Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 4 - April (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Entfaltung und Veredelung des modernen deutschen Romans beigetragen haben. Ja, wenn er sich allzu bescheiden nur am Saume der Dichtung heimatberechtigt glaubt, so ist vor allem dagegen zu sagen: daß er nicht von Zufallsgnaden zu billiger Unterhaltung Romane schreibt, sondern daß er nicht anders kann, daß diese die ihm natürliche und notwendige künstlerische Äußerungsform ist. Er ist geborener Epiker; besessener und ausschließlicher Erzähler — bezeichnend, daß es Lyrisches von ihm überhaupt nicht gibt, und daß er sich im Dramatischen nur ganz spärlich versucht hat — wohl aber hat ihn seine starke Geistigkeit auch zu einem fähigen Essayisten gemacht, -wie sein Essay-Sammelband ..Lebensdienst“ und auch seine neuerlichen Monographien über Columbus und Stanley beweisen. Das erzählerische Fabulieren ist ihm Lebensbedürfnis, Lebensinhalt. Den dichterisch reinsten Ausdruck scheint er sich mir allerdings — nach meinem persönlichen Geschmack und Dafürhalten — in den kleineren, geschlossenen .Novellen - („Sturregauz“, ..Der Aufruhr um den. Junker Ernst“ u. a.) geschaffen zu haben — in diesen schlackenlosen Gebilden fehlt zum Glück das manchmal allzu Bewußte, Überwürzte und Übersteigerte. das ( auch dies nur Schatten eines starken Lichts!) hie und da in seinen großen Arbeiten stört. — Es bleibt alles in allem erstaunlich, wie er mit äußerster Anspannung aller straffenden und formenden Energien eine gefährlich überreiche .Phantasie, eine nicht minder gefährlich starke nervös-intellektuelle Anlage zu künstlerischer Zucht und Strenge gebändigt hat. — Leicht hat er sich seinen Weg gewiß nicht gemacht — weder als Mensch noch als Künstler. Man weiß es ja längst, aber seine neuesten ..Selbstbetrachtüngen“ bezeugen es zum ( berfiuß noch einmal: er ist einer der fleißigsten und gewissenhaftesten Künstler, der sich im Quantum und Quäle nie genug tun kann, der unaufhörlich arbeitet und überarbeitet — und der doch widerstandsfähige „Substanz“ genug besitzt, um sich nicht selbstquälerisch daran aufzureiben. —. Soweit als Künstler, nicht minder (wenn sich das eben überhaupt trennen läßt) als Mensch. Ich denke hier vor allem an seine so tiefmenschliche und ergreifende, gleichermaßen persönliche. und typische Bekenntnisschrift ,.Mein Weg als Deutscher und Jude“. Diese ^Schrift wird, wie mir'scheint. ein beredtes und gültiges Zeit- und Seelen- Dokument bleiben. Es ist etwas Umschattetes und Zerquältes darin, das uns gerade heut wieder beklemmend naheriickt: die Liehe zum Deutschtum, die von ihm doch letzten Endes als unglückliche Liebe empfunden werden muß; die Sehnsucht,'1 sich in deutsche Herzen, deutsche Gedächtnisse einzuschreiben — und ein letztes, frostiges Fremdheitsgefühl; ein erzwungenes Zurückzucken des Fußes, der schon dicht daran ist, die Schwelle zu überschreiten und damit dem Druck der Fremde, der ewigen „Unhepmlichkeit“, Unbehaustheit zu entrinnen. Man hatmit' einem gewissen Recht gesagt, er habe auch hier mit dichterischer Phantasie und Sensitivität übertrieben und den Tatbestand allzu tragisch genommen: seine besten Werke gehören ja der deutschen Literatur an und werden ihr angehörig bleiben; selbst völkische Historiker, wie Bartels, haben sich über ihren