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Der Orden Bne Briss · 1932-10-01 · Festnummer zum Ordenstag ; Nr. 8 - Oktober (10.1932) · p. Seite 98

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Festnummer zum Ordenstag ; Nr. 8 - Oktober (10.1932)
Date
1932-10-01
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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- 1 Männer der Wissenschaft.) Hermann Staub Von Arthur Schindler-Berlin. Just.-Rat Dr. Staub. Expr. der Berth.-Auerbach-Loge, gestorben 1904 im Alter von 49 Jahren. \effasser des hei seinen Lebzeiten bereits in 10 Auflagen erschienenen Kommentars zum Handelsgesetzbuch uiul von Kofmmentaren zur Wechsel Ordnung und zum Gesetze hetr. die iGinblL. Mitbegriinder und Mitherausgeber der Deutschen Jjuristenzeituiig. , deren Rundschau er in seiner juridisch unjl journalistisch pikanten Art regelmäßig schrieb. Begründer «1er ..Lehre von der positiven Vertragsverletzung". inoffizieller Vertrauen«- mann der Justizverwaltung hei Besetzung höherer Richterstellen. erfolgreicher Dozent in (len von dei Regierung Anfang des Jahrhunderts eingerichteten hapdelSrechtliehen. Kursen fiir Volksschullehrer, ein in ungewöhnlichem Maße als Praktiker und Theoretiker geachteter Jurist, so daß noch heute kaum ein Band der Entscheidungen des Reichsgerichts in Zivilsachen, kaum ein Baud der Jurist. Wochenschrift erscheint. in deircn nicht in Fragen 'des Handelsrechtauf Staub Bezug genommen wird. Seine erke genossen auch außerhalb Deutschlands, in der Schweiz un|l in Oesterreich Autifrität ..wie fast da» Geset/z selb-t" . I. i* etwa zwei'Deilas ihn den he- Es und Anforderungen Vftikel der \\ crh- 100 Tagen der Fine Lcuchjo der VI issenschaft. "die zennien ein I.ehenswerk hinterlassen hat. deutendsten Juristen aller Zeiten an die S -ite stellt, ist erstaunlich, daß Stanh hei aller. Gewissjrnhaftigkri Gründlichkeit, trotz der weitgehenden seiner Praxis je an einem Tage einen selordnung kommentierte.' so daß in rum: Kommentar zur Wechselordnung fertigge-tellt witrd kann gar nicht >o schnell stenographieren, mir diktiert", charakterisierte er seihst I; indeseile arbeitende Schaffenskraft. - dessen Schlagfertigkeit und itze bekam: t. aber auch ge fürchtet waren, und noch heute iti ii utl I iph und in Zeitschriften immer von neuem überliefert ..Ich w ie Mer Kerl in r.lieud seine mit - Ein lluninrisfwerileu. — Kill ij das Kingreifen ek glaubte, und durch die freie erden, gleich' Freidenker iti d e m .Sinne, daß er nicht a eines persünlielicn Gottes ins Kiiizelgescli die offizielle' Religion nur als Erzieh n n g s mittel, als V h e f a u g s s t u f e in der Fntwicklun;: zur > Humanität erachtete, daß er meinte. Religion soTIte sittliche Persönlichkeit ii b e r w u n d en wohl aber voller Begeisterung für den. sitl iclirn Inhalt des Judentums, den göttlichen Flinken seiner Lehre und voller Stolz auf die durch Jahrtausende geistig und moralisch geförderte Judenbeit. Fr pflegte auch seihst die Tradition, indem er die Sederabende gern hielt —. Verstand er doch die Hagada lückenlos jm l rtext .— utn^ indem er den — Srgenssprtich hei jüdisch-religiösen Traiuingen in seinem \ erwandtenkreise selbst zu sprechen liebte. — Ein Bruder desM. .O.B.B.. der sich dem Orden aus eigehem Antriebe sofort begeistert als einer der ersten ansrhloß. als ei erfuhr, daß der Orde» in\ S t i 1 1 e n Wohltätigkeit übte und den sittlichen Chgrakter der einzelnen und dnr Gesamtheit zu .fördern sich bemühte. — Eine Persönlichkeit, die-sich ihres Wertes voll bewußt, gleichzeitig aber so bescheiden war. daß die Anerkennung auch des einfachste!! Mannes sie mit Freude erfüllte. — Eine sonnige Erscheinung, die Schönheit. Geist und Liebenswürdigkeit ausstr ihlte und jeden unbezwinglieh in ihren Bann .zog. ein Mensch, der mit Kindern