Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 1 - Januar (1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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neuern, daß er einer Gemeinschaft sich angeschlossen hat, die ihm an persönlichen Werten bietet, was er anderswo nicljt findet. So gliedern sich auch Feste und Brudermahl, recht geleitet, ein in jenes System der inneren Propaganda, ohne die der Orden gewiß nicht wird bestehen können. 'S ir haben unsere Logen durch diese Jahre hindurchzuführen, „in diesen Tagen, in dieser Zeit“- Die '/.fit ist selber ein Übergang. Eine Epoche geht zu Ende, eine neue kommt. Was sie bringt, weiß keiner. Jetzt muß es sich herajjsstellcn, ob unser Orden nur die europäische Nachbildung eines amerikanischeiw Vorbildes ist, das vor fünfzig Jahren nach Deutschland verpflanzt wurde, ein Kind seiner Zeit, das mit dieser altert und abstirbt, oder oh er die stärkere Lebenskraft in sieh hat, die nicht an die besondere Form einer Generation gebunden ist. sondern sie alle überlebt, indem--sie sich stets erneut. Dieses Experiment verlangt eine Energie, wie wir sie noch niemals aufzuwenden brauchten. Erinnern wir uns an die begreiflichen Widerstände, die die unumgängliche Aufnahme von kleinen Angestellten und von jüdischen Menschen mit ganz abweichenden politischen und jüdischen Anschauungen notwendig mit sich bringen wird! In ihrer Bewältigung m^iß die Loge ihre Lebenskraft sind ihr Lebensrecht erhärten. Sie muß erweisen, daß ihr Lehen nicht notwendig an die Gestalt geknüpft ist, in der es sich vor fünfzig Jahren verkörpert hat. Ihre Zukunft wird mit Qottes Hilfe 1 bekunden, daß ihr Geist auch heute noch seinen Körper umhaut und neu haut. Die erste Welt, die Gott geschaffen hatte, ist durch die Sintflut vernichtet worden, aber die andere, die aus ihr herauswuchs, war nicht völlig, neu. Der Beste der versunkenen Welt, Noah, war zugleich der Anfang der erneuerten. Vielleicht leben — . . 1 auch wir in einer .Epoche des Untergangs und der Wiedergeburt, in der jene Wlelt endet, dereij Kinder wir alle sind. Wenn dann' eine andere kommt, wird auch sic nicht aus dem Nichts emportauchen, Sondern das Beste der Vergangenheit wird, auch in ili r leben und schaffen. Sorgen wir dafür, daß wir dann nicht fehlen! Symbole Von Rabbiner Dr. Fuchs, Chemnitz. Das 20. Jahrhundert stellt vieles auf--den Kopf, was dein 19.. Jahrhundert als unverbrüchlich galt. Den Glauben an das Normale, -Vllgemeingültige, ersetzt es durch ein^-W ertschätgung des Einmaligen, der Nuance, de/E igenen: an die Stelle der Menschheit setzt es die Nation oder die Kulturepoche, an die Stelle wissen- »ehaftlicher Wahrheit Relativität und Subjektivität, an Stelle der Einflüsse von draußen Seele. Gemüt und \\ illen. Eine solche Umwandlung hat sieh auch gegenüber dem Begriff des Svmbols vollzogen. Dem 19. Jahrhundert galt” das Sinnbild als ein Kloß willkürliches und däruni gleichgültiges konkretes, /eichen für ein Innerliches, das die Hauptsache ist. Als Nebensache verachtete der \\ ahrheitsdur’stige es. zumal da es die Wahrheit oft verschleiert, ja oft genug an die stelle der W ahrheit tritt. Schoii Hohhes hatte darauf hingew iesen. «laß Wxirte l und das Wort ist ja eines der ältesten Sv tnhole für Geflachtes! t. daß Worte nur wie ■'pielmiinzeii für «lie Begriffe sind, und hatte damit das W «>rt entthront. Ebenso verwarf besonders die zweite Hälfte «les 19. Jahrhunderts alles Symbolische: Kunst "alt als\ ernt'lxdung. Gestik als falsches Pathos; Nietzsche wurde wegen seines Dithyrambus nicht anerkannt; '•prarlie und Darstellung des Dramas wur«le naturalistisch, der Tanz'''sinnloses Siehdrehen: die Malerei gab nackte Impression: «lie Religion^sowohl «1er jüdische Liberalismus wie die ..Geheimreligion der Gebildeten“, verwarf die Formen als Fassade und Ornament: tuul die Loge <le* U.O.B.B.. die damals gegründet wurde, sah ihren Ruhm in ihrer .Armut an Svmbolen! Daß tlies«‘ Beurteilung des Symbols einseitig ist, liegt für im« heute auf «1er Hand. Das Symbol ist eines der stärksten Mittel des-geistigen Fortschritts überhaupt: Ohne Fingerheben hätte «1er Mensch nie zählen nnd rechnen gelernt; ohne Schrift keine Bildung, ohne Gestik kein Drama! Alle späteren Symbole sind Verkürzungen für lange Reden, und Sparmaßnahmen der menschlichen Natur, die immer wieder bin reicheres innl intensiveres Innenleben ermöglichen, weil sie durch ein knappes Zeichen akustisch oder visuell eine Fülle von Gedanken zusammenfassen, mit denen der Geist dann 1 leichter 'weiter arbeiten, kann. Sie sind wie eine mathematische Formel, mit der man abgekürzte Rechnungen vollziehen kann, «lie sonst unmöglich wären. Nachdem etwa das Hutahnelunen Symbol des Grußes geworden ist t— wiev iel Verfeinerung Differenziertheit und Kompliziertheit ist seitdem in das Grüßen gekommen! Od«*r, um ein religiös«^ Beispiel zu neunen, wer den Subhath kennt, für «len bedeutet „der ewige Sabbath“ eine Bereicherung des Begriffs Messiaszeit und Jenseits, die «lein . nbgeht, «1er nie einen Sahbath richtig gefeiert hat! Un«I die ganze Plastik der Jargonsprachc beruht darauf, daß sie die ungeheure Fülle «ler jüdischen Syirjbole benutzen kann. Dieser Wert des Symbols: «lie j Bereicherung unserer Gedankenwelt, «lürfte ohne weiteres klar sein. ' Dazu kommt ein viel Tieferes: Das, ebengenannt«1 leiern des Sabbatlis ist ja auch eine Bereicherung «les eigenen Innenlebens, um die der Nichtfciemde ärnwr ist. Hier zeigt sich, daß «las Symbol seine Bedeutung nicht bloß in dem Geistigen hat, auf das es hinweist, sondern «lall es allmählich auch ciii eigen«» Innenleben «•Hangt. Das Fasten am Jom Kippur regt zwar ursprünglich zur Reue an, dann aber wird es ein eigenes, seltsames Erlebnis, das z. B. von «len Kindern fast wie ein Genuß ersehnt wird. W er in der Laubhütte sitzt, wird nicht nur, wie es ursprünglich beabsichtigt ist, an Menschenschwäche und Gottvertrauen gcpnalint, sondern die Stimmung «ler Laubhütte ergreift die Seele unmittelbar; ein Mysterium senkt sich auf den, Menschen, der I