Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Inzwischen ist das Werk nicht mehr der liebenswürdige Plauderer von anno dazumal gehlieben, es ist {vielfach bunter, lebendiger, unterhaltender geworden- Und dabei gewissenhaft und zuverlässig, 1 Der „Große Brockhaus"4 hat sich auch den Aufgaben unserer Zeit angepaßt. Er beleuchtet neben der Darstellung des gesamten Wissens auch den großen Kreis der ständig an uns herantretenden praktischen Fragen. So bietet er auch Ratschläge für unser tägliches Leben. Z. B.: Muß ich ein geplantes Verbrechen zur Anzeige bringen?"4 — Wann kann ich einen Richter als befangen ablehnen? — Wie veranlasse ich die Eintragung einer Hypothek? ■— Wie sollen im Badezimmer die elektrischen Schalter angebracht sein, damit eine Gefährdung des Badenden ausgeschlossen ist? — Wie soll ich meine Ernährung sinngemäß gestalten? —• usw. ' Eine große Anzahl teilweise bunter Tafelseiten mit vielen Hunderten von Abbildungen, farbigen Stadtplänen und dergleichen sind beigegehen. Die beigefügte Mondkarte kann als die beste bisher vorhandener Karten über unser Nachbargestirn bezeichnet werden. Den Kunstfreund werden ausgezeichnete, teilweise bunte Tafelseiten über Keramik, Malerei, Mosaik, usw., den völkerkundlichen Interessenten wissenswerte Beiträge fesseln, die Frau, der Landwirt, der Naturfreund werden sich Belehrung holen. Die sehr gute Ausstattung läßt den inzwischen herabgesetzten Preis als niedrig erscheinen. Zu der Buchbesprechung> von Br. M. Simon, Tilsit t R. G. Binding: ..Moselfahrt aus Liebeskummer“, Verlag Rütten & Loening, j Frankfurt a. M., sendet uns heute Br. Expräsident Nähm-Koblenz einige Ausführungen, die das gute Verhältnis der christlichen und -jüdischen Bevölkerung im Mosellande schildern. Kenn-' zeichnend hierfür ist folgende hübsche Episode: Kürzlich war Firmung, zu der der Bischof von Trier, Dr. Bornewasser, selbst erschienen war. Die Bevölkerung bildete heim Empfang, wie das so üblich, Spalier am Dorfeingang, voran die Dorfjugend. Die jüdischen Kinder standen auch dabei. Der Kirchenfürst trat an die Jugend heran und legte seine Hand segnend auf den blonden Kopf eines Kindes. Als er sie zurückzog, tönte es von den Lippen des Kindes: „Gut Schahhes!"4 — Der Bischof soll schon lange nicht mehr so herzlich gelacht haben wie damals und heute noch von diesem heiteren Vorfall erzählen. Arnold Straßmai n, selbst ein Kind der ehemaligen Provinz Posen, bringt in seinem Werk „Allerlei Ostmärkisches“ in interessantester u ad amüsantester Weise, wie auch der weitere Titel besagt, Werk ganz besonders frohe Stunden „Geschichten und Geschichtchen aus der verlorenen Heimst"4. Jugenderinnerungen steigen auf; mit ihnen lebt man gleichsam wieder in der alten Heimat. Natürlichkeit in der ichilderung und Frohsinn zeichnen das aus. Seine Lektüre bereitet dem Leser Fritz Xf'olff. von R. N. Coudenhove-Kalcrgi. Pan- Wien-Leipzig-Berlin. Preis kartoniert „Gebote des Lebens“ europa-Verlag, RM. 2,60. In kurzen, einprägsamen Aphorismen strömt dieses Büchlein seine Geist besinnung aus. Keine Schrift, die spannt oder fesselt, scndern eine, die löst und befreit. Man sittlichen Gtöl en der Vergangenheit üiW. kann nicht über die Zeilen hinwt ghuschep, sondern man ist | gezwungen; öfter aufzuschauen und sich :zu fragen: Ist es so, hin iclr so, kann ich so sein? Weltweisheit und Lebensgewißheit nennt. formen das, was Kalergi „Gebote des Lebens44 Die Klarheit des Gedan tens wird vom klar faßbaren Wort eines scharf geschliffenen Stils untermalt. Ein I iichlein, das zum Denken und Tun anregt, darum sollte ijaaip es oft zur Hand nehn eh.! Dr. Dann Schönberger, Aachen. Das Judith l-Motiv in der i deutsch <n Dichtung. Von Otto I t z e r. Verlag von U Berlin und Leipzig. RM. 5. alter d< Baljtzer hat es unternommen,’ die Judith-Bearbeitungen in Literatur und Musik zu sichten und die Spreu vom Weizen zu sonüern. Ein gewaltiges Mi terial ist hier zusammengetragen »'orden. Die Problemsti llung geht nicht immer in die Jieip, so ist auch der Höhepunkt aller dramatischen Verwertungen des Judith-Stoffes in der Hehbel-Tragödienicht mit der nötigen psycholpgisi hen Durchdringung her- Gruyter & Co., ausgear! rhieit eine Berei cherung, erfahren durch t. Die' Judith-Literatu ’ hat inzwischen wieder Giroüdonx, jungeh ital Freiburger Deutsche | V die Tragödie von Jean die Erstlingsoper eines Paris |931, und durch enisclieji Tonsetzers Lujatto,"die vor kurzem im Stadttheater ihre deutsclie Uraufführung erlebte. Oante-Jahrbuch 13. Ban\d rli g Hermann Böhlau, W , neue Folge 4. Band, ■imar 1931. RM. 10,—. Es ltedprf keiner Rechtfertigung, wenn wir als Juden dem christl ichstenj aller Dichter huldigen, verdanken wir doch dem Gelehrten und Dichter David Luzatto in seiner Ode an Dinte eine Perle neuhrbräischer Poesie. In dem neuesten Band des Dante-Jah-buchs untersucht Raffaele Cialsci die vielfach erörterte Frage, . ob Dante der Apothekerzc nft angehörte. Die Ai-beit kommt zu einem positiven Ergebnis und zeigt die zuI damaliger Zeit charakteristische Kontamination von Medizin und Philosophie. Von sonstigen Arbeiten erwähnen w r doch Eduard Wechsler: Dante der universelle Denker. Der Berliner Romanist klassischen Weltsysteme in den führenden Ge- Divina Komödia mit großem Scharfsinn nach- Nsheref über die 4 klassischen JDenkformen (inhat die 4 stalten de; gewiesen det der Les r in I Leisegangr Werk De Gruyter I 928. Denkformen. Berlin. M. Simon, Tilsit. /Ve'nionn: Ge 'mrtenregelung und Jut i - Vermag, Leipzig. Preis liroschie ’entum. Gustav Engel ■t RM. 1,50. Eine interessante Schrift, die viel Material zu dieser Frage bringt und zum Nachdenken anregt. -Aber das Schimpfen an mehreren Stellen auf nie religiösen Führer, verschiedene Organisationen, auf di« modernen und fortgeschrittenen „Weisen*4 und ’ dergleichen wirkt ungemein störend. Ob tlie Anregung des Verfassers: sozialer Abstieg, niedriger Leb« nsstandard Anklang findjen wird, ist sehr fraglich. Der Ve -fasser bezeichnet die Abstinenz für die Geburtenregelung als das Mögliche. Beachtenswert sind die Leitsterne, die wie Ehre, Plflii ht, Verantwortung gegenüber der Gesamtheit, der Gegenwart er den Jieran wachsenden Geschlechtern gibt,, gegenüber .der Zukunft, Schamgefühl vor den E. F. 33