Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 9 - November (11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nachweise hatte die Gründung eines Verbandes der Arbeitsnachweise zur Folgen Wenn auch in jenen Zeiten vielleicht die Anforderungen, die an die Arbeitsnachweise gestellt wurden, glicht sehr groß waren, so haben wir cs doch der vorausblickenden sozialen Einstellung der Logen zu verdanken, daß wir heute, überhaupt in der Lage sind, auf dem Wege der eigenen Arbeitsvermittlung der Arbeitslosigkeit entgegentreten zu können. Denn bekanntlich,können, seitdem das Arbeitsnachweisgesetz im Jahre 1922 in Kraft getreten ist, charitative Arbeit»- nacjhweise nur unter außerordentlichen Schwierigkeiten neu geschaffen werden, Wir sind also auch heute im wesentlichen auf die seinerzeit erfolgten Arbeitsnachweisgründungen der Logen angewiesen.*) Ungeachtet des ^außerordentlichen Umfanges der Arbeitslosigkeit kann auch Heute noch durch systematische ' Arbeit sehr vielen Arbeitsuchenden zu einer Arbeitsstelle verholfen werden. 'Denn auch heute ist noch ein großer Teil der Wirtschaft intakt, und innerhalb dieses noch gesunden Teiles der Wirtschaft vollzieht sich ein ständiger Personalwechsel, in dessen Rahmen auch für jüdische Arbeitsuchende hoch Möglichkeiten vorhanden sind. Voraussetzung hierfür ist jedoch, daß den jüdischen Arbeitsuchenden, die Möglichkeit gegeben wird, rechtzeitig vom Personalbedarf unterrichtet zu sein und *j Auf diesem Gebiet sind außer Maretzki noch die Brüder Meier Sd>«rarzsetiild, Frankfurt a. M., Eugen Rosenstiel, Max Ginsberg und Eugen Caspary tätig gewesen. sich bewerben zu können. Diese Aufgabe kann iijeute nur ein vollausgebautes jüdisches Arbeite lachweiswesen erfüllen. Aus den Erfahrungen der jüdischen Arbeitsnachweise in Berlin, Breslau,-Frankfurt utW. wissen wir, daß dank der Tätigkeit der jüdisclren Arbeitsnachweise zahlreiche jüdische Arbeitsuchende wieder-«fine Beschäftigung und damjt die Möglichkeit^ sich und ihre Familienangehörigen ernähren ::u können,’ ge ünden halben. Allejn in Berlin konnten im Jahre 1931 hei einer Gesamt- - ■Meldung von fast 15 000 Stellensuchender 4350 Arbeitslose für vorübergehende oder dauernde Beschäftigung vermittelt werden.. Dies zeigt uns, daß döit, wo wirklich ernsthaft der Versuch gemacht wird, jüdiiche Metischen in Arbeit zu bringen, auch heute noch A lssicht auf Erfolg vorhanden ist. Die jüdischen Arbeit? iachweise|sind das beste Mittel in dem Katnpf um unser Recht auf Arbeit. Der Sinn der vom Preußischen Landesverband veraulaßten Werbeaktion kann nur der sein, dafiit zu sorgen, daß der jüdische Arbeitnehmer die Möglichkeit erlangt, sich um den freien Arbeitsphftz zu bewerben. Der gesamten jüdischen Öffentlichkeit, in »besondere der Logenbewegung als der historischen Trägerin der Idee der jüdischen Arbeitsvermittlung, steht liier ein weites Feld zur Betätigung offen. Hier sind noch Möglichkeiten vorhanden, die, wenn sie Voll ausgenützl werden, zwar nicht das Problem der Arbeitslosigkeit unter den Jaden lösen, aber zahllosen Mensehen Rettung ajus größter |Notluge sein können. ( I Die jüdische Öffentlichkeit befaßt sich nicht erst seit der Wirtschaftskrise mit dem Problem der Berufsumschichtung. Wie wenig bekannt ist es aber, daß es nach det Berufsstatistik im Jahre 1925 allein in Berlin 6115 jüdische Handwerker pnd 4900 Gesellen und Arbeiter gab? Etwa 30 000 jüdische Familienangehörige leben in der Reichshauptstadt^yom Handwerk. Auf diese Tatsachen! die Aufmerksamkeit zu leisten, gab Anlaß die vom Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens vom 11. bis 18. September des Jahres unter dem Protektorat der jüdischen Gemeinde in Berlin veranstaltete Werbeschau. Es waren die verschiedenartigsten Berufszweige vertreten: .Bäcker, Fleischer, Schneider, Schuhmacher, Tischler, Dekorateure, Glaser, Optik, Elektrotechnik, Maler, Töpfer, Schlosser, Klempner, Steinmetzarbeit, Buchdrucker, Schriftgießer, Photographen,’ Radiowesen, Instrumentenarbeit, Sattler, Kürschner, Hutmacher usw. usw. Die'Werbeschau bezweckte Umfang und Qualität jüdischen Gewerbefleißes darzustellen. Ein hoher Grad handwerklicher Vielseitigkeit und Vollkommenheit wu/de gezeigt, und es ist erfreulich zu verzeichnen, daß die Schau zahlreiche Besucher angelockt hat ' . Die Veranstaltung stand unter dem Zeichen der Not im jüdischen Mittelstand, sie bedeutete einen Akt der Notwehr gegen die immer mehr um sich greifende Boykott- . bewegung der Nationalsozialisten gegen jüdische Arbeit. Man vermied papierene Demonstrationen, sondern bot Berufsumschichtung und Handwerk Wert und W’ürde der Arbeit als Gegenwehr auf. Aber nicht nur ein Bild von handwerklichem rar Sin eiß und hand- und Zweck des an die Urteilsppell gegen die Leistung sfähigkeit. Und war ein werkliclier'Kraft zu gewähren Unterrichten», es wandte-sich - zugleich fähi’gkeit der Käuferschichten; Skepsis hinsichtlich jüdischer nicht nur dieses Vorurteil gilt es zu überwinden; es ist notwendig geworden, das soziale Verstä ldnis für die besonders schwierige Lage des jpdiscTien Handwprks, das auf einem einsamen Wirtschaft$po$teu steht, wachzurufen, das Gewissen zu inahnen, daß die jüdischen Handwerker vermittelst „Hilfe durch Arbeit“ in ihren Lebens? grundlagen erhalten lind gefördert werden. Der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens gibt ein Branchenverzeichnis feiner Mitglieder kostenlos heraus (Gr. Frankfurter Straße 80/81, Teljefon E 3 2490). , Ein besonders verdienstvoller lingsarbeiten von Zöglingen dei heims in Pankow, des zweiten sehen Gemeinde Berlin, und d?s ieeanke war es, lehrji idi sehen Lehrl Faitei hause» der ings? jüdivtm Meistern rein begründeten Lehrlingsvereins zur Schau, zu stellen, ge- Inge) lauungsunten icht wissermaßen einen praktischen über die Durchsetzung def F.ordei tung“ zu geben. Auch Erzeu, Blindenanstalt wurden gezeigt, per werkerstand bekundete damit sein bewußtsein vor der jüdischen Gemeinschaft und Berufsumscl liehder jüdis- :hen jüdische H and- Verantworti ngs- 127