Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I Expräsident Emil Cohn (Montefiore-Loge) Im 84. Lebensjahr verschied unser verehrter und lieber Br. Expräsident Emil Cohn (Montefiore-Loge). Fast dreißig Jahre gehörte er der Montefiore-Loge an, nachdem er von Krotoschin, der Stätte seines kaufmännischen Wirkens, nach Berlin übergesiedelt war. Wie Br. Expräsident Emil Cohn sich in Krotoschin für öffentliche jüdische Tätigkeit mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Persönlichkeit eingesetzt hatte, so hat er auch während der drei Jahrzehnte seiner Berliner Tätigkeit in ungewöhnlicher Weise in Ehrenämtern der Gemeinde sich jüdischen Dingen hingegeben; ~ * in den letzten Jahren auch innerhalb finanzieller Aufgaben für die Großloge. Im Jahre 1912/13 bekleidete er in der Montefiore-Loge das Amt des Präsidenten. * — * , Eine liebevolle Tätigkeit entfaltete er auch auf den mannigfachen Gebieten des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Ein Mann von klarster LauteHteit des Charakters, hat er die. Aufgaben, die er sich setzte, mit all der Pflichterfüllung und Hingabe, die ihm eigen war, ausgeführt. All das, was er im allgemeinen Sinne tat, wurde ihm im besten Sinne zu seiner eigenen persönlichen Sache. Seine Arbeit war zugleich auch Liebe zur Arbeit. In nicht gewöhnlicher eise verstand er. es zu gegebenen Zeiten, sich auf eine Tätigkeit um- und einzustellen. Seine Art, das Leben zu führen, war -die beste, und siegreiche Überwindung des Lebens selbst, und seine Auffassung des Lebens bedeutete eine Art täglichen Heldentums, die vorbildlich war. In seiner Arbeit wirkte unser Bruder Cohn bis in die letzten Tage seines Lebens. Ein sanfter Tod -beendigte ein tätiges Leben. Sein Andenken bleibt in unserem Kreise. Expräsident Br. Dr. Hermann Cohn-Dessau Durch das am 24. Januar erfolgte Hinscheiden des im 64. Lebensjahre stehenden Bruders Expräsidebt Dr. Hermann Cohn-Dessau hat unser Orden einen schweren Verlust erlitten. Dr. Cohn war eine markante führende Persönlichkeit der deutschen Judenheit, ein Mann vor} besonderer Prägung und Eigenart. Ausgerüstet mit reichen Schätzen des Wissens und der Bildung' und erfüllt vo(» unermüdlicher Arbeitskraft und Schaffensfreude, hat e* sich nicht bloß als Anwalt eine weithin geächtete und; angesehene Stellung erworben; darüber hinaus hat er den |Weg gefunden zu einer vielseitige^ gemeinnützigen Tätigkeit, zu einem großzügigen Wirken für geistige, qittliche und! politische Ideale. Er hat sich als wackerer Streiter für iRecht und Wahrheit, als stolzer, aufrechter Jude und als hochstrebender gütiger Mensch bewährt. Wenn er trotz seines ungemein großen Arbeitsfeldes, das ihn in Anspruch nahm, einen nicht geringen^ Teil seiner Kraft und Zeit (lern Orden gewidmet, so ist das der beste Beweis, wie hoch ler ihn ein- , geschätzt hat. In den 35 Jahren, die er dem Orden angehörte, hat er durch regste Anteilnahme und st^ts bereite Mitarbeit ihm sein lebhaftes Interesse bekunde^, und hat hier, ganz besonders seine ungewöhnlichen Geisteelgaben und Charaktereigenschaften entfalten können, wie andererseits äftch der Orden seine Lebensauffassung und dicj Richtung seines Denkens nicht unwesentlich beeinflußte. $owohl als ehemaliger Präsident der Anhalt-Loge, wie auch [später als Mitglied des Generalkomitees und zuletzt des Appellationsgerichtes hat er sich in steter Bereitwilligkeit <jem Orden zur Verfügung gestellt. So bleibt sain Name füij alle Zeit mit dem Orden verknüpft, am innigsten jedoch mit der Anhalt-Loge, der er wie sein seliger Vater in herzlicher Verbundenheit und Brüderlichkeit ergeben war. Slein Name wird alle Zeit in Ehren fortleben. Dr. Walter, Dessau. Zum 60. Geburtstage von Br. Expräs. Dr. Julius Höxter (Marcus Horovitz Loge, Frankfurt a. M.) Am 4. Februar beging in außergewöhnlicher Frische des Geistes und seltener Rüstigkeit Br. Expr. Dr. Julius Höxter seinen 60. Geburtstag. Was er für die Wissenschaft im allgemeinen und für die des Judentums im besonderen bedeutet, das zu sagen, muß anderen Vorbehalten bleiben. Den Menschen und Bruder Höxter aber kann nur der verstehen und schätzen, der ihm nähertreten und das Reine und Edle seines Wesens beobachten und erkennen -dürfte und darf. Immer erfüllt von dem aufrichtigen Wollen zu helfen, zu verstehen, zu versöhnen und auszugleichen, ist er wie kaum ein Zweiter berufen zu führen und durch vorbildliches Handeln und ein von reinsten Motiven erfülltes Streben andere im besten Sinne des Wortes zu beeindrucken und für letzte und erhabene Ziele empfänglich zu machen. Bei aller Festigkeit der Überzeugung, auch der religiösen, ist seine Erkenntnis von der Notwendigkeit eines über parteiliche und religiöse Gegensätze, hinausweisenden geeinten Judentums so stark, daß er niemals, und \to es auch sei, sein Ohr und sein Herz vor Argumenten und Meinungen verschloß, die den eigenen widersprachen und aus andersgearteter weltanschaulicher und religiöser Einstellung entsprangen. Gerade diese Haltung, verbunden mit einer stets heiteren und liebenswürdigen Art und einem nie versagenden, auf Wissen. Erkennen und Wollen zugleich beruhenden Optimismus ist es, die ihm in so überaüs reichem Maße an jeder Stätte seines Wirkens Liebe, Verehrung und Achtung sichert und ihm persönlich die Grundlage schafft, auf der sein segensreiches und vorbildliches Wirken sich vollziehen kann.! Im engsten Kreise seiner „Loge ist er in vorbildlicher und nachahmenswerter Weise bemüht, jede Meinung, jegliche Einstellung zu verstehen und sie für das Ganze unserer Gemeinschaft fruchtbar zu machen. Keine inj Formeln und Formalitäten sich erschöpfende Persönlichkeit ist er gewillt und entschlossen,' immer den Dingen auf den letzten Grund zu gehen und jeder Halbheit und, Unaufrichtigkeit mutig und entschlossen zu begegnen. Sein Bemühen, jüngeren Brüdern entgegenzukommen und sie mit ^hrer Aktivität und Vitalität in die Arbeit für den Ordön einzugliedern, ist ebenso sehr Ausdruck einer bedeutenden Erkenntnis wie auch seines ehrlichen Bemühens, unsere Gemeinschaft vor Erstarrung zu bewahren und rjechtzeitig einen Stamm von jüngeren Ordensmitgliedern h^ranzubilden, die jeglicher, auch über das Arbeits- und Interessengebiet einer Einzelloge hinausweisenden Arbeit vhllauf gewachsen sind. Für diese aus wahrer Brüderlichkeit und klarer Erkenntnis entspringende Haltung sei ihm )teute besonders gedankt. Möge unserem lieben und geschätzen Jubilar noch eine lange Reihe von Jahren glücklichen, und gesegneten Wirkens beschieden sein. i Max Salomon (M. Horovitzj-Loge). 34