Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Mensch Bloch ist im Letzten und Tirfsten seines Wesens beeindruckt und geformt durch das bei ihm besonders tiefgehende Erlebnis des Krieges, aus dem er nach zweimaliger schwerer Verwundung körperlich und seelisch nahezu gebrochen heimkehrt. Hier mag ihm wohl die Erkentnis geworden sein, daß wer klar sehen und die Zukunft mit formen helfen will, zunächst einmal für sich seihst an keinerlei begrifflich und sprachlich p;aditionelle Wertungen und Deutungen gebunden sein kann. So heißt es auf Seite 34 seiner Vorrede, die den bezeichnenden Untertitel führt: ..Die Pinge beim Namen nennen.“ wörtlich: Ich ziele bloß darauf ab, richtig zu sprechen, die Tatsachen, die ich überschaue. in Ausdrücken zuüennzeichnen, ^die sie ohne Hinterhältigkeit umreißen und sie so g^näu und glücklich definieren. als ich es nur immer vermag: , Das Buch zerfällt in einzelne, voneinander geschiedene Kapitel, die eines systematischen Aufbaues zu entraten scheinen, aber doch durch die Motivierung und Zielsetzung im ganzen Verbunden sind. Bei allem ^leidenschaftlichen Bemühen des Verfassers, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen, wirken seine Ausführungen doch ruhiger, leidenschaftsloser als solche, die außerhalb Frankreichs entstanden sind. Das mag darin seinen Grund finden, daß in diesem Lande wohl'kaum wie in anderen die Erkenntnis von der Möglichkeit einf*s völligen Zusammenbruchs überkommener Kulturen weder dem einzelnen noch der Gesamtheit in so starkem Maße zum Bewußtsein gekommen ist. Cher das oben Gesagte hinaus haben manche Kapitel (wie etwa das im ersten Teil befindliche ..Die Orgef von Chartres“) so stark lyrischen Charakter, daß man beim Lesen eher ergriffen als interessiert erscheint. Im zweiten Teil, der die Überschrift ..Das Ende desr Staatsbürgers“ trägt, wird dem Jahre 191T. ...wo nur zwei gleichermaßen elementare . Gefühle auf ganz Europa lasten . : Sorge und Verdrossenheit“ eine besondere Betrachtung gewidmet, vor allem. wVil hier Wilson entscheidend in Europas Schicksal eingreift. Jener Wilson, den Bloch auf seine Art negativ wertet und den er als den ..Sänger ans dem Weißen Hause“ bezeichnet, der die europäische Seele umgarnte. Immer weiter verfolgt B. das politische Geschehen der Zeit, um in geisttollen Bemerkungen, blendenden Antithesen und genialen Folgerungen seine Anschauung von Mensch u^d Welt im Aufzeiehnen der Kräfte zu gestalten, die s. E. den LTntergang bewirkten und durch neue zu ersetzen sind, wenn aus dem Chaos neues Leben entstehen soll. Keine politische und staatliche Form, keine pbil osopbiscbe Doktrin und keine mehr im Volkspsvchologischen verwurzelte Erscheinung entgeht ihm. Und doch empfinden wir dabei nicht immer letzte Befriedigung, weil trotz allem die Linien, die in die Zukunft weisen, nicht ganz klar zu erkennen sind und seine Forderungen doch mehr eine Folge von Abstraktionen als wirklich wirksame und praktische Lösungsversuche darstellen. (Vgl. hierzu vor allem die Ausführungen am Schluß S. 296 ff.) Ein besonderer Abschnitt ist ..den Juden“ gewidmet. Er enthält Ausführungen, die für Bloch vielleicht ein notwendiges Glied in der Kette seiner Beweisführungen, darstellen. die aber im ganzen als unhaltbar und. wie wohl auch die über das Christentum, als völlig verfehlt