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Der Orden Bne Briss · 1933-01-01 · Nr. 1 - Januar (1.1933) · p. Seite 8

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 1 - Januar (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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•3*r Propheten verliehen haben. Kein Geringerer als Maxim Gorki nannte Bialik «len Hiob des 20. Jahrhunderts. Oft ist er auch mit Jeremias verglichen wonlep. noch öfter in eine Reihe mit Jehuda Halevi gestellt. Seine ..Zorn"gediclite reichen nahe an die ..Megillath Echa“. manche erinnern ganz unwillkürlich an die bekannte ..Tochacha“. (Strafandrohungen im Pentateuch.) ‘Stets ist aber «las Jüdische bei ihm das Menschliche schlechthin..’ Der Dichter des ..Matmid“ ist der stärkste un«l reinste Lyriker «Irr neuhebräischen Literatur. Wer donnern. anklagen und fluchen konnte, der meißelte in d«*r alt-neuen hebräischen Sprache plastische 'Naturscliihlerungcn. die als Denkipäler lyrischen Erlebens un«l Ausdrucks« ihren «lauernden Platz über die kreuzen der neadicbräischen Literatur liinaur behaupten werden. Ein so origineller Dichter, der so viel aus eigener Quelle schöpfte, verschmähte es nicht ältere, verschüttete Quellen freizulegen. So erneuerte Bialjk auch tlas alte jüdische Volkslied. Allere überlieferte \ olkslieder situf unter seiner Hand Perlen jii«lischer \ olksdiohtung geworden. - Der Dichter Bialik ist auch auf anderen Gebieten schöpferisch. Bialik «1er E r z-ä hier steht dein Dichter nicht viel nach. Hiet1 erweist er sich als* feiner Beobachter, als Reali-t mit feiner psychologischen Einfühlung und nicht ohne Humor. \ iel Wertvolles hat Bialik auch auf dem Gebiete der Kritik und P tt h I i z i s t i k geleist«‘t. I.r schenkte der hebräischen Literatur ebenfalls eine. Reihe mn Ü h e r < e t z u,n g e n aus der W eltliteratur: Schillers ..Wilhelm Teil”. Cervant«*s ,:Don Quichotte”, ilazu auch Vnski’s ..Dyhuk”. Als Dichter, als Schriftsteller-überhaupt und als Übersetzer erwies sich Bialik als der große Sprachnieister. Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, daß seit Jahrhunderten «lie hebräische Sprache von niemandem in solcher schöpferischen \ ollkommenheit beherrscht und gemeistert wurd? wie von Bialik. . Absr auch die jiddische .Dichtung hat Bialik sehr viel zu verdanken. Bialik begnügte sich nirht mit der Krone des Dieliters und Freischaffenden. Aus tiefen dichterischen Interessen wurde er immer wieder . zu jüdischen literarischwissenschaftlichen Problemen gedrängt: Sein W eg zur jüdischen Antik«* führte ihn zur A g g a <1 a. Sein gemeinsam mit seinem Lebensfreund R a w li i I rk i verfaßtes ..Sefer Ha-Aggada” ist die beliebteste und bekannteste Sammlung jüdischer Legenden. Aussprüche usw.. geschöpft aus dem -Talmud. Midrasch u. «lergl. ‘ Wenn «lie Sammlung der Aggada mehr «lern \ olke und der Erziehung dienen -oll. so wollen seinr^ Ausgaben der "Gedichte von Ben *« a h i r o I . Ihn E s r ä u. a. auch der reinen W i s s e n - scliaft dienen. Bialik ist hier hauptsächlich Jiestreht, «lie jüdische Poesie des Mittelalters zu erneuern. Auch hierfür’ werden alle Frrunde der jüdischen Wissenschaft ihm größten Dank wissen. Lnd auch das sei nieht unerwähnt: ilialik.- der Erneuerer der Aggada. hat das tiefste Verständnis für dir jüdische Halacha bewiesen. Sein ftuf zur * Briefe an den O. B. B. Berü^sumschichtunq und Handwerk I nter Bezugnahme auf den fn Nr. 9 erschienenen Artikel . BerufsuOischichtnng und Handwerk” schreibt uns die w”. Lpibnit-Loge. Hannover, folgendes: Wenp von ..Berufsumschichtiing und Handwerk“ im Jude^un^ gesprochen wird, muß darauf hingewiegen werden. daß die älteste Institution, welche den Gedanken der ßerufsumschiehtung in die Praxis umgesetzt hat, die Israelitische Gartenhausehule in Ahlem (hei Hannover) ist. — Die Leitung der Gartenbauschule zeigt Brüde^p. die sich in Hannover” vorübergehend aufhalten oder ' sich auf der Durchreise befinden, jederzeit gern die Anstalt..