Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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['S, 10. ' In| großen und ganzen darf man lagen, daßder Verfauer «einem Vorsatz, nach beiden Seiten hin die Wahrheit zu sagen, selbst auf die Gefahr hin, hier wie dort Anstoß zu erregen, treu geblieben ist, und daß er sich bemüht hat, Licht und Schatten gerecht zu verteilen. Ist auch manches aus einer anderen Perspektive gesehen und deckt es sich naturgemäß auch nicht nait unserem Standpunkt, so kann man doch nur wünschen, daß es viele solcher Männer gäbe, die sich ehrlich um die Lösung der Judenfrage bemühen. Man könnte dann die leise Hoffnung hegen, daß die „Schmach des 19. Jahrhunderts“, die den Himmel dek 20. Jahrhunderts noch mehr trübt und verdunkelt, endlich von uns genommen wird. Bis dahin mögen auch für uns und unseren Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung die Worte Schopenhauers Geltung haben, mit denen sich auch der Verfasser über die Schwierigkeit seiner Aufgabe tröstet: „Indem man sucht, menschliche Erkenntnis und Einsicht zu fördern,, wird man stets den. Widerstand des Zeitalters empfinden. Dann muß man sich trösten mit der Gewißheit, zwar die > Vorurteile gegen sich, aber die Wahrheit für sich zu haben, welche, sobald nur ihr Bundesgenosse, die Zeit, zu ihr gestoßen sein wird, des Sieges vollkommen gewiß ist, wenn auch nicht heute, doch morgen.“ Willy Cohn, Spinoza-Loge, I * Der Bevölkerungsrückgang der deutschen Juden, von Dr. jur. Dr. phil. Stefan Behr, Frankfurt a. M. (J. Kauffmann Verlag 1932,; 140 S.) Das Problem, das die vorliegende Schrift behandelt, ist heute zum Gemeingut geworden. Als Theilbabers Schrift „Der Untergang der deutschen Juden“ vor beii\phe vierzehn Jahren in zweiter Auflage erschienen war, schüttelten noch viele ungläubig ihre Köpfe. Die Statistik der letzten zwei Jahrzehnte hat inzwischen erschreckende Zahlen zutage gefördert. Deutschland hat heute den größten Geburtenrückgang, und innerhalb Deutschlands tritt der Geburtenrückgang der jüdischen Bevölkerung am eindringlichsten in Erscheinung, ganz besonders in Bayern. Folgen wir dem Verfasser unseres Buches, so war die jüdische Bevölkerung in den Jahren .1822 bis 1840 um ein Viertel stärker gewachsen als die übrige Bevölkerung, in den Jahren 1840 bis 1871 noch um ein Zehntel stärker; dann folgte ein« kurze Spanne Zeit, in der das Wachstum der jüdischen Bevölkerung mit dem der übrigen Bevölkerung Schritt hielt, jedoch trat eine von Jahr zu Jahr sich immer stärker bemerkbar machende Untervermehrung der Juden ein, ein Vorgang, der ab prototvper Vorläufer der allgemeinen deutschen Geburtenkontrolle angesehen werden kann. Theilhaber zitierte bereits einen Satz von Bismarck: „Sollten die Juden ausstetben, so bin ich überzeugt, daß dies für den Fortbestand des Christentums eine ungünstige Prognose wäre.“ Nach einigen einleitenden Ausführungen betrachtet der Verfasser den Geburtenrückgang vom Gesichtspunkt der jüdischen Religion (vom Altertum bis zur Gegenwart) und der allgemeinen Gesetzgebung. Im zweiten'Teil wird das Ausmaß der jüdischen Bevölkerungsabnahme geschildert. In Kapitel 4 des zweiten Teiles werden die verschiedenen Theorien behandelt, die zur Erklärung des Geburtenrückganges aufgestellt worden sind: die Degenerationstheorie, die Urbanisierungstheorie (die für die Juden nicht gilt, denn die Statistik zeigt, daß bei den Juden auf dem flachen