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Der Orden Bne Briss · 1932-12-01 · Nr. 10 - Dezember (12.1932) · p. Seite 149

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Nr. 10 - Dezember (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 149 (sequence 13)
Language
German
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I Briefe an den O. B. B. Die jüdischen Bühnenkünstler in Deutschland j Br. Alfred Durra, Qherspielieiter und Schauspieler, sclireiht uns: j | Die wirtschaftliche Situation der deutschen Bühnen wird gekennzeichnet jdurcli den Beschäftigungsgrad ihrer Angehörigen: sechzig vom Hundert der deutschen Bühnenkünstler sind zur Zeit ohne Engagement, n u r vier Zehntel aller Bühnenmitgljeder fanden fiir ilie Spielzeit 1932—33 in ihrem Berufe noch eine Tätigkeit. Der 'Prozentsatz der Erwerblogen ist also hei den deutschen Theatern noch weit größer.] die wirtschaftliche Lage der Bühnenkünstler noch katastrophaler als in 'den meisten anderen gleichfalls schwer leidenden Berufen. Noch viel schlimmer aber geht es heute den jüdischen Bühnenkünstlern: von ihnen halten in dieser Spielzeit im ganzen nur acht v o m II u n il e r t ein Engagement erhalten! |-— Während von der Gesamtheit der deutschen Bühnenküi stier immerhin noch 40% Arbeit halten, können sich nur 8% (acht vom Hundert) aller jii< iselien Schauspieler i nd Sänger in Deutschland dieses Glückes erfreuen. Di« Sänger dürften etwas besser gestellt sein als die Schauspiel?r. Es galt auch früher in Deutschland rin paar Bühnen, besonders einige Hoft teater. all die Juden nicht engagiert wurden. Im allgemeinen alter war damals die künstlerische Befähigung für das Engagement maßgebend. Heute steht vor allen anderen die Frage najrh der Religion. Rasse und Staatsangehörigkeitdt s Bewerbers. An vielen Theatern -lehnt man sogar solch - Mitglieder alt. deren Aussehen den ...Verdacht.** jüdischer Abstammung zuläßt, auch wenn dies«* ihre Reinrassigkeit dokumentarisch beweisen. Es braucht an dieser Stelle picht gesägt zu werden, was Jutlen für die Entwicklung und den hohen Stand tler deutschen Bühnenkunst geleistet haben/ Das Resultat dieser Leistung ist heute: zWeiundneuüzig von hundert jüdischen Bühnenkünstlern wird künstlerisch ‘'und materiell die Existeiizliercchtiguiig allgesprochen. Denn seihst wenn dieser Boykott einmal aufhören sollte, so sind doch fiir diese Spielzeit (1932—33) die weitaus meisten vdn ihnen aus ihrem Berufe fast vollkommen ausgeschaltet. — Der Schauspieler alter, derein ganzes Jahrj-nicht aut der Bühne steht, kann hei der zur Zeit jherrscheniten allgemeinen Arlieitsnot kaum noch den Rückweg zu seitpem Berufe finden. Dajnit hätte die antisemitische. Hetze ihren Zweck erreicht: den Ausschluß der Juden von der deutschen Bühne. Die Theaterleiter, die gewiß |nur zum kleinen Teil antisemitischen Tendenzen huldigen: wagen es zumeist nicht, sich dem Terror entgegeiizustellen. weil sie fiir ihre eigene Existenz fürchten. — Die nicht jüdischen Bühnenkünstler, soweit sie nicht Anhänger einer heptjmmten politischen Rieh- - tnng oder ganz unpolitisch sind, folgen der jeweils vorherrschenden Strömung iin«l lassen ihre jüdischen Kollegen ihre Abneigung mehr oder weniger deutlich fühlen.' Das \ erhalten dieser Kollegen trägt jedenfalls genug dazu hei, den wenigen1 noch im Engagement befindlichen jüdischen Künstlern das Lehen und die Arbeit ijiicht gerade angenehm zu machen. j Ein lauter Appell an die breiteste Öffentlichkeit, an alle, die sich noch ein Gefühl fiir Menschlichkeif und Gerechtigkeit -bewahrt haben, denen die deutsche Kunst zu wertvoll, ist, um sie zum Tummelplatz des Rassen- und Religionskaitipfes machen za lassen, müßte erhöhen werden, um zu Besinnung und Besserung zu führen. j Die jüdischen Kreite sollten