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Der Orden Bne Briss · 1933-02-01 · Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933) · p. Seite 30

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 30 (sequence 18)
Language
German
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\ ulk, Staat und Rasse gegeben hat: „Unter Rasse verstehen -wir die körperliche Beschaffenheit, unter Volk die kult^- rrlle, insbesondere sprachliche Gemeinschaft, unter Staat die politische Geschlossenheit einer größeren Menscheoi,ruppe.“ Er kommt zu dem Ergebnis, daß ein Volk nicht ist, sondern wird, daß es dem Wandel Alles Irdischen unterworfen ist, daß aber auch die Rassen keine unveränderlichen Größen sind. Für unseren Einzelfall bleibt nichts als ein trotz aller Rassenmischung — oder7 besser dank seiner Mischrassigkeit — lebensvolles und vielseitig begabtes deutsches Volk, das durch einen mischrassigen Fremdkörper“ mehr oder weniger nicht umgebracht werden kann, zumal wenn dieser nur 1% seiner Bevölkerung ausmacht. Dächten die Antisemiten die Lehren ihrer eigenen Leute nur ein wenig durch, so' müßte ihr ganzes Rassegeschrei auf d^r Stelle, verstummen, oder sie stellten sich selbst und ihrem Volke ein furchtbares Armutszeugnis aus, wenn sie annehmen, daß hundert Hochwertige von einem ..einzigen Minderwertigen“ zersetzt und beherrscht werden könnten. „Aber sind die Juden wirklich minderwertig?" fragt der Verfasser. 6. Hierauf gibt er die Antwort in dem Kapitel: ..Die Juden und-die deutsc he Kultur“ An einer Fülle von Beispielen wird der Anteil der Juden an den deutschen Kultiirleistiitigeu in Handel und Industrie, im dank- und Finanzwesen, in Wissenschaft und Technik gezeigt. Der philantropische Zug vieler Juden, das jüdische Nfäzenatentum werden^hervorgehoben. und besonders wird der Anteil der deutschen Juden am spezifisch deutschen Geistesleben in ■Kunst? und Schrifttum gezeigt. W elch eine Fülle hervorragender Menschen und Leistungen! Dies Kulturjiidentum. wie es der Verfasser nennt, sei oft von einer Großzügigkeit, an der sich andere ein Muster nehmen könnten. Zweifellos weise das Judentum auch eine ggnze Reihe von Schädlingen in allen Berufen auf, von den großen Finanz- -chiebern und Ausbeutern bis zu kleinen Betrügern. Was Juden aber hier gesündigt hätten, sei nur ein Ausschnitt aus einem Gesamtbild, und es sei der Gipfel der Ungerechtigkeit oder fin schlagender Beweis, bösen W illens, wenn man allein solch jüdische Teilerscheinungen brandmarke und sie ..den Juden“ zur Last lege. Die jüdische Presse oder wenigstens da' ang« blich herausfordernde deutschfeindliche Treiben radikaljüdischer Großstadtcliquen, das sich in einem Teil der Presse, in Kunst, Literatur und Politik breit mache, hat den besonderen Zorn des Verfassers hervorgerufen. Alles Nationale werde in den Schmutz gezogen, lächerlich gemacht oder totgeschwiegen, alles Jüdische lärmend gepriesen und in Schutz genommen. Der Verfasser zitiert* dabei Joseph Nadler, der sich zu der Behauptung versteigt. daß -ich das Übergewicht der Juden im modernen Literaturbetrieb auf das Talent zur 'Ausnutzung wirtschaftlicher Situationen gründe, aber er gibt doch zu, daß die Schuld wesentlich auf der Gegenseite liege, wo man die verschiedenen Möglichkeiten nicht so rasch erfaßt und ausgenutzt habe, und wo man zumeist für wahrhaft nationale PläBe weder Geld noch Interesse habe. Und er ist der Meinung, daß es den . Juden Vvenig nützen wird, wenn sie auf alles Jüdische verzichten und sich .sämtlich taufen ließen, solange es einen Rassenantisemitismus gäbe, der über jeden jüdischen Namen, jede jüdische Nase in Aufregung gerate und den Träger dieser Merkmale^ als „Fremdkörper“, .. \ dem „Lande der dem „Vaterland“, „Schädling“ und als minderwertig brandmarke oder ihn tätlich angreife. Man schaffe einen selbstbewußten, deutschen Nationalismus ohne antisemitischen Einschlag, dem sich dier Juden anschließeu würden, aber man lasse diese unbehelligt wegen ihrer körperlichen Merkmale die sie nicht ändern können, und wegen ihres Glaubens, den sie nicht preisgeben wollen. 