Ernst und Wert anerkennend geäußert; und ein Mangel an Popularität, an breiter Massenwirkung, ist etwas, womit sich jeder abseitige und erlesene Literat, jener Schreibende von höheren Graden, ohne Wehklagen ahfinden muß. Das ist durchaus richtig; aber gerade die jüngsten Entwicklungen geben der Klage Wassermanns doch ‘wieder einen traurigzeitgemäßen und lebendigen Klang. ( i Dies ist sicher: Wassermann hat den Juden in sich nie verleugnen wollen -— auch nie verleugnen können. Zweierlei an ihm erscheint — wenigstens in'dieser Stärke — spezifisch jüdisch: das große ethische Plathoi, die tief aufgewühlte, mitleidende Menschlichkeit; d^r Haß ialles Unrechts und der ewige, nie zu stillende Schrei nach Gerechtigkeit: dies liegt durchaus in der Linie des klassischen jüdischen Prophetismus und wirkt noch bis in seine letzten — als künstlerische Gestaltungen diskutablen —j- Romane hinein. („Der Fall Maurizius“ — „Etzel Andergast“.) Und sodann sein überwacher und überscharfer, kritischer Intellekt, der künstlerisch zuweilen nicht unbedenklich iit, aber in seiner analytischen Kraft und Hellsichtigkeit ihm manchmal ein paar Seiten, vom Gepräge und Range Dost« jewskys gelingen läßt (auch gerade in den letzten Romanen)j Vielleicht hängt mit diesem bohrenden, schürfenden Spürsinn auch seine fast übergroße Aufgeschlossenheit für Zeitliches und Zeitproblematisches zusammen („Christian Wahnschafjfe“, „Laudin und die Seinen“ u. a.). — Am stärksten über dias Zeitgebundene inr zeitlos Dichterische und Menschliche hebt sich wohl sein „Kaspar Hauser“, nach dem ziemlich einjstimmigen Urteil der Kenner (neben dem „Gänsemännchen“)| wohl sein bestes Werk — nicht nur die (Zufallsgeschichte .eines berühmten historischen Findlings — sondern Tragödie und Mysterium der rätselhaft in Dunkel und Dickicht des |Daseins verirrten Seele. In Zügen dieser Art rundet und k -önt sich uns das Bild des Menschen und Dichters. Wassermann. Zeitschriften anderer Distrikte. y ll'nai B'rith-Milteilungen für Österreich, Heft 3, März 1933, Jahrgung XXXlfl. historische Mitteilungen: ..Aus dem Leben ^ines Kaufmanns“ (Wolf Zappert). Da# März-Heft gibt im wesentlichen einen Bericht über «lie »Tätigkeit der Logen des XIL Distriktes. Wir freuen uns, feststellen zu können, daß. die Logen trotz schwerer Zeit ihre Aufgaben geistiger und materieller Art erfüllen konnten. lieft 4. April 1933 Br. Arnold Ascher würdigt aus Anlaß der 40. Wiederkehr seines Todestages den 'Freiheitskämpfer Adolf Fischhof, jenen mutigen Mann, den die Eingebung eines Augenblickes in einemgroßen Moment plötzlich zum Politiker werden ließ. In edelster Weise hat er sich in Verfolg seiner Gesinnung weiter betätigt. Br. Ludwig Singer macht uns B'nai B'rith Monatsblätter der Großloge für den tschechoslowakischen Staat _X. 1. O. B. B., Mäitz 1933, . Heft 3, Jahrgang Xll. '' ' Das vorliegende Heft ist ein Heft der Berichte.. Es erinnert uns an die 40 jährige Gründung der w. „Union“, die festlich begangen wurde.- Die Einweihung eines neuen Heimes mit Einführung neuer Kandidaten, ist ein Ausdruck der Bedeutung der Vereinigung. — Daneben gehen uns Mitteilungen über die Arbeit der Logen im zehnten Distrikt zu, die uns die Logen in ihren Leistungen yor Augen führen. Wir gewinnen einen Einblick in das geistige Leben unserer Brudervereinigung. ’| 40 Ti. .