wie ein Kind herumtollte, und dem ilorh tägliche Stundenlange geistige Unterhaltung mit vollwertigen Freunden Lebensbedürfnis war. eine geistige Persönlichkeit, die gleichwohl Freude bei der Erinnerung an eigene Leistungen als ..strammer Soldat" empfand, d. h Mensch, der auf seine körperlichen Pertigkr seiner Jugendzeit ins Mannesalter heriibc< * \ ein natürlicher eiten, die er aus j gerettet hatte. ebenso stolz war, wie auf sein noch in den vierziger Jahren erlerntes Radeln. Ein gütiger Mensch, dem Wohltun eine selbstverständliche Lebensäußerung bedeutete und der die Verhältnisse seiner Klientel so rücksichtsvoll beachtete, daß auch der Unbemittelte ungeniert seinen Rat einholen könnte und daß seine Berufsgenossen ihm scherzhaft .iilloyales Unterbieten" vorwarfen: erst iu den allerletzten Lebensjahren energischer darauf bedacht, die Zukunft zu sichern. — Ein Kollege, der täglich im Anwaltszimmer bereitwilligst seinen Berufsgenossen unzählige Fragen beantwortete. — Ein Vater, dessen Arbeitslust durch das diuemde Herumtollen seiner Sprüßlinge im Arbeitszimmer nicht gestört, sondern erhöht wurde, aber auch iin F r e u n d .* der ein ih^rt nahestehendes über den Verlust des einzigen Kindes untröstliches Ehepaar Monate hindurch trotz seiner Arbeitslast täglich aiifsuclite. um ihnen ojne Brücke zum W iederanschluß an das Leben zu hauen. Stäub' konnte aber — nach seinen eigenen Worten — zuweilen auch unerbittlich werden. ..Gegenüber dummen Menschen kann ich geradezu hart werden. Pflichtvergessenheit, Schwefe Musik. \ox allem aber Dummheit sind mir -unerträglich.-4 Das ..war vielleicht seine, einzige Schwäche.' Einzelheiten: Wie tief er im Judentum, wurzelte, leh^t seine gesprächsweise gegebene Aufklärung über seine Methode: -Meine Art zu kommentieren hat Schule gemacht. Man bewundert die eigenartige Neuheit meiner Kommentie- riingsmethodr und weiß nicht, daß sie uralt ist. So, wie ich das deutsche Gesetz erkläre, haben die Juden ihre Lehren erläutert. Meine Darstelliyigsweise ist die talaiudische. Ich werfe zu jedem Paragraphen die auftauchenden Probleme als Fragen oder Themen in Form einer Überschrift auf und beantworte sie.“ Die Achtung vor dem Judentum und — vor sich *t 1 b st — Keß ihn ein nur gegen Taufe zugängliches hohes Amt ablehnen. ..Früher hätte es mich vielleicht reigen können, jetzt aber bedeutet doch „Staub“ mehr als jeher Posten, außerdem entspricht es mehr meiner Eigenart. Menschen zu beraten. Menschen zu helfen, den Rechtsjfall im praktischen Leben zu gestalten, als ihn' in einem ..Ruhesitz“ nur zu beurteile n.“ Trotz angestrengter Berufstätigkeit und zeitraubender Arbeit als Herausgeber der Deutschen Juristenzeitung erledigte er täglich ”..1> evor er zum Arbeiten ka Tn“ stunde.nlang private Bittgesuche und entzog sich niemals seinen Pflichten als Bruder des 0. B.-B. Vom Jahre 1886 bis zu seinem Todestage war er Vorsitzender des Appellationsgerichts; zu Propagandazwecken reiste er nach Beuthen und Leipzig. „Zeigt uns eine Persönlichkeit im Orden, sagten die zögernden Leipziger, und der Orden wird liier eine neue Stätte finden.“ Staub wurde nach Leipzig gesandt, sprach und siegte. Sn kritisch Staub seine eigenen Arbeiten und Leistun gen beurteilte, so wohlwollend verhielt er sich gegenüber Leistungen anderer. •] Das Charakteristische seiner witzigen Aussprüche? Eine, glückliche Mischling von schlagfertigem, geistgesättigjtcm Humor , und von Schärfe, letztere vielleicht ein oberschlesisches Erbteil. Hier nur zwei wenig oder gar nicht, bekannte Beisniele: i I ' Als Staub noch nicht die Höhe seines Ruhmes | erklommen batte, meinte ein’ Kollege: In Ihrem Kommentar, lieber Staub, stellt doch nicht alles. So suchte ich neulich vergebens, ob das Fehlen eines Handlungsgehilfen 98

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