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Der Orden Bne Briss · 1933-01-01 · Nr. 1 - Januar (1.1933) · p. Seite 2

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 1 - Januar (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Mitgliedsrechte ruhen ..., wenn ein Mitglied in Konkurs verfällt, sofern der Ehrenrat es anordnet, und solange er seine Anordnung aufrecht erhält, während der Dauer des Konkursverfahrens!“ Dieses bedenkliche Kompromiß zeigt den schweren Emst der läge und des Problems, es ist ein Symbol für den furchtbaren Handel in den Vermögens Verhältnissen des jüdischen Bürgertums, aus dem wir uns rekrutieren. ]0'/r aller Bruder des deutschen Distriktes sind von der Beitragspflicht völlig befreit. Eine Reihe von Maßnahmen soll «len Logen helfen. Der'Großlogenbeitrag ist allgemein auf 10 RM herabgesetzt. Für Brüder, die keine Beiträge bezahlen, brauchen die Logen nur 6 RM jährlich an die Großloge abzuführen. Im allgemeinen ist .heute die vor Jahren noch umstrittene Staffelung der Beiträge als berechtigt anerkannt. Die Logen sind ermächtigt, in bestimmten Fällen, besonders bpi der Aufnahme von Söhnen und Schv\ iegersöjjnen voti Brüdern, auf das Eintrittsgeld, ja sogar auf den Beitrag zu verzichten. Besonders bewährt hat sich die monatliche Einziehung der Beiträge. Allgemein hat sich die. Überzeugung durchgesetzt, daß im Drange der Not die Logen auch ihre Fonds für deren Zweck«* aiigreifen dürfen. ♦ Das Logenlelx'lt v\ir<l aufreehterhalten mul erfrischt, wenn eine andere große Aufgabe, die Propaganda nach außen, die Gewinnung neuer Mitglieder, mit Ernst und Erfolg diirchgefülirt wird. Hier aber türmen sich «lie Schwierigkeiten. Neuaufnahmen sind in «len jüngsten Jahren seltener geworden. Die Zahl der Brii«ler ist zurüekgegangen. Führende Brüder machen gelteml, unmittelbar nach (lern Kriege und während der Infla-• tion s«-ieine erhebliche Anzahl von nicht geeigneten Kandidaten «‘ingefiiUrt worilen. Es sei* kein Unglück, daß sie in «leii Jahren nachher «lie Logen wieder verlassen hätten. Indessen kann uns «liese Erwägung nicht viel trösten. Tatsache bleibt, daß es uns aus Gründen, über die wjr nicht Herr sind, immer schwieriger wird, neue Briülcr zu gewinnen. Es fällt «lie fortschreitende V e r a r ni u n g ins Gewicht, «leren wir bereits gedacht haben. Auf «lie Dauer führt sie notwendig zu einer Verämlernng «les Lebensstiles im Orden, nicht nur hei den einzelnen Brü«lem| Wir wer«len in den Logen bescheidener werden. Wir müssen uns. auf «lie veränderten Verhältnisse umstellen, eine Forderung, die leicht aufgestellt, aber nur schwer erfüllt werden kann. Aber die** ökonomische Verarmung ist nicht das einzige Hindernis für eine weitere Ausdehnung «les Orilens. \ ielleicht ist sie noch.nicht einmal «las schwerste. Der Onlen setzte sich bis jetzt weit überwiegen«! aus Selbständigen zusammen. Das wird in Zukunft nicht me’hr möglich sein. Angestellte auf untergeordneten und schlechtbezahlten Posten haben «lern- Orden bisher nur wenig angehört. Jetzt aber hängt das Schicksal und die Lebensmöglichkeit «les Orilens davon ab, «laß sie sich uns eingliedem. Der Orden der Zukunft, wird entweder zu einem sehr erheblichen Teil Angestellte umfassen, oder er wird nicht lebensfähig sein.' Die Schwierigkeiten, die sich dieser fundamentalen Umstellung gegenüber erheben, sind enorm. Zu den Leitlinien unserer o “ Logenarbeit im kommenden Winter gehört deshalb auch die Auseinandersetzung mit diesen Problemen und ihre Überwindung in der praktischen Arbeit der Propaganda. Noch auf einen dritten Kreis von Problemen müssen wir im Zusammenhang mit den Fragen der Propaganda hinweisen, auf die Gewinnung der Jugend. Unsere Logen sind heute überaltert. Wir sehen in den Sitzungen verhältnismäßig viele Fünfziger, Sechziger, Siebziger, aber wenige Vierziger und noch weniger Dreißiger. In diesem Faktum, liegt eine große Schwächung iles' Ordens - und seiner werbenden Kraft. Unsere Jugend fehlt aber, weil sie zu einem erheblichen Teil mit «lreißig Jahren noch lange keine Lebensstellung Kat und nicht heiraten kann. Sie hält sich aber auch ferne, weil sie von neuen, uns, der älteren jüdischen Generation, der Trägerin «les heutigen Logenlebens, fernen geistigen und politischen Strömungen erfaßt ist. Wir, die jetzt Älteren, sind Bourgeois im guten Sinne des W ortes. W ir haben keinen Anlaß un«l wahrscheinlich auch gar nicht die innere Möglichkeit, «lie Stimmung zu verleugnen, die unser Leben in Seinen entscheidenden Abschnitten beherrscht hat. Wir körnten trotzdvm unsere Jugend sehr, wohl verstehen, aber dieses Begreifen ist dann eben nicht luiser eigenes Lebensgefühl, sondern das Nachempfunden eines freinden, und wenn es «las unserer eigenen Kinder wäre. Die Jugend, arm, ohne Aussicht, ohne Arbeit, als jüdische Jugend noch «lazu mit Ausstoßung au» «1er deutschen Volksgemeinschaft bedroht, «lenkt un«l lebt ‘mit Notwendigkeit gnders als wir. Wir können sie nicht gewinnen ohne Auseinandersetzung mit dem Komnjuijismus, der große Teile ton ihnen in seinen Bann gezogen hat. Dieser Kampf wir«!- aber nicht literarisch geführt werden, nicht durch ein Referat über ein kommunistisches, Buch und «las dazugehörige Korreferat, sondern pur durch «lie Aufnahme von Angestellten und Jungen, auch von Kandidaten kommunistischer Gesinnung, falls sie . sich mehlen, und durch gemeinsame Gestaltung eines neuen Ordenslebens, von dem wir nur wissen, daß es kommen, von dem wir nicht sagen können, wie es beschaffen sein wird. Wir hauen darauf, daß die' Zukunft die Zukunft lehren wird. Aber anfangen müssen wir in der praktischen Arbeit dieses Jahres. In allen Schwierigkeiten, die die Zeit uns bereitet, wollen wir aber ja nicht vergessen, daß die Zeit auch für uns arbeitet. In dieser furchtbaren und für den , Juden noch gesteigerten Depression ist größer als iij ruhigen Tagen die Sehnsucht nach menschlichem. un«l jüdischem Zusammenschluß. Der gleiche Opden, dessen Nöte allgemein bekannt sind, kann gleichzeitig seinen Mitgliedern heute an W erten der Persönlichkeit mehr bieten als früher. : Neben «lie äußere tritt mit gleicher W ichtigkeit die innere Propaganda, die erneute j Gewinnung der Brüder, die dem Orden bereits angelii'iren, für ein intensiveres Logenleben. Viele Brüder traten ein, wurden eingeführt und wurden dann nie mehr gesehen. Viele von ihnen stehen dem Orden grundsätzlich ab- .1

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