Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Festnummer zum Ordenstag ; Nr. 8 - Oktober (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 116 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Fisches Gefühl ward durch die Zurücksetzung nicht berührt. sein jüdisches Empfinden nur um so aufrechter gestärkt. Als Sprößling einer uralten jüdischen Siedlung auf echt deutschem Boden gehören, als Sohn eines jut jüdischen Hauses aufgewachsen und zugleich an klassischen Bildungsstätten Süddeutschlands geistig hörangebildet. schöpfte er seine Gedanken- und Gefühlswelt in so selbst» erständlicher Harmonie aus diesen lebendigen Quellen, daß ein innerer Zwiespalt. gar nicht aufkommen konnte. We in er darum aus dieser Selbstverständlichkeit heraus als beirdter Anwalt aufs cntschieilenste da» Recht und die Rech e der Juden . als deutsche Bürger forderte, so lag ihm jeder \ssimilationsgedanke ganz und gar fern. Im Gegenteil: ..Mehr Steifnackigkeit“ war ein gern von ihm gewählte: Schlagtyort. Das Judentum als innere Gemeinschaft zu erh ilten und-den Zusammenhang seiner bluts- und hekenntnismäßig verbundenen Glieder immer enger zu gestalten, die Judi’n selber aber geistig Und sittlich so hoch zu heben, daß eder Anwurf von außen fehl gehen und — jeder \orwand, ihnen die Gleichstellung zu versagen, nichtig' erscheinet mußte, das dünkte ihm eine natürliche und alles Einsitzes würdige Lebensaufgabe, Sie führte ihn auch zum Orden und ließ ihn rasch zu einem Führer des Ordens in Deutschland we 'den. Er war ein geborener Führer, schon um seiner -hin •eißenden Beredsamkeit willen. Sie war — man möchte ageu. wie der ganze Mensch — süddeutscher Art. Die lo [isclie Schärfe fehlte seinen Ausführungen nicht, aber sie wirkten viel mehr durch ihre Herzlichkeit, durch ihre Gemütsiiefe. durch ihren idealistischen Schwing. sie griffen an die Herzen und banden Redner und Hörer augenblicklich durch das starke Gefühl der Sympathie. Man empfand, um es mit einem biblischen Wort zu sagen, daß hier ein Herze;isweiser stand, einer, dessen Worte aus seinem Herzblut flo -sen und nicht aus der kühlen nüchternen Überlegung des b« rufsgewohnten Rechtsverteidigers. W ar aber dann der lieißr Überschwang der Rede abgeebbt, so kam wieder die ruh ge, abgeklärte Güte, die ja auch dem Herzensweisen eignet, der behaglich frohe Zauber des reinen allumfassenden Menschentums, die aus einer fleckenlosen Seele strömende Heiterkeit, in der sich die Strahlen der rheinischen Sonne bargen, zi m Druclibruch und zogen nicht nur unwiderstehlich an. sendern schufen vor allem herzliches Aertrauen. Eine in si< h geschlossene geklärte Persönlichkeit, hielt Max Loeb alles was seine Kräfte hatte zersplittern können, äußeren Schein, frei von jfglicher Ehrsuclji genug wiederholte Angebote, die ihn in die von sich fern. Abhold jedem lehnte er oft große Öffentlichkeit besonders der Politik ziehen wollt *n. . konsequent ab. E? gehörte seinem Berufe unyF — spinop Brüdern. Die Arbeit im Orden war ihm nich^ein Nebenbei.' sondern -ein ganzes Selbst unil griff, naturgemäß weit über die eigene Loge in Mainz hinaus. Für die Ausbreitung! des Ordens be- »omlers.in Süddeutschland hat er Unvergängliches geleistet. Sein Wort und seine-Persönlichkeit waren i ie beste Propaganda: jenes verklärte, diese verlebendigte die Ideen des Orden-, Seine unbeirrte vaterländische Gesinnung. sowie die hochangesehene Stellung, die Max Loi b in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen einnahm, widerl “gten am besten die gewohnheitsmäßig gegen die Gründung von Logen erhobenen Einwände der Absonderung. In d-r Großloge und im Generalkomitee ragte er unter all den ausgezeichneten, Männern, die ihnen angehörten, eindrucksroll