Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 10 - Dezember (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 145 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Buchungen von Boas haben gezeigt, daß diese Angleichung sich an Einwanderern auch exakt feststellen läßt.! Wir wissen heute durch umfassende Messungen, daß .Körpergröße, Körpergewicht, Muskelbeschaffenheit, Kopfumfang usw. von den Lcbensverhältnissen abhängen. Die Auffassung, daß der Jude an körperlicher Tüchtigkeit den anderen unterlegen sei, ist durch die Erfahrung längst widerlegt. Dias mag hier gesagt werden, wenn auch betont werden muß, daß wir darin keineswegs das Entscheidende sehen. Es wuchsen nun Generationen heran, die die gleiche Entwicklung durchmachten, die gleiche Erziehung und Bildung genossen wie die nichtjüdischen Kinder auch. Wir falle haben als Muttersprache die deutsche Sprache, und Wer hebräisch beherrscht, hat es doch gelernt, wie man eine Fremdsprache lernt, die nie das werden kann, was die Muttersprache ist. Mit der deutschen Sprache haben wir aber zugleich den gesamten in der Sprache liegenden Kulturgehalt in unB aufgenommen. Es ist die Sprache, die für unB dichtet und denkt. Die Formen unseres Dichtens und Denkens sind deutsche Formen. Wir haben uns an deutschen Dichtem und Denkern gebildet, deutsche Munk hat uns unvergleichliche Höhen und Tiefen des Lebens erschlossen, deutsche Malerei, deutsche Plastik begegnet uns immer wieder und spricht zu uns. Auch in den Formen der Religionsühung wurden wir von der deutschen Umgebung weitgehend beeinflußt.: Wer wissenschaftlich arbeitet, fühlt sich eingegliedert in die Reihe der deutschen Forscher, und in Wirtschaft und Politik sind wir in das deutsche Schicksal unlösbar verkettet. Wir haben uns also alle an deutscher Kultur gebildet und damit ist weit mehr geschehen als daß wir gewisse Dinge rein äußerlich angenommen hätten. Die Bildung, die ein Mensch besitzt, ist in Wahrheit ja nicht das,’ was er „hat“, sondern das, was er „ist“, ist eine Form seelischer Prägung. Wir sehen, daß die Form, die ein Mensch gewinnt, bedingt wird durch die Kulturgüter, die ihm zu seiner Bildung' zur Verfügung stehen. Niemals kann sich die Seele des Menschen bilden, wenn sie, wie Simmel es einmal ausgedrückt hat, nur durch eigenes, subjektiv seelisches Gebiet läuft, sondern immer ist sie angewiesen auf den bereits vorhandenen Kulturbesitz. Nach welcher Richtung hin sich der Mensch entwickelt, ist in weitestem Maße von diesem bestimmt. Natürlich hängt die Entwicklupg des Einzelnen auch von seiher angeborenen und ererbtenVeranlagung ab,und wir wissen, daß zwischen denMenschen weitgeheiideUnterschiede bestehen. Betrachten wir hier, lediglich die Unterschiede in der geistig-kulturellen Haltung, so wissen wir, daß das Schwergewicht der einen mehr auf wirtschaftlichem, der anderen mehr auf künstlerischem oder wissenschaftlichem oder politischem Gebiet liegt. Aber das innere Gesetz künstlerischen Erlebens und Schaffens, wissenschaftlichen Denkens und Arbeiten*, politischen ‘ Entschließens und Handelns ist immer und überall dasselbe, tind nur dife äußeren Formen sind verschieden, zu denen uni er den verschiet enen Bedingungen des Lehens die einzel icn geistigen Te ldcnzcti Anlaß g’egeblen haben Der Jude bringt daher all: Voraussetzungen für jlas Einreben in die deutsche Kultur mit, er ist befähigt wie jeder andere sie zu’erfassen und zu verstehen und dann an ihr mjtzuarbeiten. Die Erfahrung hat das auch hundert- und tausendfältig hevicscnJ und es gibt kein Gebiet der Kultur, auf dem Juden nicht Wichtiges! geleistet hätten. Oft ist es so, daß man iure Werke als urdentsch empfinde:; -— solange man nicht weiß, daß deij Schöpfer Jude ist. Ich weise etwa auf Gundolf hin. Der Deutsche, der nach Amerika auswandCrt, ist oft nach zwei oder drei Generationen schon vollkommen amerikanisiert, die Ungenauen, die nach Deutschland gekommen sind, sind Deutsche geworden, obwohl sic ■ doch roir anischer Abstammung sind. Die Juden, die Jahrhunderte hindurch unter die verschiedenen Völker zerstreut lind, haben sich diesen angepaßt und ihre Kul- ,tur angenommen, sind Glieder dieser Völker geworden. Sie haben nur da ihre geistige f igenart vollkotnmen bewahrt, wo sie, wie etwa in Teilen des Vorkriegs-Rußlands, in großen Massen zusamnit nwolnten und von den anderen gehafit, verfolgt und msges rlilosseii von jeder Be. . ziehung zu ihnen, lebten. Und selbst unter diesen ungünstigste i Verhältnissen ist die IJnrprägung ihres Wesens erfolgt, und sie haben das Land und "die Kultur ihrer Ver folser lie aen gelernt. In Deuts-bland leheti seit Jahr- Ijunderter Juden, und es gibt F iniilien, die es an Alfer wohl mit mancher anderen aufnehmen können. Wenn heute trotzdem -mancher .lüde, eine Spannung in sich fühlt, so nicht, weil er das Deut: che aus seiner Entwicklung irgendwie hinwegdenken könnte. oder möchte}, sondern veil ihm sein DentselifeiU von mancher Seite abzustreit?n versucht wird. Mit c em Gesagten soll naturgemäß nicht bestrittcik werden,*daß nicht doch irgendwelche Unterschiede zwischen Juden und Nichtjndci ganz klar, daß schon allein in einer dauernd bedrohten ihnen Rechte, auf die sie . streitig micht, bestimmte Zage iiushilden müssen. Das, was man als „spezifisch jüdische“ Eigenschaften vielfach bezeichnt, ist zu einem sehr großen Teil von hier aus zu verstellen. Es kann ferner inumwunden zugegeben werden, daß auch LTnterscbiede bestehen, die erbmäßig verankert sind, Unterschiede, die die Vitalität,* den Erlebnisrhyt imns, die Motorik usw betreffen, die aber an den von u:as erörterten Beziehungen zur geistigen Kultur nichts andern. Solche Unterschiede-bestehen nicht nur zwischen Romanen und Gei mären, sondern auch zwischen den einzelnen german man daraus irgendwie den Einwtnd herzuleiten vermag. daß diese Verschiedenheiten ein gegenseitiges Verständnis unihögl ich machen. Tm Gege ateil; gerade diese Verschiedenheiten haben sich als ungemein fruchtbar erwiesen un i das geistige Lebjen bereichert. ise.hcn. Stämmen, ohne daß n beitehen. Es ist zunächst dadurch, daß Menschen sich Situ; ition befinden, daß man , Vnsp-uch zu haben meinen, r überaus angeregt und