bezeichnet werden müssen. M. Salomon. ..Porta \igra“ von Jakob Kneip. Verlag Paul List. Leipzig. Roman. Leinen gebunden RM. '6.80. Der rheinische Dichter Jakob Kneip dürfte nicht nur iu seiner engeren Heimat, bei den Anwohnern der Eifel, auf 4 besonderes Interesse stoßen mit seinrnn Roman „Porta Nigra“, dessen Untertitel „die Berufung des Martin Krimkorn“ schon ein Weniges von der Handlung des Buches durchblicken läßt. Martin Krimkorn ist der Sohn ein^s Eifelbauern, der sich dem Altar verschreibt oder ihm verschrieben wird, und nun durch alle Fährnisse seiner jungen Jahre, durch alle Zweifel und Leidenschaften hindurch muß, bis er, an der Schwelle seiner Entschließung sieh ganz dem Priesterberuf zu weihen, vor die Frage gestellt: Vaterland oder Porta Nigra? — sich entschließt freiwillig in d^n Krieg zu ziehen. Der Dichter bewältigt diesen Stoff mit einer aus Landschaftszauber und Legendenduft gewobenen Beschaulichkeit, die nicht immer zugunsten des Fortschritts der Handlung, "mit ausladender Breite und liebevoller Kleinmalerei am Wesen und Leben des Eifelbauern teilnehmen lassen. — Wir haben es also weniger mit einem spannenc en Roman zu tun. als mit einem dem Heimatboden verwobenen Idyll, das seine Spannung einzig erhält aus der psychologischen Durchdringung seiner-Charaktere. ] 'Ungemein sympathisch berührt die freimütige, und tolerante Art der Behandlung der drei Konfessionen, von denen dem Dichter die katholische naturgemäß 4m nächsten steht, die er denn auch aus seiner Liebe zu ihr am meisten mit seiner abwandelnden Kritik bedenkt. Es scheint aber völlig unverständlich, daß. wie die ..Frankfurter Zeitung“ herich Roman aus ihren von katholischer tet, die katholischen Buchhandlungen den Fenstern entfernen, und daß auch sonst Seite gegen den ßoman mobil gemacht worden sei. Eine tiefe katholische Religiosität ist der Hintergrund aller vom Dichter geformten Gedanken. Uns Juden aber tut es wohl, einmal, inmitten einer Zeit der Verkennung und des Übelwollens, eine Stimme wieder aus dem christlichen Lager zu vernehmen, die mit Achtung und Ehrfurcht von jüdischer Frömmigkeit und Religiosität zu sprechen weiß, jüdische Charaktere im Richte ihrer Menschenwürde und ihres wahren Wertes sieht und schildert. Was hier Jakob Kneip von jüdischem Brauch und jüdischem Leben zu sagen hat. zeugt von seinem Eindringen und der Ehrlichkeit seines Wollens’. Der Roman Porta Nigra gehört alles Dichtwerken lyrischer Prosa, die fesseln o|ine:zu spannen i n allem zu den deren Beschaulichkeit nicht enttäuscht. die durch die Würde ihrer Betrachtungsweise zu, duldsamer Betrachtung hinführen. Dr. Davin Schönberger. Der H. und 12. Band ..Großer Brockhaus“, Handbuch des ( Wissens in zwanzig Bänden, fünfzehn te, j neubearbeitete Auflage von „Brockhaus Konversstidns-Lexikon“ ist erschienen.: i Wie das Brockhaus'sche Konversationslexikon schon vor 120 Jahren beurteilt wurde, mögen folgende Äußerungen aus der Vorrede zur 2. Auflage aus «lern Jahre 1812 zeigen: „Der Literator erfährt von ihm biographische und historische, der Kaufmann statistische und technologische Berichtigungen, der Politiker findet bei ihm gedrängte An- und Übersichten der Tagesgeschichte... der Elegant läßt sich von ihm die Zeitungen pnd Journale, diö Kokette die genialen -Liebesbriefchen ihrer Verehrer erkläre 32