Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 9 - November (11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 132 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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I Bücherschau Auerbach, Elias: Wüste, und gelobtes Land. Geschii hte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salom >s. (Kurt Wolff Verlag. Berlin 1932. RM. 14.—. Ganzleinen RM. 16—). Unzählige Male ist, die' Geschichte Israels ton Theologen dargestellt worden, selten von Historikern, fast ausnahmslos von christlichen Forschern, einige ganz wenig* Male von Juden, und bisher meines Wissens nicht ein ei nziges Mal von einem Gelehrten, der Jahrzehnte lang im Lam I der Bibel seihst gelebt, hat. Mit dieser Feststellung ist »ereits die einzigartige Bedeutung, die dem Werke Elias Au rhaclis zu- - kommt, Umrissen. Denn um mit dem Letzten zu beginnen: wer dieJGcschichte eines Volkes schreiben will, muß in des Volkes Land gehen. Niemals können Studium und Lektüre von Bichern den frischen Eindruck ersetzen, den die unverrückbaren Zeugen der alten Begebenheiten. Berge und Flüsse. E lenen und Meere, machen.' Durch diese lebendige Anscl auung gewinnen die überlieferten Tatsachen erst Leben ui d verlieren den Modergeruch, der allem Erlesenen anliaftet. Aber auch mit einer kurzen Studienreise ist es' nicht getan. Wenn Auerbachs Darstellung plastisch wirkt wie kau n je zuvor eine Geschichte Israels, so ist dies der genauen1 Kenntnis zu danken, die der Verfasser von Palästina hat. wie es vor 23 Jahren war und teils heute noch ist.' Vieles sehr vieles bat sich dort selbst in 3000 Jahren nicht geäi derf. weder an dem Lande, das in einer ausgezeichneten Sri ilderung als Schauplatz der Geschichte vor uns entsteht, noch au den Menschen des Orients mit ihren uralten Sitten i nd Gewohnheiten. Damals, wie heute der ewige Kampf \ekerbauern und Nomaden. Damals wie hei dene \ ölker auf .gleichem Boden, damals wii Heiligtümer auf uralten Plätzen. \ ölkerwand Keligionswechsel überdauernd. In unzählige die Philister ngen. die dem kaum hcrhachs wirkt btirhrrn haben wir dip Darstellung von Sclilac von Skizzen gelesen, und trotzdem wirkt es fa i.cun man die gleiche Methode nun auf die DeLorahschlacht angewandt findet, oder den Kampf Sauls gegen bei MirhmaS, L> hätte der recht dankenswerten Ablüldti Werk mehr zum Schmucke eingefiigt wurde dürft: die klare, anschauliche Darstellung Am pla-tischer als die gedruckten Tafeln Da- Zweite, das dieses Buch von Hunderten de« gleichen liemas auszeichnet, ist die Tatsache, daß es ein jüdischer Historiker, nicht ein christlicher Theologe geschrieben bat. Non keinem Dogma gebunden, weder von dem Glauben an lie unverbrüchliche Geschichtlichkeit bibliscl ier Nachrichten. noch von der ebenso starken Doktrin chri itficher Theologen. daß Israel ad majorem Christi gloriain. nur als Vorläufer und Wegbereiter, zu werten jei, zeigt Auerbach in vorbildlicher Objektivität, daß ein Volk in allen seinen I.ehensäuBerungen Anspruch auf Wartung hat. ohne daß Israels Abn der Bibelhnend gegennicht vorbei-- erwähnt. in ganzen übrrrausgearbeitet damit den Äußerungen des religiösen* Genies hrurli geschieht. Selb-t wer den Ergehniss : kritik. auf denen das W erk aufgebaut ist. ’abl iiberstehen sollte, kann an zwei Ergebnissen geben, die zwar auch schon früher bekannt ui dieser Darstellung zum ersten Mal in ihrer ragenden, weltgeschichtlichen Bedeutung hi r worden sind: "L Israel hat als erstes uns bekanntes Volk Schrift, wenn nicht erfunden, so Nloch ganz gewiß unmittelbar nach seinem Eintritt in die Gesjchichte in umfassendem Maße verwendet. 