ihr besonderes Augenmerk auf die hier geschilderten Tatsachen richten! und hei ihren geselligen und gcr auf promi angängig, eng, heranziehen. künstlerischen Vc-rapn lente Namen bedacht aigeinentslose jüdische Die Notsitiation der jüd. Maler Deutschlands 'staltungen etwas wenitein. sondern, wo irgend ü»stier zur Mitwirkung v erliraucht «nlkerungskrei* Der Maler Br,. Jakob Nußhaum-Fran kf irt a. M. schreibt pus: y Die Notlage. in der sich die jüdirclien Maler in Deutschland befinden, ist natürlich eng mit schaftslage ve knüpft; s|e kamt al io die Lage der Angehörigen anderer P -oiluktioüszwcigc, der-u Produktion gri kt-rung. Sie itt alter schlechter als_ in rufen, weil Kunstwerke Bestand hah-ti und weil auch durch den >e in kleinere Wohnt in;;en Teil der älteren Kunstwerke auf dei ilie kleine Möglichkeit der Aüfnahri'e verringert. Besonders erschwert wird -i sehen Mal er*, weil er inf tlge der r «tellung gerade von den Kreisen ein fe Wirtschaftskrise am wenigsten heriijiit n kann der Maler iu wirtschaftspoliljscli ßer ist als die Aufnahmefähigkeit der Bt-völdiesen anderen Bc- — sie werden nicht Umzug großer Beeil!* erheblicher ügarkt kommt und so neuer Werke noch ie Lage des j ii d i - ssenpolitischen Eiunt ist. die von der ordeu sind. — Nun Sinn nicht arbeitslos sein und werden und mir in den er sich zu pai ind ihm auch diese Wege zu einem verhaut, alle diese Doidi wie klein und leicht Sch’ dahin wirken, d Kunst und der teipolitischcr Be.tätigun; entschließen. So u i'erigkeiten im Daseinskampf des jüdischen raft lähmen würden, n g s I o s ist. e Cu e n. — Die Großluge Malers, wenn sic nur sein bloßes Lebt seine Schaffens! der h o f f n u tl e s M e n s c h fiillung einer schönen iind fruchtbar« ii iß sich jec einzelne VünStler förderüd aniiinimt. Die jüdischen Musiker in Deu Der- A iolinint Br. Alfred bach-Loge) schreibt uns: * Die Einführung des Tonfilms ist katastrophaler Wirkung gewesen, es von 6000 Musikern 5300 brotlos. Da Itenslen Fällen wir«!!.of, terhalt zu kommen, zu ertragen wären berühren. alter nicht t e r e i ii K a m p T. t e t d.i e Seel e sti llt hier vor .der Er- Aufgalte. Sie sollte des Distriktes der schland. fte (Bcrthold Aucrt i<rd In frage in den ahderen Gebieten (Kaffee Musik) auf ein Minimum berahgedriirk . junge Künstler unmöglich geworden«- . |J) tlie Lehrer von verhängnisvoller )\ irkun( was man den Künstlern in den sogeuan Kreisen'zumutft! Bei W ohftäligkeitpkfl ein Ehrenaiisschuii von prominenten reichwerden Künstler zur Gralis-Milw irkung v lehniing ist oft aus gesellschaftliche! möglich. Br. Wittenberg meint, daß < vielleicht keine Honorare fiir die Kü die reichen Leute aus dem Ehrcnauss. Eigenem mehr tun. insbesondere da die tätigkeitszwecke ’lcichfalls ihre lionorä den. Man sollte eine Einwirkung auf tuiigen nach dieser Richtung hin vers erwähnt Br. W'ittcnlierg die Brüder- und der Berliner Logejn. deren Einstellung de über stets eine vprnchtuc ist.. Er fügt regung hinzu: Die Räume des LngCnhau lern unentgeltlich an freien Ahenden stellen, damit die .Künstler in die Lage ve ten. Konzerte gegen ganz geringes Eint stallen. Jüdische Künstler halten es nocli die anderen, sie sind einem verstärkten (Dg* die Musiker von en . beispielsw eise h ist tlie Honorarhaus- und Hotelein Studium fiir ist weiterhin für Es ist unerhört, iten gut situierten rieft. über denen n Leuten schwebt. ulaßt. Eine Alt, Rücksichten nicht Wohltätigkeitsfesl er vertrüge, alter uß könnten aus iinstler fiir W ohlherahsetzeu vviir- :emeine Veransla1- — RühiiHMid h Western verbände Künstlern gegettinn noch die Aujiidisehen Kiinstir Verfügung zu netzt werden küniilittsgehE zu veranvjel schwerer als uek ausgesetzt. is! I ■c Ii a ll| :< IC lieti. 149

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