hervor und war in feierlichen Momenten als ihr Spre :her ausersehen. \uf der Tagung des Aerbande^ der Deul sehen Juden in Frankfurt 1907 bildete er nach seiner eindi ucksvollen'Rede den Gegenstand einmütiger Huldigung aller Auf der Höhe eines friedlichen und glücklichen Dasein« Tiß . ihn nach schwerer Erkrankung der Tod aus seiner it ealen Arbeit für das Aaterland. für die jüdische Gemeinschift, für uns. Es geht] eine gerade Linie von. Gabriel Riesser zu Max Loeb, abeti sie geht durch unseren Orden hindurch. Darum darf man unter sein Bild als Wahrspruch seines ganzen Lebens ergänzt die Worte Riessers setzen: Willig werden wir dem Vaterlande alles opfern, nur Glauben und Treue. W'ahrhcit und Ehre — und die Ideale unseres Ordens nicht! Geb. 23. 9. 1860, gest. 17. 12. 1911. Rhenus-Loge 1889—1911. Altert Joachim Von Arlhur Schindler-Berlin ..Immer wieder erscholl sein mahnender Ruf: was sagt das Gesetz? Nicht sowohl, weil er das Gesetz achtete, als er in der Verletzung .des durch Treugelöbnis der Bri|<ler umhegten Ordensgesetzes den O r^d e n selbst entilit und entstellt sah.“ Mit diesen Worten suchte ich Joachims Verhältnis zum Oräen an anderer Stelle zu cha/rakterisieren. Das Gefüge des Ordens in Deutschland ist untrennbar mit der Arbeit Joachims verbunden. Die Gesetze des Ordens atmen seinen Geist, die Fassung der einzelnen Bestimmungen ist [außerordentlich häufig auf ihn selbst zurückzuführen./ ..Wjr arbeiten am Orden nicht sow-ohl für uns, auch nicht nur1 für die Gegenwart, sondern an der ethischen Entwicklung der Menschheit^ der Orden ist ein Kulturfaktor und daher auch vom juristischen Gesichtswinkel mit allen Kaütelen zu umgeben, um -auf der einen Seite die Selb-’ ständigkeit. die Verantwortungsfreudigkeit der Arbeit in dein einzelnen Logen zu gewährleisten, andererseits aber auch Willkür in den leitenden hohen und höchsten Führerstellen auszuschließen.“ In diesem Sinne äußerte er sich vertraulich anläßlich der im Jahre 1906 erfolgten Umarbeitung der Großlogengesetze. Joachim, der harmlosen Skaltnachtsitzungen regelmäßig beiwohnte, war das Gegenteil eitles Formaljuristen, eines Pedaijten. Dies zeigte sich hesoiijders. wenn er als Diskussionsredner scharf und zugleich freimütig sprach. x r- Aller seiner Aufgaben entledigte er sich mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit. Als eine dieser Aufgaben betrachtete' er es auch, als Expräsideut ein Mitführer seiner Deutschen ReicHs-Loge zu bleiben. Wie Maretzki war er darum ein regelmäßiger Besucher seiner Loge und, wiederum wie Maretzki. ließ er die Brüder an allen Phasen seiner Arbeit und an der Arbeit der Ausschüsse, denen er in der Loge und in der GroßLöge angehörte, innerlich teilnehmen, indem er über die Tätigkeit dieser Ausschüsse über das hin und her der« Erwägungen ausführlichst berichtete und — aus erziehlichen Gründen — die Brüder zur Kritik an.diesen Arbeiten aufforderte. So hat er jahrelang sich an der Kleinarbeit zum Aufbau der Berliner Toynbeehalle beteiligt, die Brüder seiner Loge fast in jeder Sitzung auf dem Laufenden gehalten und Vorschläge aus dem der Brüder angeregt. Seine scharfe Schlagfertigkeit, erweckte oft den Anschein einer gewissen Härte, zu Unrecht. Er vertrat den Standpunkt: „Wer die Fehler seiner Brüder nicht zu ertragen vermag, ist kein richtiger Bruder.“ Charakteristisch ist folgender Ausspruch Joachims: ..Man tadelt, daß so vielen Brüdern nicht ein stattliches Geleit zum Grabe gegeben wird. Wer aber der Loge etwas> bedeutet, muß wegen der Beteiligung an seiner Bestattung nicht bangen. Zu meiner Beerdigung wird man kommen.“ Er hatte auch hierin Recht. . 1 Geb. 3. 9. 1858. gest. 22. 8. 1908. Deutsche Reichs-Loge 1887—1908. 116