8. Zionisten und Ost juden hällj der Verfasser für Störenfriede. Den ersteren wirft er Vor, daß sie die Theorie von den „zwei Vaterländern“, Väter“, in dem sie geistig wohnten, und in dem sie.geboren waren und körperlich wohnen blieben, erfunden hätten, um nicht in der Kalkkrüste Judäas nach Art der Patriarchen hausen zu müssen, j Soweit der Zionismus über sein ursprüngliches Ziel, die Ansiedlung in Palästina, hinaüsschleße und zum Kulturzionismus werde, sei er ein wesentliches Hindernis für die Lösung der Judenfrage und daher ebenso zu bekämpfen wie aer Antisemitismus. Das Osljudentum aber sei eine ständige ^Jefahr für das verarmte, zerstückelte Deutschland von heulte, das weder Brot noch Wohnung für seine Einwohner, geschweige denn für oftlästige Ausländer habe. Dem Vorwurf, daß die ostjüdischc Einwanderung im Weltkrieg, als es |ins an Arbeitskräften fehlte, mit Duldung und Förderung der kaiserlichen Regierung erfolgt sei, wird mit der einfachen Feststellung begegndt, daß kein Volk der Welt eini Humanitätspo'iitik treibe, die ihm selber schade. Das ist ein ebenso einfacher wie bequemer Standpunkt, und man klann dem Verfasser der „Gerechtigkeit“ den Vorwurf nicht ersparen, daß er liier der Situation durchaus nicht gerecht wird und hinter einer Phrase die Schuld Deutschlands Verbirgt. Auch die größte Not gibt einem Volke nicht das Recht, Menschen aus denk Lande zu jagen, deren Hilfe man seiner Zeit erzwungeo und nur zu gern in Anspruch genommen hat; und daß man sie in die Heimat abschob, wo lihrer als Juden und | ’ | ..Helfer der Feinde“ ein doppelt grausämes Schicksal wartete,’läßt die Schuld Deutschlands nur um so greller erselieineU. Die Einstellung des Verfasser^ zu dem Zionismus aber bleibt doch zu sehr an der Periphejrie, als daß man ihr vom jüdischen Standpunkte aus ohne weiteres folgen könnte. 9.; Damit ist das Wesentliche, das der: Verfasser zur deutschen Judenfrage und zu ihrer Lösung iju sagen hat, wieder-1 gegeben. Er spricht noch über Judentum, Inter-, nationalismus und Demokraji e, wobei er sich bemüht, der Stellung der Juden gerecht zu werden. Aller- Gebiet nicht folgen. >litisch rechtsgerichdings kann man ihm auf das politische Hier sieht er die Dinge von seinem po toten Standpunkt aus. Wenn er schreibt, die politische Entrechtung der Juden sei bisher nur ein agitatorischer Pro- Hgrammpunkt, eine Drohung der Gegner gewesen, in der Praxis hätten sie vielmehr eine Vorzugsbehandlung genossen, sp ist es schwer, darüber keine Sal ire zu schreiben. In h wohl anders aus. er in den Schriften pielt, hätte man in der Wirklichkeit sehen die Dinge do« i Auch yiuf den Hinweis auf Shylock, c unserer Gegner eine so große RolLe i einer Schrift, die „Gerechtigkeit“ betitelt ist, gern verzieh tet. Was will der Verfasser damit sagön? Eine von einem Dichter ersonnene Figur, die Gerechtigkeit als verkappte Rache fordert, kann doch nicht als charakteristisch für alle Juden gelten. „Die wahre Gerechtigkeit der Verfasser. Gewiß; aber hat er sie Juden gefunden, die der Welt das Sil tengesetz der Näch stenliebe geschenkt haben? . i ist hochherzig“, sagt nicht auch bei den 30

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