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Der Orden Bne Briss · 1933-02-01 · Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933) · p. Seite 22

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 22 (sequence 10)
Language
German
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1 »ich au» innerer übei Zeugung in ihrer religiösen Gesinnung -vom Judentume wegyvenden und übertreten. Gegen »ie sage, ich nichts. . Gegen Juden aber, die das J udcntum aus moralisch anrüchigen Gründen verlassen, gibt Cs nur eine Haltung, die von der Auffassung des (.hillul haschem einer solchen’ Handlung, von der Auffassung des Verrates an der eigenen Sache diktiert sein muß- Im einzelnst Falle sind diese Dinge gewiß schwer.. Man darf aber innerlich mangelhafte Persönlichkeiten äußerer Erfolge wegen nicht glorifizieren. In unserem Jlcwußtsein muß eine solche Persönlichkeit als moralisch minderwertig gehrandmarkt dastehen. Vielleicht kann man manchmal getaufte Juden Hiebt vermeiden, aber eines muß feststehen: wir suchen sie nicht auf und laufen ihnen-nicht nach. Eine zweite Frage, die hiermit im Zusammenhang sicht, ist die Frage unserer Haltung zu den aus der Gemeinde Ausgetretenen. Heute ist die Frage der Erhaltung unserer Gemeinschaft durch die Erhaltung unserer Gemeinden dringend. Es gibt keine Gemeinde, die einen Juden durch Steuerbelastung so aussaugt, daß er finanziell erstickt. enn so etwas' von jemandem zur Begründung seines Austritts aus der Gemeinde behauptet wird, so ist das ein reines Märchen. Ich kann für ein solches Motiv des Geizes und der Hartherzigkeit, selbst v. <-nn es sich um meinen eigenen Bruder handeln würde, I in Verständnis anfhringen. Ich weiß natürlich, daß,-die Innehaltung dieses Grundsatzes besonders in kleinen Gemeinden sehr schwierig ist. Ich kenne solche Verhältnisse, aber worauf es inkomn.it. ist, daß das Prinzip bei uns stärker werden muß. Halten wir nicht an diesem Prinzip fest, dann werden wir erleben, daß viele, wertvolle Gemeinden ihrem Ende entgegen gehen. Derjenige, der sein Ohr auf den Boden legt und horcht, hört wie heute bereits eine große’Neigung zum Abfall von der Gemeinde vorhanden i»t. Man sucht nach Gründen für ihn. Man. wird sie finden und sich gar noch den I.orbeerkranz des ethisch werttollen Menschen um den Kopf winden, V' ic seiner Zeit, als sich die Selbstmordepidemie unter den Juden ausbreitete, Männer offener Gesinnung nnd v armen Herzens aus unserem Kreise zu unserem Kreise s,,rachen, müssen wir auch jetzt zur Frage des Verbleibens in der Gemeinde von .unserem sittlichen Stand- I unkte aus Stellung nehmen. Hier muß gehandelt worden. Ich komme nun zur inneren Ausgestaltung des Eigenlebens und sage hier: fort mit der. Phrase, mit unwahren Lohsprüclien! Hir sind keine Vereinigung zur gegenseitigen Beweihräucherung. Es ist unerträglich, was in dieser Beziehung immer noch geleistet wird. Dann aber komme ich zu dem Hauptpunkte. Wie kann die innere Arbeit in unseren Logen fruchtbar gefaltet werden? Ist, nicht das Wort von der „Arbeit“ in 4er Loge zu einer hohlen Phrase geworden? Von. einer Verarbeitung der Dinge, die in der Loge behandelt^ werden, ist keine Rede. Ich sehe zunächst ein Hauptunglück unseres Logenlebens in den langweiligen und schlechten Vorträgen, in den abgelagerten Literaturvereinsvorträgen, die immer noch in vielen Logen gehalten werden. Was könnte man tun, um diesem Übel zu steuern, was ist der Loge auf den Leib geschnitten? Eine größere Heranziehung des geistigen Ausschusses zu der geistigen Arbeit in der Loge ist heute „zu einer inneren Notwendigkeit geworden. Als ich 1911 in der Großlpge den Antrag auf Schaffung eines geistigen Ausschusses stellte, sah man mich als einen Revolutionär an. Heute ist der geistige Ausschuß und seine Mitarbeit in den Logen eine Notwendigkeit. Heute versteht man es bereits, daß man immer wieder d^h1 geistigen Ausschuß befragen muß, damh er den Lögen das Material gibt, um die Menschen in den Logen lebendig zu machen. Ich möchte, daß der geistige Ausscjhuß vor allem die Tatsachen des Lebens und im besonderen die Tatsachen des jüdischen Lebens zusammenstellt^ die für die Bildung des eigenen Urteils notwendig sind. Die Bildung eigenen Urteils ist doch eine conditio fine qua non für unser Logenleben. Die Logen sollten jie Menschen nicht nur beruhigen, sondern ihnen klar jmachen. was heute vorliegt. Wenn ich den Menschen sage — um ein Beispiel zu nennen — warum die Wirtschaftskrise notwendigerweise kommen mußte, wird der Meqsch, der es hört, von selbst ruhiger werden. Nur derjenige| der die- Dinge nicht übersieht, wird von Ängstlichkeit erfüllt, die schließlich zur Verzweiflung führt. Darum ist l^eute die Unruhe unter den - deutschen Juden so groß geworden. Die Menschen wissen nichts von den inneren Zusammenhängen der Dinge. Derjenige, der die Zusammenhänge kennt, weiß, daß die Entwicklung so( kommen mußte, wie sie gekommen ist, daß diese Entwicklung noch gar nicht ihr Ende erreicht hat. In dem Auf und Ab ider Entwicklung, die heute so stürmisch geworden ist, muß die Loge ein Ruhepunkt sein, ein Ruhepunkt, in dem den Menschen Aufklärung über die Tatsachen des Lebens gegeben wird. Für diesen Zweck müssen wir allt Formen moderner Propaganda und, Aussprache in Anspruch nehmen. Warum denktj man in den Logen zum Beispiel nicht daran, alle Fragen des Lebens statt in einem manchmal ach zu ruhigen Referate in der Form einer kontradiktatorischen Anssprache behandeln zu lassen? Ich komme zur Frage des Nachwuchses jfür die I.ogen. Auch ich möchte in diesem Zusammenhang Vorschlägen, in Fällen, in denen es notwendig | ist, den Beitrag zu erlassen. Menschen von wertvoller Arl gewonnen werden, auch, wenn die Loge hierbei finanzielle Opfer bringen muß. Eine ganz ander|e Frage freilich ist die Frage der Heranziehung der politisch radikalisierten Jugend an die Logen. Ich möchte Ihnen, um Ilmen die Stimmung in diesem Teile Jugend ganz klar zu machen, eine Antwort vorigen, die unserer 22

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