— Hier wird in zäher Aufbauarbeit etwas geleistet, was sowohl den Idealen unseres Ordens als auch den Zeiterfordernissen ent* dichterischen Persönder großen geistigen die aufe «ler Tiefe des Halacha (in seinem berühmten Essay „Halacha und Aggada“) hat größte Beachtung gefunden. In «len letzten Jahren ediert Bialik die Miichnah mit eineiji von ihm verfaßten Kommentar, der wegen seiner Kürjte, Prägnanz und Klarheit den besten Talmud-Kommentaren zur Seite gestellt werden wird. j Bialik erlangte einen Weltruf und wu^de in viele europäische Sprachen übersetzt. Seine Ge«lic)hte und Essays sind auch in deutscher Übersetzung erschienen. Freilich, wer Bialik richtig erleben will, muß schon zum hebräischen Original greifen. So viel gestalten«! und auf vielen Gebieten schöpferisch Bialik auch ist<> ist er do«h eine vollkomineij geschlossene Persönlichkeit, 'die einem besonderen Gesetze «ler Einheit gehorcht. Dieser lichkeit. die immer mehr zu einem Führer des Judentums heranwächst, Judentums schöpfend, Jüdisches neu gestaltet und offenbart, gilt auch heute unser Festgruß und Dank. Br. Gustav Feldmann 60 Jahre Expräsident Dr. Gustav Feldmann, unserer Besten einer, ist 60 Jahre alt gewor«Ieii. In jungen Jahren beteiligte er sich an «ler Gründung «ler Stuttgart-Loge und Erlangte durch seine klare Sprechweise, seinen klugen Rat« sein mit gut «leutscher Gesinnung verknüpftes, charaktervolles Judentum hohes Ansehen innerhalb «ler Loge, die ihm| sehr bald «las Ehrenamt des Präsülenten anvertraute. j über «lie Grenzen unserer Loge um! Heintatstadt hinaus ist Br. Feldmann in der deutschen Judenheit l(ekartnt geworden einmal als Streiter im Centralverband d. S^. j. Of:, dessen W iirtt. Landesverband von ihm geleitet wir«^ und dessen Hau ptvorstand in’Berlin er seit vielen Jahren dngehört, dann als sachkundiger und erfolgreicher Vorkämpfer der jüdischen Krankenpflegerinnen-Sache. Der im Janre 1900 von der Stuttgart-Loge eingesetzte Ausschuß zur Ausbildung jüdisch« r Krankenpflegerinnen stand unter der tatkräftigen und zielliewußten Führung von Br. Feldmann und konnte schon im , lalire 1905 hier als eigener jüdischer Krankenpflegerinnen-Verein (jüdisches Schwesternheim Stuttgart) ins Lehen treten. Dieser Verein, mit der Stuttgart-Loge organisatorisch verL unden. hat sich unt«w der langjährigen unil aufopfernden Vorstandschaft von Bruder Feldmann innerlich und äußerlich glänzend entwickelt und in Krieg und “Frieden vorbildlich bewährt; nach dem einige Jahre nach!dem Kriegsende erfolgten Ausscheiden von Br. Feldmannl setzte das Schwesternheim auf Grund der von ihm aufgesiellteii Prinzipien seine selbstlose Arbeit fort und erntet nach wie vor hohe Anerkennung von christlicher, wie jüdische^ Seite. Das Schwesternheim ist das liebste „Kinil“ unserer Loge. Die Stuttgart-Loge ist stolz darauf, in Br. JExprisident Feldmann einen Mann von hervorragendem Wissest und Können. einen'Mann von nie versagendem Idealismus und unerschütterlicher Rechtlichkeit in ihrer Mitte zu halben. Möge er uns noch lange Jahre erhalten bleiben!1 H. W. spricht. In der« Ordenszeitung vom Februar 1931 wurde Sinn und Zw-eck der Ahlemer Anstalt näher gescliildert und seitens der w. Leibniz-Loge, die das Protektorat |über diese Anstalt ausübt, der Wunsch ausgesprochen, daß dpr gesamte 8. Distrikt die Ahlemer Anstalt tatkräftig uqterstüfzen möge. Diesen Appell richten wir auch heute wieder an alle Brüder, damit dem Gedanken der ßerufsumschiehtung in praktischer. Weise gedient und möglichst vielen jungen Leuten die Müglkhkeit gegeben wird, sich zum praktischen Landwirt oder Handwerker auszubilden. Beides ist in Ahleip möglich. Neben dieser Ausbildung werden auch in eine^ staatlich anerkannten Volksschule Knaben von dem sechstep Lebensjahre an aufgenommeh, die zunächst ihrer Schulpflicht genügen und im Anschluß hieran Gelegenheit haben, die Landwirtschaft oder einen Handwerksberuf zu erlernen. 8

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