2. Israel hat als erstes uns bekanntes Volk Griechen eine echt künsljerische, außerordentlich hochstehende Geschichtsschreibung gehabt. zwischen te verschielieute die rungen und Gcschichtsligen au Hand verblüffend, e Buchstabenlange den Ep ist hier nicht der Ort, ■ die Beweise für jdiese Thesen zu jviederholen. Die betreffenden Ausführungen lesen sich — jvie überhaupt große Teile des Buches — jwie ein spannender Roman, vielleicht ungewollt vom Verfasser, der gar nicht populär sein will, sondern vom Leser Mitarbeit und Denkarbeit verlangt, und der gerade'dadurch nicht nur den Wissenschaftler anregt, sondern auch den ‘Laien belehrt. Mii{ eil manche der blendenden Hypothesen, phne die kein W erk über biblische Geschichte auskommt, iletzten Endes unbeweisbar bleiben. sij> haben doch ihren Wert, weil sie diel Dinge unter einer peuen Beleuchtung neuartig erscheinen lassen. Ich führe eines an: Auerbach versucht zu bevvearen. daß Ehjatar, der Priester unter DaCid, ein Nacbkoisme Moses, der Verfasser des großen Geschichtsbuches waii das uns in den Samuelbüchern erhalten Ist, und daß er die alten Erzählungen über die Richter, die sich um die Standesheiligtümer gruppierten, gesammelt oder in seinem Werk verwendet hat. ja daß auf ihn die Überlieferungen von Moses und den Stammesvätorn zurückgähen. So wäre dann der Geist Moses, den auch Auerbach als große, geschichtliche Persönlichkeit begreift, in einem großen Nachkommen wieder lebendig geworden. J Ein zentrales, heiß umstrittenes Problem dtr israelitischen Religionsgeschichte, das Wesen des Prophetpntums, wird in der Forschungen Auerbachs nur gelegentlich gestreift. Hier wird die Fortsetzung des Werkes, welche die Zeit bis zur Eni Stellung des zweiten Tempels umfassen Wird, uns sicher- Wir sehen ihr Leszynsky. lief neue interessante Aufschlüsse bringen, mitj Spannung entgegen. Entyrlopaedia judaica Band IX. Eschkol-jVerlag. Berlin. | XXIV u. 1248 Sp. | .(jrleichsam als Geschenk zu unserem Neujjahrsfeste ist der nelunte Band dieses bekannten'großen 'Nachschlagewerkei trotz der gegenwärtigen W'irtschaftsmisere in bekannter vornehmer Ausstattung und-Güte mit vie|en Abbildungen und Noten erschienen, wofür wir der Redaktion Klatzkin- Elbogen. dem rührigen Verlage und allen Mitarbeitern von Herzen dankbar sind. ■! ' Der vorliegende Band umfaßt die Artikel: Jerusalem (Else) bis einschließlich die Kimchiden. | Von groß angelegten Abhandlungen seien hervorgehoben: Jesaja, Jeschiba, Jesus von Nazareth. Jiddisch und Jiddische Literatur, Joseplius Flavius. Judeneid, Jugendbewegung, Kabbala, Kalender.. Karäer, Katakomben, Ketuba. Hoffpn wir, daß der 10, Band recht bald folgt. [ F. Der 6. Band der großen Mendelssohn-J tbiläums-Ausgabe erschienen! > Von der großen Mendelssohn-Jubiläump-Ausgabe ist in ilipscn Tagen ein weiterer Band aus der F()lge der Schriften zur Philosophie und Ästhetik herausgekomjmen (Band III, I bearbeiti-t von Fritz Bamberger und Leo Slrauss, Akademie- Verlag Berlin). Dieser Band verdient besondere Beachtung, weil mit ihm nun auch die Schrift Menjdelssohns in würdigster und wissenschaftlichster Form vorliegt, die Mendelssohns Ruhm besiegelt und dauernd gemacht hat: der Pljaeden. Ein ganzer Kranz von Schriften! sind um ihn herumgelegt und geben mit dem Phaedon zusammen Kenntnis davon, wie das alte und ewige Problem dpr Unsterblichkeit der Seele, von Mendelssohn in einer für sein Jahrhundert repräsentativen Form behandelt wurde. Bisher unbekannte ■ Eatw-ürfe geben dem interessante Aufschlüsse, der in die Entstehungsgeschichte de« berühmten Bichs hineinsehen will. Überhaupt ist es der besondere Vorzug dieses Bandes, daß er eine Reihe wichtigster Arbeiten aup den verschiedensten Gebieten der Philosophie und Ästhetik bringt, die hier ziim ersten Mal veröffentlicht werden. 132