Lande der Geburtenrückgang noch stärker ist als in den Städten), die wirtschajftlichen ''heorien, und zwar die Notstands- und nie Wohlstandsthtorie, die Zivilisationstheorie (neben anderen wird Spengler zitiert), und, kuletzt, die rationa »tische Theorie, die d is maßgebende Kennzeichen des Geiurtenrückgangs in der Rationalisierung der Sexualmoral lieht, und zu der sich Euch der Verfasser bekennt. Andere Gründe des Rückgang) der jüdischen Bevölkerung in Deutschland werden kurz erörtert, und zwar der Austritt ans dejtn Judentum, die Taufe und die Mischehe sowie dau geradezu beängstigend«: Ansteigen der .Selbstmorde unter Juden, endlich (verschiedene Formen der Gebrechlichkeit (Geisteskrankheit, Taubstummheit und Blindheit). Die geistige Soliderbelastung der Juden ist, wie die angeführten Zahlen beweisen sollen, größer als bei der protestantischen und kl tholischen Bevölkerung in Deutschland. Nicht so, meint ler (Verfasser, verhält es sich hinsichtlich der physischen Gebrechlichkeit, wie vielfach angenommen wurde. Daß die Zuwanderung ausländischer Juden in der Nachkriegszeit fast ganz ^ufgehört hat, was den Rückgang der jüdischen (Bevölkerung in-Deutschland mit verursacht, wird nicht berVorgehoben. I Da i Bueh biete: eine Fülle von Zahlen und Zitaten. Aufgabe Ider Statistiker wird is sein, die .Zahlen und die Ergebnissje, zu denen der Ver ’asser gelangt ist, zu überprüfen. [n unserer I kurzen Besprechung muß auf diese Arbeit verzichtet werden. Bezüglich der zahlreichen Zitate möchte ich bemerken, daß -sie, wie mir -scheint, eine Durcli- und Verarbeitung des Stoffes eher erschweren. Der#I.eser wird m itl Zitaten förmlich übefhäuCt. die ziemlich wahllos aus wiiisjenschaftlichen Werken, minderwertigen Zeitungsartikeln (und enzyklopädischen Abhandlungen herabsgezogen werden, j wohingegen ihm mit einer systematischen und kritisch {orientierenden Darstellung der Literatur zum Problem d«r Bevölkerungsbewegung besser gedient wäre. Man* ches ist {schief gesehen oder'kritiklos nacherzählt. So z. B. zitiert tler Verfasser «den Soziologen Fishberg, der die wachsende Sillbstmordziffer unter den Juden mit der Abnahme der religiösen Gesinnung erklärt. In Osteuropa, in Polen namentlich, ko nmen aber heute zahlreiche Fälle von Selbstmord in orthodocen jüdischen Kreisen si schaftlii her Natur.! it Del Er nen ben Tel, Haggabt or; die Ursachen sind wirt- Verfasser schöpft oft a z. B. hartnäckig den adjon „Chadnina“. Di und nicht Hagga. is zweiter und dritter Handberühmten Tanai Chanina Einzahl von.Haggahot ist Abgesehen von den hervo-gehobenen Mängeln bietet J. Kauffmann - Verlag wie die Sclj -ift Dr. Behrs, die der immer kehr gefällig herausgebracht hat, manches Nützliche zum Stnlium des Problems der Bevölkerungsabnahme unter den den1 sehen Juden, das sicher ist. das Problem unserer Zeit M. W. Jean Richard Bloch: Vom . $ (Vestin du Si&cle)• Paul In Deutschland ist J, R.Bl^ Roman|r Et Cie“ (Simler & Co. es ihm h erbei gelungen,'das Sch Elsaß (n die Normandie eingew; in umfäs ender, lebendiger ‘und sanier |D »Stellung, zu gestalten, „Destiil c u Siede“ in den Kreis gen un|d anderzusetzen versuchen. Problemen der Zeit' in I nn unseres Jahrhunderts. \ Esolnay, Värlag. ch vor allem durch seinen bekannt geworden. War cksäl einer nach 1871 vom, i nderten jüdischen Familie luch psychologisch bedeutso tritt er mit seinem leerer, die sich mit, den Frageistigen: Ringen ausein- 31■