsten und Tielfstcn der jüdiichen Gedanken- 49

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