Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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I nicht »las Alter zu geringerem hinstellen will. Das Alter, «las zum Lehren berufen ist und-berufen bleiben muß, doch auch unterrichtet durch, die Jugend, das sollte in unseren Logen zur Wirklichkeit werden. Un«l ist das nicht auch der beste Weg zur Autorität des Alters? So? wird ja die stärkste Autorität des Lehrers, wenn er sich von Kindern, von Jugend auch unterrichten läßt; das ist Autorität, die dauernd bleibt. Das ist die Aufgabe, die uns gestellt ist. Jeder hier in diesem Kreise, jeder Expräsident — und Expräsident sein bedeutet nicht, seinen Abschied nehmen, sondern in einen unsichtbaren Senat eintreten — ist vor sie hingeführt. Von ihr hängt die Zukunft nicht nur unseres deutschen Distriktes, sondern — denn ein Gleiches ist überall — die Zukunftunseres Ordens ab. enn irgendeine Zeit der Erfüllung dieser Aufgabe günstig jsl, so ist es die unsere. Wir sind in Zeiten der Sorge, Sorge um den Platz unserer Arbeit, Sorge um «len Platz unseres Rechtes. Sorge um die große Gemeinschaft im Ixinfle. / In dieser Sorge verlangen Menschen «loppelt nach «l«‘r Gemeinschaft. Die Jugend auch verlangt nach ihr. Heute ist darum die Stunde für die Erfüllung dieser — Aufgabe: «lie Jugend zu suchen un«l ihr zu sagen, daß wir Menschen suchen, Juden suchen und nicht menschlichen Rang und menschlichen Besitz Suchen, daß das I’or für den Menschen aufgetan ist. W enn irgendwann, so haben heute unsere Logen ihre ganze Bedeutung. Heute ist «lie Stunde für die neue Jugend in unseren Logen geworden. Darum zum Schluß ein Letztes: Jede Minorität lebt \ oiii großen Gedanken. Wo Menschen die vielen sind, dort liegt in «lieser Menge ein Bezwingendes, auch ein Großes. Wo Menschen die wenigen sind, dort bedürfen sie ger großen Ideen, damit sie nicht innerlich klein, innerlich wenig .werden. Wir Juden können darum «len großen Zug. die große Linie^ die großen Gedanken nicht «•ntbehren. >R enn wir geistig und seelisch klein würden, dann hätte unsere Geschichte abgedankt. In Zeiten wirtschaftlicher Sorge, in denen der Pfennig die Bedeutung gewinnt und gewinnen soll, Zeiten, in «leneh das alte jüdische Erbe der Sparsamkeit wieder Aufgabe werden soll, in solchen Zeiten, in denen auf '«las Kleine geachtet x\ erden muß. ist «lie Gefahr drohend, daß «las Kleine in die Seelen einzieht, daß wir seelisch Proletarier im argen Sinne dieses ortes werden. Wir dürfen dieser Gefahr nicht erliegen. ir wollen und müssen mit dem Kleinen, mit dem Pfentiig. rechnen, aber wir wollen «laruni nie kleinlich werden. Oft ist ja der an Besitz Arme großzügiger als der Reiche. Armut hilft der Armut gern, ist ein altes Wort. IS enn zu uns die jungen Menschen kommen, die wir holen xx-ollen, die nichts mitbringen als ihr Menschliches und Jüdisches, wenn sie in unseren' Logen den kleinen Zug finden, dann müßten wir ein »nderes Tor aufbrechen, das Tor, zu dem sie wieder rinausgehen wollen. Für uns ist der große Zug, die Fälligkeit, groß zu denken, audi in der Enge, die uns jetri| wirtschaftlich bedrängt, Lebensbedürfnis für «len Einzelnen und »für die Loge. Gerade von den besten unter |den Jungen xvir«l oft geklagt, daß an die Stelle des Respekts vor dem Kleinen die Kleinlichkeit tritt, die. sich auch der Seelen bemächtigt, die Kleinlichkeit auejh ih den Kämpfen, die dann zu Streitereien wurden. |jnd darum "darf das Wort zu den Expräsidenten gesprochjen werden: Denkt an die euch gebotene Weisheit: Weisheit bedeutet Großzügigkeit. Seid zu stolz für das ^Kleinliche, sei«I in allem Menschen der großen Linie, ^es großen Zieles. Nut dadurch werden wir die Jugend,j deren wir bedürfen, in unseren Logen zu den Unseren machen. Gewiß, es muß immer wiederholt werdest, das Gebot der Sparsamkeit wird über jedem Programm der Loge geschrieben sein. Aber die Frage ist immer, und darin entscheidet sich menschlicher, jüdischer Wert: xvofür bist du sparsam, und worin hast du di^ so leicht geöffnete Hand? Wenn es das Buch gibt,'voi «lern die alte Erzählung kündet, in das der Mensch sjelber sein Lehen einschreibt, das Bild seines Charakter^ einzeichnct, in diesem Buche steht geschrieben, Worin der Mensch sparsam war. Das wird das Buch auch von der Geschichte unserer Loge sein. j < Die eine große Sorge, die alle Fragen sonst zurück- «lrängt, und in deren Aspekt alle die andere^ Fragen stellen, ist so die, die schon aus den Ziffern sprfcht. Wir sind alt geworden. Für uns ist .Alter sicherlich kein Wort eines Absprechens; für uns ist es ein Wprt voller Be«leutung. „Alt ist, wer Weisheit erworben hat.“ Alt ist der Adel, alt sind die, welche wahrhaft sertatorische Würde erworben haben. Aber ein Alter ohne Jugend, «las wäre Vereinsamung und Verlassenheit sondergleichen. Wir haben so manche Einsamkeit kennen lernen müssen: Einsamkeit in unserem Vaterlande, Verlassenheit, die uns so oft beschleichen will in unserer Heimat, Einsamkeit durch das Parteitreiben. Sollen wir nun einsam werden in unseren Logen auch, ejnsam dadurch, «faß dort die Alten allein sind" und dje Jugend fehlt? ✓ 1 Das ist die Aufgabe. Jedem von Ihnen ist sie anvertraut. Brechen JSie das Tor auf, durch das die Jugend einzieht! Das Leben der Loge ist Ihijen damit anvertraut. Möge, wenn wir in vier Jahren Wieder zusammen sind, ein Wort des Dankes also gesprochen werden können: jeder hat diese Aufgabe begriffen, jeder von uns hat auf seinem Platze sie erfüllt. 20 I